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Diebischer "Verrecker" bedient sich

Auf geklautem Nistmaterial aus einem anderen Horst brütet ein Storch in Ipsheim. - 23.04.2020 11:35 Uhr

Mit den schönsten Ästen im Schnabel macht sich der Storch wieder auf den Rückflug zum eigenen Horst. © Foto: Michael Höfner


Wenn auf einem Horst gebrütet wird, befindet sich meist ein Vogel des Storchenpaares dort. So ist die Normalität. Allerdings gebe es immer wieder Umstände oder Turbulenzen, weswegen ein Horst auch einmal unbesetzt sein kann, weiß Storchenexperte Erwin Taube.

So kreiste unser Storch über den Horst auf der alten Molkerei in Ipsheim. Tat so, als sei er zufällig in der Gegend, wenn die Horstbesitzer oder einer der beiden da waren. War dies aber nicht der Fall, ließ sich der Vogel häuslich nieder. Gemütlich suchte er sich die schönsten Zweige heraus und flog mit ihnen im Schnabel zum eigenen Horst.

"Das ist nichts Ungewöhnliches", sagte Erwin Taube gegenüber der Windsheimer Zeitung. Es sei normal, dass sich Störche ihr Baumaterial in der Nähe suchen. "Die Horstbesitzer müssen halt aufpassen, dass nichts geklaut wird", meint Taube. "Auch bei Störchen gibt es halt kleine Verrecker."

 

Bis zu zwei Meter Durchmesser

 

Schließlich braucht so ein Horst viel Material. Im Maximalfall können die Horste nämlich einen Durchmesser bis zu zwei Metern haben. Der Landesbund für Vogelschutz berichtet auch von Nestern mit einem vier Meter hohen Aufbau. Dann könne das Gewicht auch bis zu zwei Tonnen betragen. Im Landkreis werden laut Taube diese Dimensionen aber nicht erreicht.

Im vergangenen Jahr waren es in Ipsheim elf Paare inklusive des Paares auf dem Pfarrhaus. Heuer sind es, wie Erwin Taube weiß, zwölf Paare. Neu ist ein Horst auf einem Lüftungskamin. Rückkehrer aus den wärmeren Gefilden beziehen in der Regel wieder ihr altes Nest. Sollte dies schon besetzt sein, dann "müssen sie halt darum kämpfen". Komme ein Paar zurück, setzte sich dieses normalerweise gegenüber einem Fremden auch durch.

Die größte Storchenkolonie in Bayern befindet sich mit 30 Paaren nach wie vor in Uehlfeld. In Gerhardshofen sind es laut Taube 15 bis 18, in Diespeck vier Paare. Merkwürdigerweise siedelten sich Störche dort an, wo schon welche sind. In Langenfeld oder Scheinfeld gebe es Plätze, dort wollten sie aber nicht, rätselt Erwin Taube.

Doch gibt es heuer auch eine Neuansiedlung: In Schwebheim gab es im vergangenen Jahr zwar ein Paar, das aber nicht gebrütet habe. Heuer sei ein neues Paar gekommen, das brüte, freut sich der Vogelexperte. Wann dort der Nachwuchs schlüpft, ist noch ungewiss. Im Landkreis gebe es aber schon erste Jungtiere, erklärt Taube.

GERHARD KRÄMER

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