Donnerstag, 25.02.2021

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Corona-Krise: Ausbildung bei Feuerwehren muss pausieren

Windsheimer Wehr muss sich mit einem neuen Konzept auseinandersetzen - 19.01.2021 06:00 Uhr

Der Abrollbehälter Gefahrgut ist unter anderem ausgestattet mit Tischen, Gefahrgutschläuchen, Schutzanzügen und Behältern.

18.01.2021 © Foto: Rainer Weiskirchen


Je ein Trägerfahrzeug – ausgestattet mit Hakenlift, Kran und Winde – und insgesamt neun Abrollbehälter sollen in den Wehren in Bad Windsheim, Neustadt und Scheinfeld stationiert werden, informiert Rainer Weiskirchen, Pressesprecher der Kreisfeuerwehren. Im Ernstfall bringt das Trägerfahrzeug einen Abrollbehälter (AB), der für einen bestimmten Zweck bestückt ist, zum Einsatzort, stellt ihn dort ab und ist dann frei für weitere Einsätze.

Jedes Fahrzeug sei grundsätzlich mit einem Behälter bestückt, der die "höchste Einsatzwahrscheinlichkeit" hat, im Notfall könne schnell umgerüstet werden. AB Gefahrgut und Besprechung seien in Bad Windsheim, Atem-/Strahlenschutz und Sonderlöschmittel in Neustadt sowie Unwetter in Scheinfeld stationiert. Für die restlichen – Wasser, Einsatzleitung, Schlauch und technische Hilfeleistung – seien Aufträge vergeben, sie sollen im Laufe des Jahres verteilt werden.

Ausbildung muss warten

Priorität hätte nun, Maschinisten der Wehren zu schulen, erst danach würden Fahrzeuge und Behälter bei der Integrierten Leitstelle in Ansbach einsatzbereit gemeldet. "Praktisch ist das derzeit nicht möglich", erklärt Matthias Helm, da coronabedingt keine Übungs- und Ausbildungsveranstaltungen stattfinden können. Manche Wehren würden auf virtuelle Schulungen ausweichen, erklärt Weiskirchen.

Die Ausbildung seitens der Landkreisführung liege auf Eis, von Übungen innerhalb der eigenen Wehr werde abgeraten, die Entscheidung treffe letztlich der Kommandant. Der nötige Sicherheitsabstand sei bei praktischen Übungen nicht einzuhalten, auch bei Einsätzen würde – wenn möglich – darauf geachtet, nicht mit "voller Mannschaftsstärke" auszurücken und die Kräfte beispielsweise auf zwei Fahrzeuge aufzuteilen.

Veranstaltungen, die dazu dienen, die Einsatzfähigkeit aufrecht zu erhalten, würden auf ein Minimum reduziert. Eine "Notsituation" gebe es aber nicht, sagt Weiskirchen: "Wir haben einen sehr guten Ausbildungsstand im Landkreis", im Ernstfall würden erfahrene Kräfte ausfahren.

Abwägen wer zum Einsatz darf

Einsätze habe es 2021 für die Ipsheimer Wehr noch keine gegeben, sagt Kommandant Jochen Fähnlein. Im Januar und Februar sei ohnehin noch Winterpause, danach werde man sehen, wie es weitergeht und mache "das Beste daraus". Auf Online-Lösungen sei man bislang nicht umgestiegen, sollte sich die Lage nicht bessern, müsse man reagieren und Alternativen suchen.

Die Grundausbildung vier junger Wehrler in Illesheim musste coronabedingt unterbrochen werden, sagt Kommandant Dieter Grau. Im Einsatzfall müsse man abwägen, ob diese mitdürfen oder nicht. "Solche Konflikte gilt es zu bewältigen", sagt Grau: "Zusammenkünfte schweißen die Truppe zusammen. Jedem stinkt es, dass man nicht üben kann." Es gebe aber Verständnis, jeder fiebere darauf hin, dass es weitergeht.

Als "Riesenherausforderung" bezeichnet Matthias Helm derweil die Aufgabe, seine Leute auf das Wechsellader-Konzept zu schulen. Es sei ein "sehr, sehr großes Fahrzeug", für das es praktische Erfahrungen im Handling brauche. 

Wartung und Schulung

Ein Ausbildungskonzept wurde entwickelt, sobald es möglich ist, sollen erst die routinierten Maschinisten geschult werden. Zur Beladung der Container müsse sich ebenfalls informiert und deren Handhabung gelernt werden. Die Wartung müsse in bestehende Zyklen aufgenommen werden. "Das Herstellen ist das eine, das Umsetzen das andere", findet Matthias Helm.

Bis das neue Konzept mit den Spezialbehältern einsatzbereit ist, werde wohl noch Zeit vergehen. Dafür hat Weiskirchen Verständnis: "Sind sie einmal gemeldet, muss man sich darauf hundertprozentig verlassen können." Schließlich gelte es neben der Technik auch die Einsatztaktik zu beherrschen. "Wir wollen diese Dinge nach besten Möglichkeiten schulen und einsetzen", sagt Helm. Am wichtigsten sei nun, endlich wieder üben zu können. Helm: "Die beste Ausrüstung nützt nichts, wenn man sich nicht damit vertraut machen kann."

ANNA FRANCK

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