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Donnerstag, 03.12.2020

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Diespeck im Zeichen des Protests der Traktoren

Landwirte protestieren beim Besuch von CSU-EU-Parlamentarier Manfred Weber - 03.02.2020 04:45 Uhr

Kinder von Landwirten haben ihre Spielzeugtraktoren mitgebracht, um auf die prekäre Lage der Branche hinzuweisen.

02.02.2020 © Rainer Fritsch


Mit Manfred Weber war auf Einladung des CSU-Ortsverbandes Diespeck und des Kreisbauernverbandes der Fraktionsvorsitzende der Volksparteien im Europäischen Parlament anwesend und das sollte genutzt werden, um den Unmut gegenüber den neuen Düngerverordnungen der Europäischen Union, den roten Sperrgebieten bezüglich nitratbelasteten Trinkwassers und auch gegen die niedrigen Lebensmittelpreise zu äußern.

Neben den großen Traktoren hatten die Landwirte auch ihre Kinder mit deren kleinen Traktoren mitgebracht, um damit zu verdeutlichen, dass diese angesichts der immer mehr zunehmenden Verordnungen und Gesetzen, keine Chance mehr haben werden, den Bauernhof ihrer Eltern einmal zu bewirtschaften.

Lautstarke Kritik übten die Landwirte auf dem Festplatz, unter ihnen auch Kreisobmann Jürgen Dierauff, dessen Stellvertreter Heinz Weiskopf und Geschäftsführer Rudolf Meth an den Politikerinnen Angela Merkel, Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Katharina Schulze, Vorsitzende der Landtagsfraktion der Grünen, und auch an der Bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sie habe kaum Wissen über die Landwirtschaft, wurde erklärt.

Gründe für die seit Wochen andauernden Proteste ist die EU-Düngeverordnung, die eigentlich seit 2017 gilt, zum Teil aber erst jetzt greift und die Landwirte sehr bei der Gülleausbringung einschränkt. Deutschland konnte in den vergangenen Jahren die Stickstoffüberschüsse im Boden und im Wasser (Nitratbelastung) nicht abbauen und deshalb hatte die EU ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. So darf zum Beispiel kein Dünger oder Gülle vom 1. Oktober bis Ende Januar mehr ausgebracht werden. Es gibt außerdem Mengenbeschränkungen.

Landkreis gehört zu den "Roten Gebieten"

Der Landkreis gehört zu den Roten Gebieten bei der Gülleausbringung, da Trinkwasser belastet ist. Laut Weiskopf handelt es sich dabei allerdings nur um zwei Messpunkte bei Weigenheim und bei Heuchlen nahe bei Schlüsselfeld, die den gesamten Landkreis zum Roten Gebiet werden lassen. Weiskopf stellte dazu fest, dass direkt am Messpunkt erhöhte Nitratwerte auftreten, nur wenige Meter abseits davon gebe es sehr niedrige Nitratwerte im Grundwasser. Forderungen der Landwirte sind unter anderem: Überarbeitung der Roten Gebiete und Messstellen. In Roten Gebieten soll zudem eine Düngung zur Zwischenfrucht, die Düngung mit Gülle auf Wiesen bis 31. Oktober gestattet sein. Zudem soll es keine Gewässerschutzstreifen bei Gräben geben, die nur periodisch Wasser führen.

Nicht zufrieden zeigten sich die Landwirte mit der Zahlung von einer Milliarde Euro als Entschädigung für diese Einschränkungen. Symbolisch überreichten sie dazu große 50-Euro-Scheine an Weber, Landrat Helmut Weiß und Landtagsabgeordneten Hans Herold.

Weber stellt zu den Kritikpunkten fest, dass die Politiker auch für unbelastetes Wasser zuständig seien. Er möchte aber die Landwirte nicht noch mehr in ihrer Berufsausübung einschränken. Im Europäischen Parlament gebe es aber unter den 750 Abgeordneten nur sechs CSU-Abgeordnete. Dabei sei es heute schwierig, die Grünen, die FDP und auch SPD-Abgeordnete für die Wünsche der Landwirte zu sensibilisieren. Von den AfD-Abgeordneten könne man diesbezüglich auch nichts erwarten, denn diese seien nicht einmal bei den Ausschusssitzungen anwesend. Ihr Hauptziel sei es, die EU und das Parlament abzuschaffen. "Damit kann man aber keine länderübergreifende Probleme lösen", erklärte Weber. Nach seinen Worten können die Probleme der Landwirte aber nur mit der Politik gelöst werden.

Kreisbäuerin Renate Ixmeier kritisierte mit zum Teil harten Worten die Discounter, die Nahrungsmittel immer billiger verkaufen wollen und auch die Verbraucher, die wenig Wert auf qualitativ hochwertige Nahrungsmittel legten und meist nur auf den Preis schauen. Weber würdigte den Einsatz der Landwirte und erklärte zudem, dass es gut sei, dass die Landwirte auf ihre schwere Lage hinweisen. Auf das Recht auf Protest und auch auf eine bessere Würdigung ihrer Arbeit wies Landrat Weiß hin, der Hobbylandwirt ist und den Bauern seine Unterstützung zusicherte.

RAINER FRITSCH

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