Sonntag, 15.12.2019

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Ein Wunder - aber "kein Hexenwerk"

Ein Weinbergspaziergang in der sonnigen Rebanlage um Burg Hoheneck - 18.09.2019 07:10 Uhr

Unterhaltsam und informativ machte Rudolf Fähnlein die „Weinbergs-Spaziergänger“ mit der Lage um Hoheneck und dem Weinbau vertraut. © Harald Munzinger


Zum Einblick in die Arbeit im Weinberg wie im -keller hatte der Winzer Bernd Hofmann eingeladen und konnte mit einem Secco eine stattliche Gästeschar aus der Region "in der Heimat der guten Weine" willkommen heißen. Mit seinen Winzerkollegen im südlichsten fränkischen Anbaugebiet zeigte Rudolf Fähnlein stolz auf "das" Regionalprodukt schlechthin, ohne das seit alters her kein großes Ereignis auskomme.

Der langjährige Vorsitzende des Weinbauvereins Ipsheim übernahm die Führung durch die Rebzeilen der "prädestinierten Lage" um Burg Hoheneck, die einst ausschlaggebend für den Standort der Zollernburg gewesen sein dürfte, wie Fähnlein schmunzelnd einen kurzen geschichtlichen Exkurs um den 916 erstmals erwähnten Ort unternahm. Der war 1984 dem Beispiel der Weimersheimer Weinbergsbereinigung (1969) gefolgt, nachdem nach dieser der erste Jahrgang Weinfranken mit Goldmedaillen überrascht hatte. Die Ipsheimer mussten sich damit gedulden und ihre Hoffnungen nach dem nahezu komplett erfrorenen "Jungfernwein" einen herben Rückschlag hinnehmen.

Spitzenwert der Selbstvermarktung

Das ist lange her und heute der Ort als sehr erfolgreiche fränkische Weinbaugemeinde im Fokus. Sie war auch die erste, die trotz mancherlei Ängsten vor „Trauben-Räubern“ die Tore des 35 Hektar großen Weinberges geöffnet hat. Die Menschen der Region wurden eingeladen, die Vegetation das ganze Jahr über zu beobachten und sich mit dem Ipsheimer Wein zu identifizieren. Eine Rechnung, die aufgehen sollte und heute die zehn Weißweinsorten und sieben Rotweine zu 85 Prozent ab Hof verkauft werden, ein Spitzenwert der Selbstvermarktung.

Der Winzer Bernd Hofmann (r.) gab aufschlussreiche Einblicke in die Kellerarbeit und -philosophie, wie hier bei der offenen Rotweingärung. © Harald Munzinger


Kurzweilig unterhaltsam informierte Fähnlein über die unverwechselbaren mineralischen Böden, die Gold wert seien, und die Arbeit der Winzer in den Weinbergen, in denen trotz sehr sauberer Arbeit des Vollernters die schonendere Handlese wieder zunimmt. Bernd Hofmann ließ später bei der Kellerführung mit laufender Presse und erstem Gurgeln der Gärung wissen, dass auf den 23 Hektar auf 30 Kilometer verteilten Anbaufläche die Handlese zu 80 bis 90 Prozent erfolge, damit bis zu 15 Kräfte fünf Wochen täglich beschäftigt seien. Zur festen Mannschaft kämen dazu Saisonarbeiter aus Polen, Ungarn und Rumänien.

Vom Weinberg in den -keller

Dabei sei schon am Stock die "Auslese" von Beeren mit Sonnenbrand oder Trockenheitsschäden möglich, komme sehr gutes Lesegut auf den Hof, wie er die Schritte vom Weinberg in den Weinkeller und seine Philosophie beim stetig kontrollierten Ausbau der Weine erläuterte. Dass eingestreutes Erbsenproteinen (statt Gelatine), diverse Gärtemperaturen, ausgewogene Säuren oder Restzucker und die Herstellung von halbtrockenen oder trockenen Weinen in den diversen Qualitätsstufen „alles kein Hexenwerk“ sei, meinte der bei allem Stress gut gelaunte Winzer beim Blick in staunende Gesichter.

Bei einer Weinprobe mit deftigen Winzervesper gab es noch viele Informationen zum zunehmenden Trockenstress der Reben, um die man sich bei einem weiteren regenwarmen Jahr sorgt oder zu den Auswirkungen steigender Ozonwerte auf der einen sowie den geringeren Schädlings- und Krankheitsdruck auf der anderen Seite. Wie man durch Aufzeichnungen an der Wetterstation Aufschlüsse zu möglichen Infektionen erhält, um sich dabei im naturnahen Weinbau rechtzeitig einzustellen, hatten die Gäste schon von wandelnden Weinlexikon Rudolf Fähnlein beim Spaziergang über Stock und Stein erfahren, "die letzte Süße" kosten und im "Refraktometer" über 101 Oechslegrade bei der Silvanerrebe staunen können, ein Indiz für den zweiten guten Jahrgang in Folge.

2020 magischer Ort Frankens

Der kann im nächsten Jahr wohl bei einem ganz besonderen Ereignis präsentiert werden, wenn sich Ipsheim mit dem Prädikat "Terroir F" zu den 20 „magischen Orten“ Frankens reiht. An der Sonnenuhr wird eine Plattform mit dem faszinierenden Ausblick in das weitausladende Aischtal und allen wichtigen Informationen über die "Kellergeister" entstehen.

Die Einbußen durch Sonnenbrand haben sich um die Burg Hoheneck im Grenzen gehalten, die Winzer aber dazu lernen lassen, das Blattwerk nicht zu sehr auszudünnen. Schwieriger in den Griff zu bekommen sind jene Weinbergsbesucher, die mit Plastiktüten "zur Lese" kommen, wie es am Rande des informativen Spazierganges zu beobachten war. Da die meisten der sehr zahlreichen Gäste insbesondere an den Wochenenden vernünftig seien, und sich mal mit dem Naschen einzelner Beerchen begnügten, bleiben die Tore weiter geöffnet.

Harald J. Munzinger

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