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eKomi: Die Sternenmacher für Google

Duo aus Burgbernheim und Marktbergel leitet den Marktführer für Internet-Kundenbewertungen - 15.05.2021 12:03 Uhr

Michael Ambros (links) und Gunther Schmidt machten einst schon in der Stadtkapelle Burgbernheim gemeinsam Musik.

12.05.2021 © Foto: eKomi


Michael Ambros, 35, und Gunther Schmidt, 36, kennen sich seit Jugendtagen. Einst machten sie in der Stadtkapelle Burgbernheim gemeinsam Musik, mittlerweile sind sie Unternehmer mit Lebensmittelpunkt in Berlin. Während und nach dem Studium hätten sie "mehrere Sachen ausprobiert", sagt Ambros. Schließlich kam die Idee für die Firma, die heute eKomi heißt, im Bereich Ratings and Reviews "europaweit führend" sei und über 60 000 Kunden betreue. Das Logo der Firma mit dem grünen Daumen ist heutzutage omnipräsent.

Entstanden sei die Geschäftsidee schon, als die beiden zu Teenager-Zeiten Sachen bei Ebay verkauften. Da hätten sie schnell gemerkt, dass gute Bewertungen wichtig seien, um ihre Angebote auch loswerden zu können, erzählt Schmidt. Das Online-Auktionshaus sei damit das Vorbild für ihr Produkt gewesen, das Ambros "echte Bewertungen" und "eine unabhängige Instanz" nennt. Der Auftrag von eKomi ist ganz einfach: Internetnutzer dazu bringen, dass sie Produkte oder Firmen bewerten. Möglichst positiv natürlich.

Die Krux im Internet, aber auch im richtigen Leben, sei nämlich, erklärt Ambros, dass viele Leute nur eine Bewertung abgeben, wenn sie etwas zu kritisieren haben. Der Großteil der Menschen, die zufrieden sind, behalten das für sich. eKomi sorgt deshalb dafür, dass die Hürde, eine Bewertung abzugeben und damit den Mitmenschen zu signalisieren, dass hier ein Geschäft mit einem guten Geschäftspartner getätigt wurde, möglichst niedrig ist. Üblicherweise heißt das: Per E-Mail erhält derjenige einen Link, wo er seine Sterne-Bewertung abgeben und, wenn er will, noch Text dazuschreiben kann.

Ganz wichtig dabei: Das System ist "transaktionsbasiert", sagt Schmidt. Also nur wer etwas kauft, darf auch bewerten. So sollen gefälschte Bewertungen verhindert werden. Genau das aber ist paradoxerweise ein Vorwurf, den sich eKomi und andere Unternehmen mit vergleichbaren Angeboten immer wieder anhören müssen: Dass sie Bewertungen fälschen und schlechte Bewertungen gar nicht erst veröffentlichen. Ambros weißt das zurück: "Das würde ja unser ganzes Geschäftsmodell kaputtmachen." Die Firma könne sich das gar nicht leisten, schließlich basiere das ganze Konzept auf Vertrauen.

Ein Gütesiegel

In der Tat sei es so, dass alle Bewertungen, die Menschen bei den Partnern von eKomi abgeben, geprüft werden, erklärt Ambros. Entweder durch Programme oder auch von echten Mitarbeitern. Äußerungen, die strafrechtliche Relevanz hätten, würde rausgefiltert. Oder Beiträge, bei denen offensichtlich ist, dass der Schreiber keine Bewertung abgeben, sondern vor allem eine Meinung kundtun will. Ansonsten lande alles im Netz, nicht nur Fünf-Sterne-Bewertungen. "eKomi ist ein Siegel von Kunden für Kunden. Wir sind das Nummer-Eins-Gütesiegel im Internet", sagt Ambros.

Seit 2008 ist eKomi am Markt, der Firmensitz ist Berlin. Einen Schub hätte das Projekt erhalten, als sie Partner von Google wurden, erzählen die beiden Geschäftsführer. Seitdem spuckt der Megakonzern die gelben Sterne zu allen möglichen Suchmaschinenabfragen aus, darunter auch Bewertungen, die eKomi verwaltet. "Google pusht das Firmenmodell", sagt Ambros. Einen weiteren Schub gab es 2010, als ein Telekom-Skandal öffentlich wurde: Der Telekommunikationsriese musste damals zugeben, dass er Kunden-Bewertungen gefälscht hatte. "Firmen lagern das seitdem lieber aus", erklärt Ambros.

Mittlerweile habe eKomi über 100 Millionen Kundenbewertungen gesammelt. Es gibt weltweit mehrere Büros, über 200 Mitarbeiter. Gerade wurde ein Konkurrent aus Holland aufgekauft. Sorgen um die Zukunft der Firma machen sich die einstigen Musikerkollegen aus Mittelfranken nicht. "Qualitätssicherung" sei für Firmen wichtig und das werde bleiben. "Der Tüv hält sich ja auch immer noch", sagt Ambros. eKomi sei auch so etwas wie der Tüv, meint Schmidt, der Clou sei aber: "Die Kunden wissen es noch besser."

BASTIAN LAUER

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