Donnerstag, 04.03.2021

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Corona-Krise: Schausteller-Familie bangt um Existenz

Denis Krzenck und seine Familie bringt die Corona-Pandemie in Existenznöte - 05.01.2021 06:00 Uhr

Wie es weiter geht? Auf diese Frage kann Denis Krzenck nur mit den Schultern zucken. Alles ist derzeit noch offen.

04.01.2021 © Foto: Anna Franck


"Schwierig." Dieses Wort umschreibt milde, wie das Corona-Jahr 2020 für Schausteller Denis Krzenck und seine Familie war. Viele Fragezeichen tummeln sich derzeit in seinem Kopf. Wie es weiter geht, sei offen. "Nach meinem Bauchgefühl müsste ich längst die Reißleine ziehen", sagt Denis Krzenck. Doch der 46-Jährige hängt an der Schaustellerei und klammert sich an jede Perspektive.

"Theoretisch sind wir pleite", bilanziert Denis Krzenck die Lage seiner Firma für Fahrgeschäfte. Während seine Frau Sonja Straetmans ihre Süßwaren in der Knuspernuss zuletzt am Kaufland verkaufen konnte, sei das bei Autoskooter-Fahrten unmöglich. Trotzdem mache das nur etwa zehn Prozent vom "normalen Umsatz" aus.

"Am Kaufland ist es okay, ein echt guter Platz. Da ist Leben", sagt Denis Krzenck. Bis Ende Dezember stand die Knuspernuss dort, mit dem Lockdown sei es erwartungsgemäß ruhiger geworden. "Die Solidarität hier in Windsheim ist spitze", sagt der Schausteller, die gebe ihm Hoffnung. Nicht nur Bürger, sondern auch Firmen hätten durch den Kauf von Weihnachtspaketen, die sie als Ersatz für Weihnachtsfeiern an ihre Mitarbeiter verteilten, unterstützt. Nun sei erst einmal Pause angesagt, die Leute müssten wieder Lust auf Süßwaren bekommen.

Retten konnte diese Zwischenlösung die beiden Firmen freilich nicht. Schaustellerverbände seien bereits am Beraten über die Zukunft, von Kollegen habe er gehört, dass diese mobile Parks für 2021 planen. "Aber das ist nur Überbrückung, da ist nichts dran verdient", sagt Krzenck. Auch der Schaustellersommer in Wiebelsheim diente zur Überbrückung, "ein Riesenaufwand", wie Denis Krzenck sagt. "Es war gut, dass wir das gemacht haben." Vor allem die Wiebelsheimer seien gefühlt täglich da gewesen, um zu essen und zu trinken. Besser wäre es wohl dennoch in Stadtnähe in Bad Windsheim gewesen, "die Leute kommen schwer raus".

Durch das Raster gefallen

Finanzielle Unterstützung seitens des Staates habe er zwar im Frühjahr erhalten, seitdem kam allerdings nichts mehr, er falle durch das Raster, da alle Fahrgeschäfte sein Eigentum sind. Kosten für Wartungsarbeiten seien eine Option, 20 Prozent müsste er selbst zahlen, den Rest könnte er einfordern. "Aber wie soll das funktionieren, wenn ich keine 20 Prozent habe?", sagt Denis Krzenck. Außerdem: Eine Garantie, dass es 2021 weitergeht, gebe es nicht. Um einen alten Kredit bedienen zu können, musste er jüngst einen neuen aufnehmen. Erst Anfang Februar vergangenen Jahres sei ihm zudem vorgeschrieben worden, einen Laster mit Euro-6-Norm zu kaufen. "Der steht jetzt daheim", denn dann kam Corona. Faktoren, die ebenfalls mit reinspielen.

Sollten heuer die zu treffenden Vorkehrungen für Schausteller wie beispielsweise Einzäunungen so bleiben, könnte es eine zweite "Nullrunde" geben, schätzt Krzenck. Denn die Unkosten bleiben die gleichen, auch wenn weniger Leute auf den Platz dürfen. Die größte Veranstaltung im Jahr sei für Krzenck das Nordheimer Weinfest um Himmelfahrt, zwischen 30 000 und 40 000 Besucher strömen in normalen Zeiten dort hin. "Das wird schon zu 99 Prozent gestrichen", sagt Krzenck.

Die Rente rückt in weite Ferne

Derzeit nage er an einem Hilfskredit, seine Frau halte sich mit dem Verkauf über Wasser. Bis zum Frühjahr würden er und seine Familie noch "irgendwie durchhalten". Der Schausteller schätzt aber: "Wenn du nächstes Jahr nur 50 Prozent vom normalen Umsatz hast, dann war’s das für viele." Denn Banken wollen auch irgendwann ihre Kredite bedient haben. Sein Autoskooter habe 500 000 Euro gekostet, "den muss ich eigentlich noch zehn Jahre abbezahlen", sagt Krzenck.

Die Rente dagegen rücke in weite Ferne. Politiker würden sich derweil einfach reden und sagen: "Wenn ihr ein Jahr nicht überbrücken könnt, habt ihr was falsch gemacht. Die sollen mal einen Monat auf ihren Lohn verzichten, da würden sie gleich schreien."

Kampfgeist nicht verloren

Seinen Kampfgeist hat der Schausteller dennoch nicht verloren. Freilich könnte er sich auch einen anderen Job als Lasterfahrer beispielsweise suchen. "Aber das ist halt nicht mein Traum", sagt Krzenck, "man hängt daran. Das ist meine Berufung, die Leute zum Lachen zu bringen. Ich möchte schon meinen Autoskooter mal wieder aufbauen." Regelmäßig, mit Personal. Beim Schaustellersommer stemmte er den Aufbau mit seiner Frau und seinem Sohn. Der 46-Jährige will zurück ans Mikrofon.

"Vielleicht fällt mir noch irgendwas ein." Vielleicht ein Stand am Wochenmarkt, vielleicht "nochmal so ein Projekt wie den Schaustellersommer". Dieses Mal vielleicht in Bad Windsheim, doch das sei Zukunftsmusik. Wann er tatsächlich die Reißleine ziehen muss? "Man muss es beobachten, wenn es geht, starte ich 2021 nochmal durch."

ANNA FRANCK

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