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Corona-Krise: Selbsthilfegruppen bleiben auch auf Distanz

Unterstützung ist gerade in diesen belastenden Zeiten nur schwer möglich - 04.05.2021 06:00 Uhr

Sich gegenseitig Unterstützung bieten – das geht am besten im direkten Kontakt. Corona macht das für Selbsthilfegruppen derzeit kaum möglich.

08.03.2021


Gudrun Hobrecht ist als Diplom-Sozialpädagogin bei der Caritas für die 35 Gruppen zuständig, die ein großes Spektrum abdecken: von verschiedenen Suchtproblematiken über Diabetes und Skoliose, eine Verkrümmung der Wirbelsäule, sowie Depression bis hin zum Lungenstammtisch. Nicht nur die gesetzlichen Vorgaben haben die Treffen erschwert, auch die Mitglieder sind zurückhaltend, trotz des großen Wunsches, sich wieder einmal in die Augen sehen zu können, sich direkt auszutauschen. Manche Mitglieder, die keine große Familie hätten, trifft die derzeitige Isolierung besonders hart, sagt Krug.

Manche Gruppen kamen im vergangenen Jahr nicht in Innenräumen zusammen, sondern nur draußen zum Spazierengehen, berichtet Hobrecht. Die gesamte Arbeit der Selbsthilfegruppen ins Internet zu verlegen, sei aber keine Alternative. Nicht alle sind entsprechend technisch ausgerüstet. Als es im vergangenen Jahr zeitweise wieder leichter war, Treffen anzubieten, waren die Räume ein echtes Problem.

Sie mussten groß genug sein, sagt Hobrecht. Herbert Krug war deshalb mit den Optimisten für kurze Zeit ins katholische Pfarrzentrum in Neustadt umgezogen. Sehr nett und hilfsbereit sei die Gemeinde gewesen. Doch aktuell sind Treffen auch dort nicht möglich: Der gesetzlichen Vorgaben wegen und auch weil viele Versammlungsorte generell gesperrt sind.

Ausnahmeregelungen

Für bestimmte Selbsthilfegruppen gibt es eine Ausnahmeregelung, für "die Optimisten" greife die aber nicht, sagt Krug. Die Treffen der Schlaganfallgruppe seien medizinisch nicht unabdingbar. Doch auch wenn es möglich wäre, würde es nicht sein wie früher. Gerade Mitglieder zwischen 70 und 80 Jahren hätten Bedenken wegen der Ansteckungsgefahr, sagt Krug. Schlaganfälle stellen ein Risiko für einen schwereren Corona-Verlauf dar.

Die Selbsthilfegruppe bei Depressionen, die Martin Alt aus Bad Windsheim leitet, hätte sich treffen dürfen, allerdings nur mit fünf Personen auf einmal. Doch Alt entschied sich für eine andere Lösung. Jemand wegzuschicken, weil die Treffen schon voll sind, das empfand er als eine weitere Frustration, die es zu vermeiden gilt. So hat er Tandems aus den Mitgliedern gebildet, die regelmäßig kommunizieren. Denn soziale Kontakte seien besonders für depressive Menschen entscheidend. Ein "Jammer" seien für ihn deshalb die Einschränkungen, gerade für ohnehin belastete Menschen, auch wenn seine "Notlösung" gar nicht schlecht funktioniere.

Monatliche Treffen

Vor Corona gab es bei den "Optimisten" jeden Monat ein Treffen, dazu häufig Sonderveranstaltungen, vom Vortrag bis zum gemeinsamen Essengehen. Es ging nicht nur um den Informationsaustausch, erklärt Krug. Gemeinsam Spaß haben war ebenso wichtig, außerdem Gespräche mit den anderen Betroffenen, sich als Gruppe stärker zu fühlen. Und sich deshalb auch in der Öffentlichkeit zeigen zu können.

"Das gehört dazu", gerade weil viele Mitglieder – es gibt Betroffene und Angehörige – mit Einschränkungen kämpfen: mit körperlichen Behinderungen wie Lähmungen oder Neglect, bei dem die Sinneswahrnehmungen der einen Körperhälfte nicht verarbeitet werden können, oder auch mit mentalen Defiziten. Manche Betroffene müssen aufgrund des Schlaganfalls um Worte ringen. In der Gruppe aufzutreten macht es da leichter.

Doch das geht nicht. Kontakt wird vor allem per Telefon oder Nachrichtendiensten gehalten, das sei am bequemsten. Gelegentlich gab es Videokonferenzen, aber das hat sich nicht bewährt. Die Mitglieder rufen sich gegenseitig an, stärken sich den Rücken. Über Nachrichten werden Informationen ausgetauscht, aber auch mal ein lustiges Bildchen.

Hoffnung liegt bei Impfung

Wie viele andere hofft auch Krug auf die Impfung. Dass sehr schnell wieder etwas in Präsenz möglich ist, damit rechnet Krug allerdings nicht. "Das wird sich schon noch ein bisschen hinziehen", fürchtet er. Auch ohne echte Treffen, Unterstützung will Krug dennoch bieten und er ist offen für neue Mitglieder.

INFO: Wer Kontakt zu einer der Selbsthilfegruppen möchte, kann sich an Gudrun Hobrecht (E-Mail: hobrecht@caritas-nea.de) wenden.

CLAUDIA LEHNER

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