Nach dem Hochwasser

Ein Kreisbrandrat zieht Bilanz

21.7.2021, 06:00 Uhr
Ob in Bad Windsheim, Kaubenheim oder wie hier im Bild in Unteraltenbernheim – die Feuerwehr war am 9. Juli überall im Einsatz.<QM>Foto: Rudolf Göller
 

Ob in Bad Windsheim, Kaubenheim oder wie hier im Bild in Unteraltenbernheim – die Feuerwehr war am 9. Juli überall im Einsatz.<QM>Foto: Rudolf Göller   © Rudolf Göller, NN

Abrollbehälter, Boote, Sandsackabfüllmaschine – der Landkreis hat in der jüngeren Vergangenheit viel Geld in die Ausrüstung der Feuerwehren investiert. Absolut sinnvoll sei das gewesen, findet Kreisbrandrat Alfred Tilz, wie sich nun bei der Hochwassersituation am 9. Juli gezeigt habe. Seine Bilanz von dem Dauereinsatz mit über 1000 Einzeleinsätzen fällt positiv aus.
Die Regenfälle hatten damals am Donnerstagabend begonnen, bis Freitagnachmittag hatte es durchgeregnet. Zahlreiche Bäche und Gräben wurden mit den Wassermengen, lokal über 100 Liter auf den Quadratmeter, nicht mehr fertig. Zahlreiche Ortschaften wurden überschwemmt. Es war eine Ausnahmesituation, für die alle Kräfte mobilisiert werden mussten. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen.

Engpässe gab es

„Engpässe hat es überall gegeben“, betont Alfred Tilz. Doch „gravierende Dinge“, die zum Zusammenbruch der Strukturen geführt hätten – „nein, die Situation war nie da“. Das Einsatzgeschehen sei, wie vorgesehen, „peu à peu abgelaufen“.
Das Zepter in der Hand hatte die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung, die im Landratsamt eingerichtet wurde, erläutert der Kreisbrandrat. Dort wurden die Notrufe, die alle bei der Leitstelle in Ansbach eingehen, sondiert und die Aufträge verteilt. Die große Aufgabe sei zu schauen und zu wissen, wo noch Feuerwehr-Ressourcen frei sind und wo diese sinnvoll eingesetzt werden können.
Angesichts der Diskussionen, die nach den verheerenden Schäden und den vielen Toten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nun einsetzen, stellt sich die Frage, wie man sich vorbereiten kann. Pläne gebe es „nicht direkt“, sagt Tilz. Das Wasserwirtschaftsamt habe Daten und Hochwassermarken, an denen man sich orientieren kann, um gewisse stark gefährdete Bereiche vorab abzuriegeln. Als Beispiel nennt Tilz die Parkplätze entlang der Aisch in Neustadt.
Doch dann wird es schon eng. Hochwasserschutz sei eher ein politisches Thema. Und da wird der Kreisbrandrat auch kritisch: Einige Gemeinden hätten sich da in den vergangenen Jahren „etwas zurückgelehnt“. Man müsse sich nur vorstellen, der Strom in einem Ort würde mehrere Tage ausfallen. „Dann ginge gar nix mehr“, betont Tilz.
Umso wichtiger sei es aus seiner Sicht, die bestehenden Strukturen der Feuerwehr zu schützen, zu stärken und weiter Geld zu investieren. „Es geht sehr schnell, dass man jemanden braucht“, sagt Tilz, der stolz auf seine Truppe ist, dass sie am Hochwasser-Tag auch diverse „Nebenbei-Einsätze“ leisten konnte. Von Bränden abgesehen, mussten die Wehren auch ein paar Mal für das Rote Kreuz einspringen, um bei medizinischen Notfällen zu helfen, da einige Straße unpassierbar waren.

Aufräumarbeiten laufen

Längst laufen nun die Aufräumarbeiten. Da sei die Kreisfeuerwehr nicht mehr involviert, sagt Tilz. Das laufe „ortsintern“. Das Wegräumen des Sperrmülls – von dem bis Montag laut Landratsamt 279 Tonnen zusammengekommen waren – sei sowieso keine Aufgabe der Wehren. Ganz los ließ die Truppe das Thema Hochwasser aber nicht: Für solche Fälle wie im Westen Deutschlands vergangene Woche gebe es Notstandskontingente, die dann aus Bayern abrücken könnten. Diese seien allerdings diesmal nicht angefordert worden, sagt Tilz, der trotzdem nach NRW, in die Pfalz und nun auch nach Südbayern schaut und sagt: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“

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