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Denkmal von nationaler Bedeutung in Bad Windsheim

Experten haben die Bedeutung der Historischen Stadtbibliothek samt Klosterchor herausgestellt - 07.04.2021 11:35 Uhr

Nur über den wohl um 1617 errichteten Fachwerkturm ist das Denkmal Historische Stadtbibliothek im Klosterchor begehbar. Foto: Stefan Blank

02.04.2021 © Foto: sb


Eher unscheinbar ist sie im Obergeschoss des Klosterchors zu finden, nur über eine schmale Wendeltreppe erreichbar: die Historische Stadtbibliothek Windsheims. Nun steht das Denkmal auf einer Stufe mit der Nürnberger Lorenzkirche, der Wülzburg bei Weißenburg oder dem Ingolstädter Georgianum. Die Bibliothek ist in einer vom Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Professor Mathias Pfeil, unterschriebenen Stellungnahme zum "Denkmal von nationaler Bedeutung" erhoben worden. Das ermöglicht für die dringend notwendige Sanierung und Instandsetzung Zugang zu weiteren Fördertöpfen des Bundes.

Rund 5360 wertvolle Bücher mit historischen Einbänden, darunter 130 Handschriften und 113 Wiegendrucke – auch eine Bibel mit handschriftlicher Widmung Martin Luthers und von Lucas Cranach dem Älteren geschaffenen Porträt des Reformators, ein Schriftstück aus dem neunten Jahrhundert, ein "Würzburger Meßbuch" von 1491 sowie ein handkolorierter Himmelsatlas aus dem Jahr 1780. Die Möblierung steht dort so seit mehr als 400 Jahren, im Obergeschoss des letzten Restes des 1291 gestifteten und 1525 aufgelösten Augustiner-Eremiten-Klosters.

Aufgrund von Feuchtigkeit in den Wänden und zum Schutz der Werke ist es Besuchern seit Jahren nicht mehr erlaubt, über ein kleines Fachwerktürmchen diesen Schatz, dem Professor Pfeil "hervorgehoben geschichtliche und wissenschaftliche Bedeutung" attestiert, zu bestaunen. Sabine Detsch, Vorsitzende des 2012 gegründeten Fördervereins, könnte sich die Bibliothek gut als Museum vorstellen und arbeitet seit Jahren darauf hin, dass das Ensemble saniert wird. Die Stellungnahme des Landesamts sei ein "wertvoller, sehr hilfreicher Schritt".

Wie berichtet, war ein weiterer Schritt das abgeschlossene umfassende Vorprojekt mit unter anderem Aufmaß, steinrestauratorischen Untersuchungen sowie Planungen. "Als nächstes geht es um ein Nutzungskonzept", erklärt die Vorsitzende des Fördervereins mit 120 Mitgliedern. Bei diesem Thema sprudeln Ideen förmlich aus ihr heraus. "Verbindung von Erbe und Modernität, Tradition und Innovation, geschichtsbewusste Verantwortung und zukunftsorientierte Vision". Das Hauptmotto: "Nur ein belebtes Denkmal kann auf Dauer überleben." Als Idee für den Klostergarten nennt sie den Ausbau zu einer innerstädtischen Grünoase mit Wasserspiel oder eine Außenbühne. Die Bibliothek als Museum könnte in ein "innerstädtisches Museumskonzept" eingebunden werden, die wertvollen Bücher hinter Glasscheiben oder auf digitalen Terminals bestaunt werden. Nun soll die Bevölkerung mitgenommen werden und Sabine Detsch hofft, "dass auch der Stadtrat diese große Chance für Bad Windsheim sieht", Innenstadtbelebung inklusive.

"Dass der eigentliche Bewahrer der Historischen Stadtbibliothek, Michael Schlosser, die Rettung seines Denkmals nicht mehr erleben darf, erfüllt uns mit großer Trauer", sagt Detsch. Schlosser hat kurz vor seinem Tod noch einen Beitrag für das Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte verfasst, eine Zusammenfassung lesen Sie auf Seite 4. Um Klosterchor und Historische Stadtbibliothek aber restaurieren und damit das "national bedeutende Denkmal" erhalten zu können, braucht es aber viel Geld – das nun auch aus Förderprogrammen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien fließen könnte.

STEFAN BLANK

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