Samstag, 20.04.2019

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Das Fränkische Freilandmuseum dient immer wieder als Filmkulisse

Mit Werbung für Katzenfutter fing alles an – Zwei bis drei Anfragen pro Jahr - 29.01.2019 17:01 Uhr


Ute Rauschenbach erinnert sich an eine Anfrage für einen Katzenfutter-Werbespot, lange vor ihrer Zeit als Museumsmitarbeiterin. Ende der 1980er-Jahre müsse das gewesen sein, schätzt Jürgen Müller, der schon damals in gleicher Position für das Museum tätig war. Der damalige Leiter Professor Konrad Bedal sei gegen diese Produktion gewesen, sie widerspreche dem Museumsauftrag, erzählt Rauschenbach und verweist auf die vier Säulen der Museumsarbeit: Sammeln, Bewahren, Vermitteln und Forschen.

Um das Katzenfutter-Filmteam abzuwimmeln, habe Bedal einen "horrenden Preis" als sogenannte Motivablöse genannt. Doch das Filmteam habe gesagt: "Macht nix, wird gezahlt." Daraufhin durfte die Katze ihren Napf eben vor historischer Kulisse sauber schlabbern und zufrieden in die Kamera schnurren, auch wenn dies "nicht zu den originären Aufgaben des Museums" zählt, sagt Rauschenbach, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Nichtsdestotrotz konnte das Geld gut für den Häuseraufbau gebraucht werden. "Da war die erste Schwelle überschritten", sagt Jürgen Müller.

Vertrag hält alles fest

Das erste größere, kommerzielle Projekt, das die seit 2004 im Museum tätige Rauschenbach betreut hat, war der ZDF-Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter, ein deutscher Fernsehfilm, der zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs spielt. "Die waren drei Drehtage bei uns, eine halbe Woche Vorbau und eine halbe Woche Rückbau." Angereist ist das Filmteam mit mindestens 80 Leuten, schätzt Rauschenbach. In einem Vertrag zwischen Filmproduzenten und Museum ist alles genaustens festgehalten, Requisiten stelle das Museum bei Bedarf bereit. "Das ist ein großer Aufwand, der dahintersteht", sagt Rauschenbach. Teilweise würden auch die Schauspieler des Freilandtheaters mitwirken, "die haben oft schon die Kostüme".

Vor und nach jedem Dreh gibt es eine Begehung durch Museumsmitarbeiter. Ist etwas kaputt gegangen? Ist noch alles da? Leicht kann es da zu Verwechslungen von Requisiten des Filmteams mit Museumsinventar kommen. "Es hat mal was gefehlt, das wurde aus Versehen mit eingepackt", erinnert sich Rauschenbach.

Seit der großen ZDF–Produktion werden Anfragen häufiger, etwa zwei bis drei pro Jahr, schätzt sie. Dabei komme es – jedoch selten – auch vor, dass sie der Produktion eine Absage erteilen muss, etwa wenn es sich mit den Veranstaltungen im Sommer überschneidet. "Und unbekleidete Pärchen vor dem Bauernhaus erlauben wir uns abzulehnen." Auch Teile der Kleinen Hexe von Otfried Preußler sollten in der Kurstadt gedreht, dabei Kunstschnee auf Häusern aufgebracht und ein Verschlag angebaut werden. Doch: "Bei Originalsubstanz geht das nicht."

Reputation und der Werbeeffekt seien Gründe, weshalb im Museum auch heute immer wieder gedreht wird. "Allein des Geldes wegen lohnt es sich nicht." Summen möchte Rauschenbach aber nicht verraten. Gar von einem "Nullsummenspiel" spricht Jürgen Müller, "zumindest nicht draufzahlen" wolle man.

Ob sich so ein Filmdreh auf die Besucherzahlen niederschlägt? "Das kriegt man nicht raus, ist ganz schwierig zu eruieren." Gesperrt wird das Museum wegen einer Filmproduktion jedenfalls nie, viele Besucher würden sich darüber freuen, wenn sie Kameras sehen, einige wenige fänden es blöd, weil es durchaus vorkommen kann, dass dadurch ein Gebäude mal nicht zugänglich ist.

Ute Rauschenbachs persönlicher Lieblingsfilm ist der Kurzfilm Oleg – Das Leben eines Gewichthebers, die Abschlussarbeit einiger Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg – die im Übrigen nicht für einen Filmdreh zahlen müssen. Verfolge deine Ziele, dann wirst du erfolgreich, lautet das Motto des Films. Für Schlagzeilen sorgte vor fünfeinhalb Jahren auch die Produktion eines Studenten derselben Akademie, der im Museum einen inoffiziellen Werbeclip filmte und der Frage nachging, wie das elektronische Bremssystem eines Mercedes reagiert hätte, wenn ihm der junge Adolf Hitler in die Quere kommt. Am Ende liegt der Junge tot am Boden, es folgt die Einblendung "Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen".

Nicht nur für das Museum, auch für die Filmteams sei der Aufwand immens. "Wenn man nur vor dem Fernseher sitzt und es anschaut, umreißt man es nicht." Es gibt jedoch auch Momente, in denen fragt sich Ute Rauschenbach: "Wofür machen wir das?" Etwa dann, wenn ein Filmteam Ruhe fordert, gleichzeitig die Museumsmitarbeiter aber dem Tagesgeschäft nachgehen und Wiesen mähen wollen.

Zu den beliebtesten Drehorten im Freilandmuseum gehören das Bauernhaus Herrnberchtheim, vor allem die untere Stube mit ihrem Ofen und einer Ecksitzbank. "Das ist eine typische Bauernstube, mit schönem Lichteinfall, leicht anzufahren", sagt Rauschenbach. Gut erreichbar und beliebt sei auch das Bauernhaus aus Gungolding, das Jagdschlösschen aus Eyerlohe hingegen sei aus restauratorischen Gründen ausgeschlossen.

Kulisse ist sehr gefragt

"Es ist ein Spagat: Was lasse ich zu, was nicht", sagt Jürgen Müller. Was heute wohl nicht mehr zulässig wäre: Ende der 1990er-Jahre wurde für den Film Mali mit Christine Neubauer in der Hauptrolle ein Haus umgestrichen, die Seubersdorfer Scheune war etwa eine Woche lang nicht zugänglich. Durch die historische Kulisse sei das Freilandmuseum eben sehr gefragt. "Das erfüllt einen schon ein bisschen mit Stolz." Vor allem mit der Baugruppe Mittelalter habe man mehr oder weniger ein Alleinstellungsmerkmal, diese werde meist für Dokumentationen gebraucht.

Bestimmt 20 Produktionen habe es im Bad Windsheimer Freilandmuseum schon gegeben, schätzt Jürgen Müller, zuletzt wurde für die ZDF-Sendung Terra X ein Film über das Leben Albrecht Dürers gedreht. Nie vergessen dürfe man laut Jürgen Müller jedoch: "Wir sind nicht die Bavaria-Filmstudios, sondern ein Freilichtmuseum."  

NICO CHRISTGAU

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