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Die Helden der Kleinen in der Corona-Zeit

Süße Schweine, Ziegen und Rehe sorgen im Zoo im Bad Windsheimer Kurpark für Begeisterung - 11.01.2021 10:24 Uhr

Ein Bussi von Frieda (links) für Bacon? Nicht wirklich, es geht bei den beiden Zwergschweinen im Bad Windsheimer Kurpark um einen Apfel.

07.01.2021 © Foto: Stefan Blank


Krachend prallen Madamme und Lissy mit ihren Hörnern aneinander. Bummm. Bummm. Die eine Zwergziege steht auf einem Stein, die andere stemmt sich mit den Vorderhufen gegen diesen. Bummm. Bummm. Die kleinen Kinder am Zaun sind begeistert. Die Ziegen, Rehe, Sittiche, Wachteln, Hühner und Zwergschweine im kleinen Zoo im Bad Windsheimer Kurpark sind in der Corona-Zeit für zahlreiche Familien ein noch beliebterer Ausflugsort geworden als sie schon vorher waren. Möglich macht diese Abwechslung nicht nur für die Kleinen Gerhard Geißbarth.

Der 68-jährige Windsheimer lacht und pfeift, als er das Tor zum Gehege öffnet. Schon kommen Frieda und Bacon angewackelt. "Nein, ich habe jetzt nichts für Dich, Bacon", sagt Geißbarth zu dem schwarzen Zwergschwein, steckt ihm aber dann doch einen Apfel in den Mund. "Die hören wirklich wie ein Hund." Seit 1997 kümmert sich Gerhard Geißbarth um das etwa einen Hektar große Wildgehege, an dem Familien nun auch Tiere ansehen können, wenn Tierparks und Zoos geschlossen sind. Und kostenlos ist es auch noch.

Rund 130 Australische Sittiche in allen möglichen Farben sind in den Volieren zu Hause. "Das sind die Schönsten", sagt Geißbarth. Schönsittiche, Schmucksittiche, Bourkesittiche, Königssittiche Nymphensittiche, Wellensittiche, Princess-of-Wales-Sittiche, daneben flattern Diamanttauben, Zebrafinken und Kanarienvögel.

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Tierische Unterhalter aus dem Kurpark

Das kleine Wildgehege in Bad Windsheim ist ein beliebter Ausflugsort für Familien - nicht nur in der Corona-Zeit


"Vögel habe ich schon immer gerne gehabt", sagt Geißbarth, der sich verstärkt dem Hobby Tiere gewidmet hat, seitdem es mit seiner anderen Leidenschaft, Fußball, altersbedingt etwas ruhiger geworden war, wie er erzählt. Auch um 25 Wachteln kümmert er sich mit seinen beiden Söhnen. Vor mehr als 23 Jahren habe er sich bei der Stadt um das Gehege beworben, sagt Geißbarth, der jeden Tag vor Ort ist und einen kleinen Zuschuss erhält. "Sehr dankbar bin ich der Stadtgärtnerei und den Stadtwerken, die mich immer mal wieder unterstützen."

Gerhard Geißbarth mit seinen Rehen.

07.01.2021 © Foto: Stefan Blank


Susiline, Frau Scheu und Biene

Für Begeisterung sorgen bei den Gästen stets die fünf Rehe – "drei Muttertiere, ein Junge und ein Mädchen", wie Geißbarth erklärt, als er Futter für das Wild holt und in einen Trog schüttet. Dazu gibt es Heu. Rund eine halbe Tonne Futter brauche er für alle Tiere im Jahr. Die junge Susiline ist dabei die zutraulichste, doch auch Bifi, Biene, Frau Schnorri und Frau Scheu zeigen sich oft neugierig am Zaun, wenn Besucher kommen.

"Viele Leute wollen sie füttern, das ist leider wirklich ein großes Problem", sagt der 68-Jährige. Schimmliges Brot und alles mögliche werde hineingeworfen, teilweise ganze Tüten. "Und wenn man denen sagt, dass sie das bitte lassen sollen, wird man noch blöd angeschnauzt", berichtet Geißbarth. Deshalb sei es ihm am liebsten, wenn die Rehe von niemandem Fremden gefüttert werden. "Sie bekommen genug von mir", sagt er. Es sei schon traurig, dass er manchmal sogar mit der Polizei drohen müsse, weil die Besucher so uneinsichtig seien.

Rüssel-Bussis

Kaum ist Gerhard Geißbarth wieder durch das Türchen aus dem Reh-Gehege geschlüpft, schmiegen sich Bacon und Frieda wieder an seine Beine und teilen sich den Apfel, den ihr Herrchen ihnen zuwirft, und berühren sich dabei mit den Rüsseln. "Ein Bussi zwischendurch", sagt Geißbarth, der gerade dabei ist, mit Klopfzeichen die 13 Federfüßigen Zwerghühner und zwei Hähne anzulocken.

"Die sind alle sehr zahm, es geht mir nur darum, dass sie mir vertrauen, damit ich – wenn sie mal was haben – sie einfangen kann". Wenige Meter weiter knallt es wieder. Machtkämpfe zwischen Madamme, Lissy und Bock Lasse? "Nein, ich glaube nicht", sagt Gerhard Geißbarth und lacht, "die wissen einfach manchmal nicht, was sie treiben sollen."

STEFAN BLANK

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