Donnerstag, 01.10.2020

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Das steckt in der goldenen Kugel des Seekapellen-Turms

Der Inhalt der goldenen Kugel soll im Stadtarchiv verwahrt werden. - 23.07.2020 14:00 Uhr

Dekanin Karin Hüttel zeigt zwei der Kupferrohre, in denen die Schriftstücke aufbewahrt worden waren.

© Foto: Claudia Lehner


Einfach war es auch diesmal nicht, die Kupferröhren durch ein kleines Loch aus der Kugel zu fischen. Ein wenig hatte Jürgen Schmid, der für die Sanierung des Turms der Kapelle zuständige Bauleiter, die Öffnung erweitern müssen. Mesner Helmut Hübner hatte dann mit verschiedenen Zangen und Greifern nach den Röhren gestochert und sie herausbefördert. Dafür war Fingerspitzengefühl nötig. Die Zylinder lagen der Form der Kugel wegen immer quer zur Öffnung, wie er erklärte.

Gelungen ist es aber, so dass die Dekanin vier Schreiben sowie verschiedene Münzen und eine Windsheimer Zeitung vom 12. September 1985 präsentieren konnte. Wohl immer bei einer Sanierung sei die Kapsel geöffnet und dann mit einem weiteren Dokument ergänzt worden, schätzt die Dekanin: 1835, 1953 und 1985.

Noch recht gut erhalten präsentierte sich das handschriftliche Dokument aus dem 18. Jahrhundert. Johann Georg Stolzenberg berichtete "in schönster Handschrift", wie die Dekanin betonte, von einem heftigen Gewitter, bei dem der Blitz in den Turm einschlug und ein Teil des Daches abgedeckt wurde. Auch andere Gebäude in Windsheim wurden teils erheblich beschädigt. Wichtig waren ihm auch Angaben dazu, was beispielsweise Hafer oder Schweinefleisch kosteten, das hielt auch sein Nachfolger am 12. August 1835 so.

Viele Einquartierungen

Er berichtete aber außerdem von den vielen Einquartierungen während des Krieges mit Frankreich in den Jahren 1813 bis 1815. 100 000 Mann hätten in Windsheim verpflegt werden müssen. Der Anlass für die Sanierung der goldenen Zeitkapsel war in diesem Fall ein wissenschaftlicher Fortschritt. Ein Blitzableiter wurde auf dem Turmdach installiert. Im Jahr 1953 wurde die Kugel ein drittes Mal geöffnet. Thema diesmal: die beiden Weltkriege und die vielen Flüchtlinge, die in Windsheim untergekommen waren.

Relativ kurze Zeit später, bereits 1985, schrieb der damalige evangelische Dekan Karl Friedrich Künzel auf, was an der Seekapelle saniert wurde, wie die Kirchengemeinde zu dieser Zeit organisiert war, wer Bürgermeister war und was sich in den vergangenen Jahren in nunmehr Bad Windsheimer verändert hatte. Mittlerweile, im Jahr 1961, war die ehemals Freie Reichsstadt zur Kurstadt erhoben worden.

Besonders am Schriftstück aus dem Jahr 1835 hat der Zahn der Zeit genagt. Es weist deutliche Risse auf. "Auf gar keinen Fall werden sie wieder zusammengerollt", betonte Hüttel zu den historischen Fundstücken. Sie sollen teils restauriert werden, einige sind bereits unter Glas verwahrt und werden künftig im Stadtarchiv gelagert. Nur noch Kopien werden in die goldene Kugel eingebracht. Ebensolche werden möglicherweise ausgestellt, vielleicht laut Hüttel in der Seekapelle.

Die Kugel und der Stern auf ihrer Spitze werden, wie Jürgen Schmid erklärte, neu vergoldet, bevor sie wieder hoch droben auf den Metallstab gesteckt werden. Wie anzunehmen ist, wohl mit einem Dokument der Jetztzeit versehen.

Der Beitrag in der sendung "Guten Abend Franken" des Franken-Fernsehens vom gestrigen Mittwoch ist im Internet in der Mediathek zu finden. Weitere Bilder von der Vorstellung der geöffneten Zeitkapsel finden Sie auf Seite 4.

CLAUDIA LEHNER

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