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Corona in Bad Windsheim: Impfbereitschaft wächst mit Nähe zum Virus

Viele Menschen in Pflegeberufen nutzen Corona-Immunisierung - 13.01.2021 06:00 Uhr

Das Impfzentrum in Bad Windsheim.

12.01.2021 © Foto: Claudia Lehner


Die Impfbereitschaft des Pflegepersonals in Krankenhäusern und Pflegeheimen steht derzeit in der öffentlichen Diskussion. Dies um so mehr, seit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Überlegung artikuliert hat, jener Berufsgruppe eine Impfpflicht aufzuerlegen. Das Bayerische Rote Kreuz hat eine klare Position eingenommen: "Eine Impfpflicht ist der falsche Weg", hieß es in einer Mitteilung. Die WZ hat sich bei den Kliniken des Landkreises und in einigen Pflegeheimen umgehört, um zu erfahren, wie es mit der Impfbereitschaft aussieht und wie Söders Gedankenspiele dort aufgenommen werden.

Die Kreiskliniken in Neustadt und Bad Windsheim sind bei den Impfungen im bayernweiten Vergleich gut dabei. Mit rund 18 Prozent lag die Quote der Geimpften, bezogen auf alle Mitarbeiter, gestern nahezu doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt, sagte Vorstand Stefan Schilling. "Wir versuchen so zu informieren und zu motivieren, dass wir eine hohe Impfquote haben", beschreibt Schilling die Strategie der Kreiskliniken. Zu Söders Idee in puncto Impfpflicht wollte er keine Aussage treffen – "da habe ich mir noch keinen Kopf gemacht".

Mehr als 90 Prozent

Im medizinischen Bereich der Kliniken sei die Impfbereitschaft sehr hoch, sagt Stefan Schilling, bei den Ärzten betrage sie mehr als 90 Prozent. Beim insgesamt rund 500-köpfigen Pflegepersonal wachse der Wunsch nach einer Impfung mit der Nähe zu Covid-19-Patienten. Über 80 Prozent derjenigen, die dicht dran seien an den Infizierten, wurden oder werden demnächst geimpft, proportional zum Abstand zu den Covid-Patienten sinke die Impfbereitschaft auf bis zu 50 Prozent.

In einer ersten Aktion waren 88 Klinik-Mitarbeiter geimpft worden, am Montag weitere 90, sagt Schilling. Am kommenden Samstag und am Montag stehen erneut mehr als 70 Impfungen an. Läuft alles nach Plan, wären dann schon mal alle mit Covid-Erkrankten in Kontakt stehenden Mitarbeiter geimpft, die dies wünschten, sagt Stefan Schilling.

Im Pflegeheim der Bad Windsheimer Hospitalstiftung, unter dessen Mitarbeitern wie Bewohnern das Virus grassierte und wo auch einige der Senioren an oder mit einer Covid19-Erkrankung starben, ist die Impfbereitschaft relativ hoch. Rund 20 der zirka 50 in der Pflege Beschäftigten haben sich bereits am 27. Dezember impfen lassen, als ein mobiles Impfteam im Haus war. Etwa zehn weitere seien sofort dazu bereit und ebenso viele würden sich laut Leiterin Jessica Leßmann impfen lassen, werden aktuell aber nicht berücksichtigt, da sie bereits mit dem Virus infiziert waren. Ein weiteres Fünftel der dicht an Senioren Arbeitenden stimme einer Impfung derzeit nicht zu.

Kein Streit unter dem Personal

"Diskutiert wird immer", zu Streit innerhalb des Personals sei es bezüglich des unterschiedlichen Impfverhaltens aber nicht gekommen, sagt Leßmann und beobachtet vielmehr eine wechselseitige Akzeptanz. Persönlich sieht sie zwar eine gewisse moralische Verpflichtung der Pflegenden, sich impfen zu lassen, den von Ministerpräsident Söder angedachten Impfzwang für Pflegepersonal lehnt Jessica Leßmann jedoch ab.

Das klingt für sie wie eine "Bestrafung des Pflegepersonals" und sei "nicht gut". Geringer als beim Pflegepersonal sei die Impfbereitschaft bei den Mitarbeitern in Verwaltung und Hauswirtschaft. Diese zählten zwar aufgrund der aktuell "etwas schwammigen" Rechtslage zu "Impfberechtigten", nicht wenige ließen sich aber nicht impfen, um nicht womöglich Dosen zu verbrauchen, welche andere dringender benötigen.

Keine genauen Zahlen

Im Seniorenheim Neumühle der Diakonie stehe ein Großteil der Pflegenden unter den 75 Mitarbeitern einer Impfung positiv gegenüber, sagt Leiterin Heidi Bach. Genaue Zahlen hatte sie nicht parat. Söders Überlegungen lösen bei ihr gemischte Gefühle aus. Einerseits könne sie es verstehen, andererseits "sind wir keine Diktatur". Differenziert betrachtet auch Erich Matthis den Impfzwang. Der Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes Bad Windsheim sieht das Spannungsfeld zwischen freier Entscheidung des Einzelnen und einer "bestimmten Garantenpflicht", welche im Grunde erfordere, dass Personal geimpft sei.

"Ganz persönlich" stehe er einer Impfpflicht "eher positiv gegenüber – aber dann bitte nicht nur für Pflegepersonal". Dann müsse diese sinnvollerweise auch auf andere Berufsgruppen wie etwa Arzthelferinnen oder Verkäufer ausgedehnt werden. Die Impfbereitschaft des ASB-Personals sei generell groß – in den ambulanten Diensten ebenso wie im Seniorenheim Lichtblick in Burgbernheim.

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