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Freitag, 27.11.2020

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Erinnerungen: Die schönsten Faschingsmomente aus der Region

Neun Jecken der Region erzählen von ihren unvergesslichen Faschingsmomenten - 11.11.2020 11:11 Uhr

Ein Jahr ohne Faschingssession? Dieser Alptraum für Narren wird heuer wegen der Corona-Pandemie Realität. Die Bühnen von Windshemia, FGI sowie der Turn- und Sportvereine aus Obernzenn und Ipsheim bleiben sowohl zum traditionellen Start der närrischen Zeit am heutigen 11. 11. als auch im Januar, Februar und März leer.

10.11.2020 © Foto: Amelie Bodendörfer


Das bisschen Tanzen macht sich von allein, das bisschen in der Bütt’ kann so schlimm nicht sein … Nein. Für ein Trio der Karnevalsgesellschaft Windshemia ist Fasching viel viel mehr als ein bisschen Schabernack. Sie halten mit ihren schönsten Erinnerungen dagegen, die Schlagworte: Bundeskanzlerinnen-Joker, Deutsche Vizemeisterschaft und die extrem seltene Versammlung aller österreichischen Narren-Landespräsidenten in der vor wenigen Wochen abgerissenen Alten Stadthalle.

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Die erste Prunksitzung der Windshemia

Jugendgarde, Juniorengarde, Prinzengarde, Elferrat und die Prinzenpaare: Sie alle kamen zur erste Prunksitzung der Windshemia in das Kur- und Kongress-Center.


"Der Fasching hat mich bis ins Bundeskanzleramt gebracht", erzählt Nicole Schmidt lachend. Da stand sie 2011 neben der Kanzlerin Angela Merkel, die trotz 15 weiterer Prinzenpaare und vieler Garde-Tänzerinnen vor allem Augen für Schmidts lilafarbenes Kleid hatte.

Das Männerballett im Hausfrauen-Look (Bild oben) sorgte nicht nur mit einem „Striptease“ auf der Bühne für reichlich Furore, darunter war „nur“ das Tanzkostüm. 2011 empfing Kanzlerin Angela Merkel eine Windshemia-Delegation im Kanzleramt.

10.11.2020 © Foto: Windshemia-Archiv


"Sie haben so ein tolles Kleid", habe Merkel zu ihr gesagt – Johannes Gehäuser, heute Windshemia-Präsident und damals Nicoles Prinz, "hat sie eigentlich gar nicht gewürdigt", wie sich die Prunksitzung-Moderatorin erinnert. Zum Jubiläum der Karnevalsgesellschaft, 50 Jahre Ohoo in der Kurstadt, hatte der Präsident des Fastnacht-Verbands Franken das Windsheimer Prinzenpaar ausgewählt, um die Region beim bundesweiten Treffen zu vertreten.

"Wenn irgendjemand in einem Gespräch partout nicht einsehen will, dass das, was wir jede Session auf die Bühne zaubern, hochprofessionell ist, behauptet, wir würden nur ein bisschen rumhüpfen und trinken, dann ziehe ich immer meinen Kanzlerinnen-Joker", sagt Schmidt und lacht wieder. Das beeindrucke jeden. So ist dies ihr Erlebnis Nummer eins, sogar noch vor der Verleihung des Till von Franken oder jeder einzelnen Prunksitzung, vor der sie "immer noch aufgeregt" ist.

Mit dabei war im Bundeskanzleramt auch Siegfried Klafschinksi, für den jedoch mindestens ein Event noch aufregender, noch "geiler" war: Als Tontechniker holte er mit dem Männerballett der Windshemia 1980 die Deutsche Vizemeisterschaft.

Gut zur Sache ging es 1977: Rainer Böhm blies mit vier Posaunen der Windshemia den Marsch. Foto: Karl Forster

10.11.2020 © Foto: WZ-Archiv


"Das werde ich nie vergessen", sagt Klafschinski. "Rudi Schmidt und seine Frau Anette waren damals Prinzenpaar", erinnert er sich. Aus Gaudi, weil die Fränkische Meisterschaft in Neustadt war, machte der Windshemia-Tross mit – und gewann. "Eigentlich wollte uns keiner dahin lassen, weil wir eh keine Chance hätten", sagt "Siggi" Klafschinski.

Mit Hausfrauen-Schürze, Kopftuch, Besen und Schrubber wirbelten sie zu "Ein bisschen Haushalt … von Johanna von Koczian über die Bühne, auch in Münster bei der Deutschen Meisterschaft und wurden laut Klafschinski nur Zweiter, weil eine Richterin – "die hat einfach nichts von Männerballett gehalten" – mit ihrer Wertung deutlich unter dem Durchschnitt geblieben war.

Trotz Striptease der durchtrainierten Tänzer. Diese Show zeigte das Männerballett auch bei der Fernseh-Sitzung Fastnacht in Franken in Veitshöchheim 1995, wovon Klafschinski auch jüngeren Ohoo-Generationen gerne erzählt. "Das waren superbewegende Momente." Zu diesen zählt Klafschinski auch noch, seinen ersten Tanz mit dem Männerballett vor großem Publikum, bei der österreichischen Fernsehsitzung in Villach.

Die Verbindung zu Österreich ist auch für das Windshemia-Urgestein, Ehrenpräsident Friedrich "Frieder" Bruder etwas ganz Besonderes. "Österreich mit Franken Hand in Hand" nannten sie die Feste, die in der Alten Stadthalle gefeiert wurden. Zu einem – das wird Bruder, der auch für unzählige Bühnenbilder des Windshemia-Chors verantwortlich zeichnete, nie vergessen – kamen alle Faschings-Landespräsidenten Österreichs nach Bad Windsheim.

Das Männerballett im Hausfrauen-Look (Bild oben) sorgte nicht nur mit einem „Striptease“ auf der Bühne für reichlich Furore, darunter war „nur“ das Tanzkostüm. 2011 empfing Kanzlerin Angela Merkel eine Windshemia-Delegation im Kanzleramt.

10.11.2020 © Windshemia Archiv


"Das war schon einmalig", sagt Bruder, der seit 1961 bei der Karnevalsgesellschaft dabei ist und viele Freundschaften mit österreichischen Narren mit Willi Thürauf aufgebaut hatte. Auch der Bau des Windshemia-Vereinsheims bleibt für Bruder aber eine Aktion für die Ewigkeit. Immer alles frei nach Siegfried Klafschinskis Motto: "Was wir in einem Jahr im Fasching erleben, das erleben manche in ihrem ganzen Leben nicht."

Wenn beim Narrenwecken das neue Prinzenpaar vorgestellt wird, dieser Moment ist für Dirk Schuster, Vorsitzender und seit 14 Jahren Präsident der Faschingsgesellschaft Illesheim (FGI), ganz besonders. "Vorher weiß ja nur ich, wer es wird", gibt Schuster zu bedenken.

Als die Obernzenner Garde noch Grün-Gold trug.

10.11.2020 © Foto: Archiv TSV Obernzenn


An "sehr, sehr viele besondere Momente" erinnert sich auch Christine Bräuer, Zweite Vorsitzende der FGI. Darunter ein privat organisierter feuchtfröhlicher Ausflug nach Köln vor zirka acht Jahren. Mit einer fünf- oder sechsköpfigen Gruppe samt Prinzenpaar ging es damals morgens um 7 Uhr mit dem Zug los zu einer Sitzung der Großen Allgemeinen Karnevalsgesellschaft.

Nach einer Nacht ohne Schlaf und Afterhour in einem Hotel fuhr man am nächsten Tag um 5 Uhr morgens zurück. Ein Erlebnis, das Bräuer, die 2002 mit 17 Jahren der Gesellschaft beigetreten war und damals noch aktiv als Tänzerin und Trainerin war, nicht vergisst.

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Männerballett und Gardentänze bei der KG Windshemia

Ausgelassen närrisch ging es auf der dritten Prunksitzung der "Karnevalsgesellschaft Windshemia" zu. Neben dem Chor begeisterten die Garden und Showtänzer mit ihren Auftritten. Die Bilder des Abends gibt es hier.


Zu solchen Erinnerungen zählen für sie und Dirk Schuster auch zwei Höhepunkte aus dem Jahr 2018. Die FGI sei damals in die Staatskanzlei zu Markus Söder nach München eingeladen worden. "Das war einer der besten Momente", sagt Schuster.

Im selben Jahr durfte die Gesellschaft das erste Mal in der FGI-Geschichte mit der Nürnberger Luftflotte beim Prinzenflug dabei sein. An "super Wetter" erinnert sich Dirk Schuster. Eine Stunde düste die Gruppe im Flugzeug über Nürnberg. "Die haben da eine Ausnahmegenehmigung, weil man relativ tief fliegt", erzählt Bräuer. Bei der anschließenden Sitzung sei zudem jede Gesellschaft sogar einzeln vorgestellt worden.

Organisieren, Telefonieren, Umziehen, Umdisponieren, Tanzen, Umziehen, Probleme lösen, Feiern – für Anna Geißendörfer war ein extrem stressiger Abend das bisher größte Highlight ihrer närrischen Karriere. "Es war so aufregend, der Abend ist brutal schnell vorbeigezogen, ich erinnere mich aber immer sehr gerne an ihn."

Es war im Frühjahr 2020, kurz vor dem Lockdown Nummer eins. "Unsere Prunksitzung war eine der letzten Dinge, die stattfinden konnten", erzählt die 21-jährige Abteilungsleiterin Garde beim TSV Obernzenn. "Wir haben ein Dreivierteljahr geplant und alles vorbereitet", sagt Geißendörfer. "Und ich war das erste Mal in der Verantwortung, Ansprechpartnerin für alles."

Claudia I. und Christian I. besuchten mit unter anderem Dirk Schuster (hinten) Markus Söder (links) in München.

10.11.2020 © Foto: Privat


Das Besondere: Mit den Prunksitzungen wollte der TSV den Fasching in Obernzenn in der Zenngrundhalle auf eines neues Niveau heben, "wir wollten noch professioneller werden", sagt Anna Geißendörfer, die seit zwölf Jahren auf der närrischen Bühne steht. "Obernzenn war lange Zeit keine Karnevalshochburg", sagt sie, nun wurde an alles gedacht. Wer tritt auf? Wer wird eingeladen?

Was gibt es zu essen und zu trinken? Wer hilft? An dem Abend selbst, als die Zenngrundhalle voller Gäste in festlichen Kleidern und Anzügen war, "war ich megaaufgeregt", sagt Anna Geißendörfer. "Ich war gefühlt das komplette Wochenende nur in der Halle. Ich war irgendwie überall und nirgendwo." Es war eine Art Feuertaufe. Zwischendrin stand Anna Geißendörfer mit der Schautanzgruppe als Vampire noch auf der Bühne, die 300 Zuschauer feierten sie. "Als dann noch das erste positive Feedback kam, war ich megaglücklich", sagt die Abteilungsleiterin.

Mit dabei war bei dieser Prunksitzung auch Christina Hirsch. Ihr ist mit zu verdanken, dass es beim TSV Obernzenn noch eine Garde gibt, die nun sogar in ganz neuen Kostümen auf der Bühne stand. Die 35-Jährige wollte 2011 bei der "Großen Garde", wie sie damals hieß, mitmachen.

Da es aber nur eine begrenzte Anzahl von Kostümen gab, hatten die Mädchen Vorrang, die schon in der Purzel- und Jugendgarde tanzten. Das sei bitter gewesen. Doch sie ließ nicht locker und als kurz darauf fast alle älteren "Gardemädchen" aufhörten, nur noch eine Tänzerin übrigblieb, war Christina Hirsch Feuer und Flamme.

Mit Linda Weiß schaffte sie es, eine neue Garde auf die Beine zu stellen, Katja Lieb und Heike Stiegler als Trainerinnen zu engagieren. Der Neuanfang war geschafft. Hirschs großes Highlight. Nun wächst die Garde stetig, Männerballett eingeschlossen tanzen aktuell rund 80 Aktive beim TSV. Und wie es in vielen Faschingsvereinen so ist, hat auch Christine Hirsch gleich mehrere Aufgaben: Sie ist Trainerin der Schautanz-Gruppe und damit auch von Vampir Anna Geißendörfer.

In luftige Höhen ging es für eine Abordnung der Faschingsgesellschaft Illesheim 2018 beim Prinzenflug.

10.11.2020 © Foto: Privat


Diese zwei Worte nennt Stephan Kreuzer wie aus der Pistole geschossen, wenn man ihn nach einem Faschingsmoment fragt, den er nie vergessen wird. "Das wird auch die nächsten 50 Jahre so bleiben." 2018 moderierte Kreuzer die Faschingssendung im Bayerischen Rundfunk mit. "Wann erlebst du sowas schonmal? So eine Fernsehmoderation machst du halt vielleicht nie wieder."

Im Vorfeld sei da freilich viel Arbeit angefallen, zwei Probentage habe es gegeben. In zwei Nachtschichten sei die Moderation entstanden, "wir wussten lange nicht, dass wir die selber machen müssen". Und dann plötzlich war er da: Der Moment des Auftrittes. "Ich glaub, so aufgeregt war ich noch nie in meinem Leben." Erstmal habe er allerdings nur rumstehen müssen, schließlich ging es vor allem um die, die auf der Bühne ihr Können zeigten.

Das hat man nicht alle Tage: 2018 moderierte Stephan Kreuzer (Mitte) die Fernsehsendung Franken Helau mit.

10.11.2020 © Foto: Udo Chocholaty


"Als wir 1989 Prinzenpaar waren, das werd’ ich natürlich nie vergessen", sagt Heidi Merkel. "Ganz besonders" war für sie zudem, als Ipsheim vor zirka 17 Jahren die erste Narrensitzung abhielt. Zusammen mit Manuela Hundertschuh und Christina Bitzinger habe sie damals das Konzept erarbeitet und der Vereinsführung vorgestellt. "Die erste Sitzung war für uns schon ein Highlight, als das dann durchgegangen ist", erzählt Merkel.

Zu früheren Zeiten habe in Ipsheim jeder Verein einen Faschingsball organisiert. "Man hat gemerkt, das bröckelt langsam weg." Die Zahl der Auftritte nahm ab. So entstand die Idee, selbst etwas zu organisieren, um den Aktiven eine Plattform zu bieten. Außerdem gab es dadurch die Möglichkeit, andere Vereine einzuladen und dann zum Gegenbesuch anzutreten.

Es sei zwar – damals wie heute – viel, aber dennoch eine schöne Arbeit bei ihnen in Ipsheim. "Wir sind ein gutes Team." Heidi Merkel hat den Fasching schon als Kleinkind im TSV Ipsheim mitbekommen. Richtig dazu kam die 55-Jährige mit 14 Jahren – damals in die Prinzengarde. "Fasching liegt mir ganz arg am Herzen", sagt Merkel, deshalb hoffe sie, auch dass es in Zukunft mit Zusammenhalt im Team weitergehen wird. "Es geht nicht nur darum sich zu präsentieren, sondern dem Ort auch etwas zu bieten und die Gemeinschaft zu fördern."

Stefan Blank/Anna Franck

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