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Corona-Krise: Schausteller hoffen auf den Sommer

Festwirt Manfred Maier sieht auch für die Kirchweih schwarz - 07.04.2021 12:00 Uhr

Die Fahrgeschäfte am Frühlingsfest in Bad Windsheim zaubern besonders der jüngeren Generation ein Lächeln ins Gesicht. In diesem Jahr muss das Fest erneut aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen.

06.04.2021 © Archiv-Foto: Gerhard Krämer


Stimmungsmusik tönt über den Schießwasen, im Biergarten lassen sich Besucher Bratwurst und Bier schmecken, Kindern bläst der Wind in Fahrgeschäften ins Gesicht, ein Feuerwerk bildet den krönenden Abschluss. Mit dem Bad Windsheimer Frühlingsfest, das sonst an Karsamstag startet, beginnt für die hiesigen Schausteller in Nicht-Corona-Zeiten die Saison. 2021 muss das Fest wie bereits im vergangenen Jahr ausfallen. Ein harter Schlag, wenngleich das April-Wetter samt Schneegestöbern ohnehin nicht sonderlich zum Karussell fahren einlädt. Während einige nun auf den Sommer und die Kirchweih hoffen, hat Festwirt Manfred Maier wenig Hoffnung.

Mit Ersparnissen und Hilfsgeldern hält sich die Schaustellerfamilie Helmut und Ursula Peetz aus Bad Windsheim über Wasser, wie sie erzählen. Die Situation sei schwer. Das Frühlingsfest wäre als erste Veranstaltung wichtig gewesen. Da es 2020 nur verhältnismäßig geringe Einnamen gab, müssten sie schauen, wie sie zurechtkommen. Auf manchen Plätzen konnte die Familie im Herbst noch Halt machen, beispielsweise in der Nähe von Bamberg. Auch heuer wäre die Saison voll ausgebucht, doch die Hälfte der Termine sei mittlerweile abgesagt. Familie Peetz hofft nun auf den Sommer und die Kirchweih-Zeit.

Keine Hilfsgelder

Hilfsgelder seien bei Barbara und Heinz Hoech aus Burgbernheim keine angekommen. "Es werden bloß die Großen unterstützt", findet Barbara Hoech. Ersparnisse, die eigentlich für anderes gedacht waren, und die Rente finanzieren derzeit ihr Leben. "Bei der Schaustellerei ist Herzblut dabei", sagt Hoech, die bald 81 Jahre alt wird. Planen sei nicht möglich. Dass es wieder werden wird, wie es einmal war, bezweifelt sie – ebenso, dass sie und ihr Mann noch einmal losreisen werden. Letztlich gelte es nun abzuwarten.

"Endlich wieder raus und Geld verdienen", danach sehnt sich auch Denis Krzenck aus Wiebelsheim. Seit Oktober 2019 konnte er mit seinem Autoskooter kein Geld mehr verdienen. "Vor Juli passiert nichts", schätzt er, das Kurstädter Frühlingsfest wäre aufgrund der kurzen Anfahrt "nicht verkehrt" gewesen. Bis Ende dieser Woche stehen er und seine Frau Sonja Straetemans noch – wie schon im vergangenen Jahr – in der Illesheimer Straße in Bad Windsheim mit ihrer Knuspernuss. Ab kommender Woche will er sich der Wartung widmen, um bereit zu sein, wenn es losgehen darf. Denn: "Vom Rumstehen geht auch was kaputt."

Viel selber machen, um Kosten zu sparen, ist seine Devise. Einen Wohnwagen habe er nun beispielsweise verkauft, auch weitere Hilfen seien angekommen, "so kann man wieder mal zwei Monate durchhalten", sagt Denis Krzenck, "aber das ist ja nicht Sinn und Zweck".

Bilderstrecke zum Thema

Karussells und Luftballons beim Frühlingsfest in Bad Windsheim

Beim traditionellen Frühlingsfest auf dem Festplatz am Schießwasen in Bad Windsheim hält ein buntes Angebot an Fahrgeschäften und Musik die Besucher jeden Alters auf Trab. Schleckermäuler werden an den verschiedenen Imbissständen fündig.


Seine Hoffnung ruht auf dem fortschreitenden Impfen. Würde er seine Anlagen aufbauen dürfen, koste ihn das Geld. Hätte er in seinem Vier-Mann-Betrieb einen Corona-Fall, würde wieder alles stillstehen. Wenn die Möglichkeit bestünde, müsse er deshalb genau abwägen. Über die Fortführung des Schaustellersommers denkt Denis Krzenck zwar nach, die einfachere Option wäre für ihn allerdings, wieder auf Reisen gehen zu dürfen. "Darauf ist der Betrieb eben ausgerichtet."

"Ich habe nicht ernsthaft angenommen, dass das was werden wird", sagt Manfred Maier, Festwirt des Frühlingsfestes und der Kirchweih in Bad Windsheim. Seine Firma Richthofen-Circle aus Kitzingen, zu der neben einem Hotelbetrieb beispielsweise auch zwei Restaurants zählen, habe die Pandemie bislang gut überstanden. Anders als die Schausteller hat Maier mehrere Standbeine, Veranstaltungen wie das Frühlingsfest machen nur einen kleinen Teil aus. Die Zeit der Schließung überbrücke er mit Liefer- und Abholservice. Der Wegfall von Events habe sich so gut ausgleichen lassen.

Und wie ist seine Prognose für die Kurstädter Kirchweih? Maier: "Daran trau ich mich noch gar nicht zu denken, das wird wohl auch nichts werden. Wir blicken auf’s nächste Jahr."

ANNA FRANCK

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