Ein Traumjob trotz Corona

10.5.2021, 07:37 Uhr
Das Amtsgerichtsgebäude in der Bamberger Straße in Neustadt.

Das Amtsgerichtsgebäude in der Bamberger Straße in Neustadt. © Archiv-Foto: Bastian Lauer

Kaum hatte Christiane Trabold ihr neues Amt als Direktorin des Amtsgerichtes in der Kreisstadt angetreten, stellte schon Corona auch dort den Arbeitsalltag auf den Kopf. Für ihr erstes Jahr in der neuen Funktion zieht die aus dem Saarland stammende Juristin aber dennoch ein sehr positives Resümee. Sie scheint ihren "Traumjob" gefunden zu haben.

Begonnen hatte sie ihren Dienst bei der bayerischen Justiz 1986 am Landgericht München, 1988 wechselte sie zur Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, 1991 wurde sie Richterin am Landgericht. Zuletzt war sie am Oberlandesgericht im Zivilsenat und Senat für Familiensachen tätig, seit 2016 als stellvertretende Vorsitzende. Der Wechsel nach Neustadt bot noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Im Januar 2020 hatte sie dort ihren Dienst angetreten, am 21. Februar war sie wie berichtet offiziell in ihr Amt eingeführt worden.

"Der Start war interessant", sagt sie im Rückblick. "Es ist eine ganz andere Tätigkeit." Neu sind für sie zum Beispiel die Betreuungssachen, für die sie neben Zivilklagen nun als Richterin auch zuständig ist. Außerdem hat sie als Direktorin nun zum Beispiel Personalverantwortung für die 47 Mitarbeiter am Amtsgericht. Doch genau das macht ihr "sehr viel Spaß". Trabold arbeitet gerne mit Menschen zusammen. Mit ihnen gemeinsam Probleme zu lösen, das liegt ihr. Die Mitarbeiter seien gleich auf sie zugekommen, auch mit ihren Wünschen, das sei wohl so, wenn ein neuer Chef komme. "Die Neue wird es schon machen." Sie habe sich auch bemüht, viele davon zu erfüllen, und es sei "sehr schön" zu sehen, wenn ein Mitarbeiter in einer anderen Abteilung aufblühe.

Christiane Trabold.

Christiane Trabold. © Foto: Steffi Brehmer/BilderHaus Neustadt

Sie zieht es vor, gütliche Lösungen herbeizuführen statt zu verurteilen. Wenn das möglich ist. Nun sollte man aber sicher nicht glauben, dass die nicht sehr groß gewachsene Richterin nicht auch durchgreifen könnte. Bei ihrer Einführung im Februar 2020 hatte Dr. Thomas Dickert, der Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg, beeindruckt aus ihren Personalbewertungen zitiert, die sie als beherzt und besonders belastbar beschrieben. Schon als Anfängerin habe sie sich nicht gescheut, vier Zeugen festnehmen zu lassen, die ihre Falschaussagen dann zugegeben hätten. Große Führungs- und Sozialkompetenz, Charme und Einfühlungsvermögen hatte er ihr bescheinigt.

Einen Teil dessen, was sie bei ihrer Einführung als kleine Veränderungen angekündigt hatte, hat Trabold gleich umgesetzt: neue Sanitäranlagen, genauer berührungsfreie Wasserhähne, Desinfektions- und Wasserspender. Das war bereits installiert, als Corona auch den Landkreis erreichte und kam dem Amtsgericht zugute. Es gab aber noch viel mehr zu organisieren, um ein möglichst reibungsloses Arbeiten auch unter Pandemie-Bedingungen zu ermöglichen: Plexiglaswände im Sitzungssaal, Einzelzimmer für die Angestellten, die nicht im Homeoffice arbeiten konnten, geänderte Arbeitszeiten, Anhörungen beispielsweise der Rechtspfleger nur noch im Sitzungssaal, nicht mehr im Büro und noch einiges mehr, das Abstände und möglichst viel Infektionsschutz gewährleisten sollte. Eine weitere Teeküche wurde eingerichtet. "Es hat gut geklappt", sagt Trabold heute.

Selber gestalten

Nur wenige Verhandlungen seien wegen Corona ausgefallen. Die Entscheidung darüber habe sie den jeweiligen Richtern überlassen. Während in Nürnberg aus räumlichen Gründen mit einem Rotationsprinzip gearbeitet werden musste, das zu Rückständen führte, war das am vergleichsweise kleinen Gericht in Neustadt nicht nötig. Anders als von manchen befürchtet habe es zumindest in Neustadt nicht mehr Verhandlungen wegen Gewalt oder wegen gefährdetem Kindeswohl gegeben.

Corona-Fälle gab es nur wenige, zwei Mitarbeiter hatten sich im Urlaub angesteckt, waren dann aber nicht in die Arbeit gekommen. "Toi, Toi, toi", sagt Trabold. "Es gab keinen Fall im Rahmen des Bürobetriebs." Großes Lob zollte sie allen Mitarbeitern, gerade in der Pandemie-Zeit. Unangenehm war ihr, bei Abschiedsfeiern die Kollegen nicht angemessen würdigen zu können – so es denn überhaupt Feiern gab.

"Ich genieße es, alles wieder selber zu gestalten", erklärt Trabold. Beim Senat habe der Sitzungsleiter vieles vorgegeben, als Amtsrichter entscheide man selber. Die neue Aufgabe beschreibt sie als "sehr abwechlungsreich". Es gebe immer etwas Neues und wenn nicht, dann habe sie genug eigene Ideen, die es umzusetzen gilt. Vielleicht eine Kunstausstellung im Gerichtsgebäude – nach Corona. Den Garten würde sie gerne neu anlegen.

Ist es die Leitung des Amtsgerichts dann ein Traumjob? Das Ja kommt schnell. Früher habe sie immer wieder mal den Wunsch nach Veränderung gespürt. Jetzt sagt sie voller Überzeugung: "Ich möchte nichts anderes mehr machen."

Keine Kommentare