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Die Gold-Maschine aus dem Gartenhäuschen

Ein halbes Jahrhundert nach seinem großen Erfolg in Monza hat Klaus Ziegler seine Puch in Schuss gebracht - 11.12.2018 15:45 Uhr

Voller Stolz präsentiert Klaus Ziegler (links) seine alte Puch-Maschine, die Gerhard Hartmann (rechts) mit ihm in sechs Wochen – nach 45 Jahren im Gartenhäuschen – wieder flott gemacht hat. © Foto: Ernst Werner Schneider


Freud und Leid, Schampus und Trauer liegen ganz nahe beieinander an der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Norditalien. Rennfahrer und Streckenposten kamen ums Leben, darunter Formel-1-Pilot Jochen Rindt am 5. September 1970. Er hatte seinerzeit einen so großen Vorsprung, dass er trotz seines tödlichen Unfalls postum Weltmeister wurde. "Damals war das fast wie eine Weltmeisterschaft", erzählt Klaus Ziegler, der auch heute noch in Obernzenn wohnt, über den Triumph bei der Internationalen Sechstagesfahrt in San Pellegrino Terme, bei der es nach "fünf Tagen im Hochgebirge" am finalen Nachmittag auf den Rennkurs ging.

Dort machten Helmut Beranek auf einer Zündapp, Horst Rotermundt auf Kreidler und Klaus Ziegler mit seiner Puch-Maschine mit 125 Kubikzentimetern Hubraum sowie ihrem Betreuer Alfred Steiner die Überraschung perfekt. Die deutsche Nationalmannschaft holte den Pokal und eben das Team des ADAC Nordbayern den Pott für die Clubmannschaften – gegen 29 internationale Konkurrenten-Trios. "Das war schon hart, nachts durfte nichts repariert werden, die Motorräder wurden weggesperrt", erinnert sich der 77-Jährige.

50 Jahre danach kommt Zieglers Puch wieder groß raus. "Das Ding stand 45 Jahre in meinem Gartenhaus", sagt er. Anlässlich des Jubiläums sollte sich das ändern. Ziegler und der ehemalige Motorradsportler Gerhard Hartmann, der auch bei Deutschen und Europameisterschaften am Gas gedreht hat, und ein ausgewiesener "Schrauber" ist, wie er lachend zugibt, schraubten sechs Wochen lang in einer leerstehenden Wohnung an der Maschine. "Wir haben sie komplett zerlegt, alles gereinigt, lackiert und wieder zusammengesetzt", erzählt Hartmann. Heute können die Rennfahrer von heute sie im KKC begutachten. Wäre sie wieder fahrtüchtig? "Im Prinzip, wenn man Sprit und Öl reintut, ja", sagt Hartmann. Und ein paar kleinen Schrammen erinnern an die gute alte Zeit.

Ziegler fuhr von 1962 bis 1970 zahlreiche Motorradrennen. Wettbewerbe über mehrere Tage bestritt der Obernzenner erstmals 1964 bei der Internationalen Dreitagesfahrt in Isny im Allgäu. Die Sechstagesfahrt vor einem halben Jahrhundert war seine Premiere. Beschleunigungs- und Bremsprüfungen, Routen durchs Gebirge – den Fahrern wurde auf 1650 Kilometern mit bis zu 2200 Höhenmetern, die zu überwinden waren, alles abverlangt. Möglich war der Erfolg für die Nordbayern nur durch die gründliche und vielseitige Vorbereitung, erklärt Ziegler und nennt "Kondition, Härte und Selbstdisziplin" als Faktoren. Von den insgesamt 298 gestarteten Fahrern mussten in mehreren Klassen 126 im Verlauf der Veranstaltung aufgeben, erinnert sich Ziegler.

"Man musste mit Köpfchen fahren, das Material so gut wie möglich schonen und dennoch so schnell wie möglich sein", erzählt Ziegler. Beim Rennen habe der Motor auf gar keinen Fall heißlaufen dürfen. Besonders bitter sei es für die Fahrer gewesen, die am letzten Tag wegen eines Motorschadens ausfielen. Da seien bei den sonst gestandenen Mannsbildern einige Tränen geflossen.

Klaus Ziegler selbst erlebte ein Wechselbad der Gefühle. Schon der erste Tag sei "ein Horror" gewesen. Berge und Täler waren extrem. "Ich habe die Angst am zweiten, dritten, vierten und fünften Tag unter meinem roten Pullover versteckt." Am sechsten Tag seien Risse im Rahmen des Motorrads erkennbar gewesen. Kupplung und Vergaser machten Probleme und auch seine Schulter. Doch es reichte. Für Klaus Zieglers großen Tag heute hat Gerhard Hartmann nochmal zum Lappen gegriffen. "Ich habe auch seinen Pokal aufpoliert." 

Ernst Werner Schneider und Stefan Blank

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