Corona-Lockdown: Training nur daheim vor dem Bildschirm

15.2.2021, 06:00 Uhr
Katja Repcik leitet die Teilnehmer ihres Fitnesskurses zur richtigen Dehnung an – allerdings nicht live im Studio, sondern per Internet.

Katja Repcik leitet die Teilnehmer ihres Fitnesskurses zur richtigen Dehnung an – allerdings nicht live im Studio, sondern per Internet. © Foto: Claudia Lehner

Die Fitnessgeräte stehen verlassen da, die Hanteln und Gummibänder liegen aufgeräumt im Regal. Aus dem Nebenraum dringt leise, beruhigende Musik. Katja Repcik steht vor der Online-Kamera und erklärt mit beruhigender Stimme, wie sich die Fitnesswilligen vor den Bildschirmen dehnen sollen. "Das rechte Ohr zur rechten Schulter. Die linke Hand Richtung Matte ziehen."

Schon seit November sind Fitnessstudios geschlossen. Die Betreiber können so gut wie nichts tun. In der Regel haben sie sich entschlossen, für ihre treuen Kunden zumindest Online-Kurse anzubieten, wie das Fitness45 Boutique Studio, früher bekannt als Frauen in Bewegung in Bad Windsheim. Hartmut Freisler, der das Studio mit seiner Frau Petra Alt führt, hat dafür eine Kamera angeschafft, einiges an Zeit hat es auch gekostet, sich einzuarbeiten. Mit der Internetverbindung gibt es immer noch ab und zu Ärger, weil sie einfach abbricht. Aber er ist froh über die Entscheidung. Die Rückmeldungen der treuen Kunden, für die es gedacht ist, seien sehr positiv. Auch nach dem Lockdown soll es die Videos weiter geben, neun Kurse sind es aktuell in der Woche. Man kann live teilnehmen oder das Video später ansehen, wenn man ausreichend Zeit hat.

"Ich blende alles aus", sagt Trainerin Katja Repcik, auch dass keine Kursteilnehmer mit im Raum sind. Sie findet es "voll toll", wenigstens auf diesem Weg Kurse geben zu können. Neun Fitnessangebote in der Woche werden so ins Internet übertragen. Die Mitglieder bekommen die entsprechenden Links per Mail zugeschickt. So hofft man, die Kunden halten zu können. Denn nun ist schon zum zweiten Mal geschlossen.

Etwa 20 Prozent weniger Kunden

Etwa 20 Prozent an Kündigungen musste das Studio verkraften, schätzt Freisler. Nicht einfach, haben er und sein Frau das 2014 gegründete Fitnessstudio doch 2017 noch erweitert und waren grade auf dem Weg dahin, dass man "gut davon leben kann", wie Freisler erklärt. Im Januar und Februar sei ihm der Vermieter mit der Miete entgegengekommen, "keine Selbstverständlichkeit", wie er findet. Der erste Lockdown sei weniger schlimm gewesen. Ab Mai war es wieder möglich, Kurse zu besuchen oder an Geräten zu trainieren, wenn auch nur unter strengen Auflagen. Der zweite Lockdown habe einen voll in der Hochsaison erwischt, sagt Freisler. "Im Herbst und zu Jahresbeginn werden viele Verträge abgeschlossen." Zu Corona-Zeiten allerdings nicht, auch ansonsten kamen eigentlich keine Neukunden dazu.

Im Gesundheits- und Fitness-Zentrum Vitalis in Bad Windsheim betragen laut Inhaber Uwe Koch die Abmeldungen das Doppelte der üblichen Fluktuation. Und die aktuellen Mitgliedsbeiträge seien auch nur so etwas wie ein Darlehen, da die Mitglieder nicht trainieren können, wird es ihnen später gut geschrieben. Die harten Einbußen kommen laut Koch dann in der Folgezeit. Mit Gutschriften arbeiten auch andere Studios.


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Staatliche Hilfen hat Koch beantragt, doch bisher kam nur ein Abschlag an. Online können auch seine Kunden trainieren, ebenso im Life Fitness & Sportpark in Bad Windsheim. Über einen externen Anbieter gibt es Fitnessvideos auf der Internetseite des Vitalis. Doch das sei bloß eine Ergänzung, sagt Koch. An die Geräte im Studio kommen die Kunden nicht heran.

Aus dem heimischen Wohnzimmer

Als selbstständige Fitnesstrainerin setzt Catherine Hofmann aus Illesheim auch auf online – per Livestream. Sie gibt unter anderem Kurse für Schwangere und Mütter, hat allerdings den Vorteil, von daheim aus arbeiten zu können. Sie verlangt weniger für die Onlinekurse als sonst.

Wann wieder geöffnet werden kann, steht in den Sternen. "Wir waren die Ersten, die schließen mussten und sind sicher die Letzten, die aufmachen dürfen", prognostiziert Koch. Für Ralf Kronester, Inhaber des Life Fitness & Sportparks in der Kurstadt und von drei weiteren Studios, ist die Situation aktuell noch gar nicht zu überblicken. "Wir werden sehen, was Ende des Jahres übrig bleibt." Und wer, denn er kann sich gut vorstellen, dass einige aufgeben werden. "Man braucht schon Substanz, um das durchzustehen." Eines will er auf jeden Fall noch loswerden. Den Dank an die treuen Kunden, die nicht kündigen, obwohl sie nicht trainieren können, wie sie wollen. Damit steht er nicht allein.

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