Montag, 06.04.2020

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Corona: Kurpark zieht Leute magisch an

Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus sind spürbar. - 23.03.2020 13:02 Uhr

In Zeiten der Ausgangsbeschränkung suchen viele Bürger den Kurpark zur Entspannung auf. © Foto: Bastian Lauer


Wie das Landratsamt am Sonntagnachmittag meldete, sind neun weitere Personen als infiziert registriert worden. Seit Freitag entspricht das einer Verdopplung der Fälle. Im Landkreis Ansbach schnellte die Zahl von 26 auf 38 Personen nach oben.

Der Pressemitteilung der Neustädter Behörde ist außerdem zu entnehmen, dass drei Erkrankte mittlerweile symptomfrei sind und nach 14 Tagen in häuslicher Absonderung entlassen wurden. Aufgrund der Entwicklung habe die Führungsgruppe Katastrophenschutz sich entschlossen, eine Reserve an medizinischem Fachpersonal zu bilden.

Es gilt deshalb ein Aufruf an Ärzte, Pflegekräfte und Medizinstudenten aus dem Landkreis, die derzeit nicht arbeiten, sich beim Landratsamt zu melden. Diese Personen würden "im Fall einer Zuspitzung der Corona-Epidemie" das Personal in den Krankenhäusern unterstützen. Interessenten sollen sich telefonisch – es werden bestimmte Qualifikationen abgefragt – beim Bürgertelefon unter 09161/ 92-50 50 melden und registrieren lassen. Die Nummer ist täglich von 8 bis 12 Uhr sowie von Montag bis Donnerstag von 14 bis 16 Uhr besetzt.

Die Kreisverwaltung bittet derweil die Bürger inständig, sich an Allgemeinverfügungen zu halten. In Bad Windsheim tun das die meisten offenbar. Die Stadtkirche St. Kilian beispielsweise war am Sonntag gegen 11 Uhr menschenleer. In Zeiten, in denen keine Gottesdienste mehr stattfinden, haben die Kirchen weiter geöffnet. Zur üblichen Gottesdienstzeit nutzte aber kein Gläubiger die Möglichkeit, innezuhalten.

Beim Streifzug durch die Stadt begegneten einem aber immer wieder Leute. Gruppen sind nicht dabei, man hält sich offenbar an die Vorgaben, die seit Samstag in Bayern gelten. Nahezu magisch scheint die Spaziergänger der Kurpark anzuziehen. Viele – Pärchen oder Eltern mit Kind – nutzen das schöne Wetter am Sonntag für eine Runde durchs Grüne. Der Tenor überall der gleiche: Man muss doch mal rausgehen. Und das ist auch weiterhin erlaubt.

Rausgehen weiterhin erlaubt

Laut Allgemeinverfügung der bayerischen Regierung gelten als "triftige Gründe" zum Verlassen der eigenen Wohnung derzeit: die Ausübung beruflicher Tätigkeiten, die Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen, Gänge zur Versorgung mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, der Besuch von Lebenspartnern, Alten, Kranken und Menschen mit Einschränkungen außerhalb von Einrichtungen, die Begleitung solcher Personen sowie von Minderjährigen, der Besuch von Beerdigungen im engsten Familienkreis, Sport und Bewegung an der frischen Luft – alleine oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts – sowie die Versorgung von Tieren.

Die Polizei ist angehalten, die Einhaltung dieser Vorschriften zu kontrollieren. Das werde auch im Bereich der Polizeiinspektion Bad Windsheim getan, hieß es dort am Sonntag auf Nachfrage. Bisher habe es keine groben Auffälligkeiten gegeben. Im Gegenteil, viele Bürger würden sogar bei der Polizei anrufen und nachfragen, ob sie für geplante Tätigkeiten nach draußen dürfen oder nicht.

Dass mit den Verfügungen nicht zu spaßen ist, zeigt ein Fall, den die Polizei Ansbach protokollierte: Ein 20-Jähriger hatte am Samstagmittag einen Werbeaufsteller eines Geschäfts beschädigt und da er keinen Grund für seinen Ausflug angeben konnte, wurde ein Strafverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz eingeleitet.

Bastian Lauer

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