Camping wird immer beliebter

Erlebnis mit Zelt und Reisemobil: Platzbetreiber in der Region erzählen

25.8.2021, 06:00 Uhr
Rainer Lorenz und sein Sohn Finn machen es sich mit Aria und Paule vor dem eigenen Wohnmobil am Campingplatz am Freibad gemütlich. 

Rainer Lorenz und sein Sohn Finn machen es sich mit Aria und Paule vor dem eigenen Wohnmobil am Campingplatz am Freibad gemütlich.  © Stefan Blank, NN

Frei und ungebunden sein, an der frischen Luft, in idyllischer Natur: Das verspricht Camping, egal ob per Zelt, Caravan oder Wohnmobil. Gerade in Corona-Zeiten erscheint dies besonders attraktiv. „Der Trend geht deutlich in diese Richtung“, sagt Thomas Schreiner, Pressesprecher des Auto- und Reiseclubs Deutschland. Reisemobile werden gekauft, es wird gezeltet und Erholung durch Reisen innerhalb der Bundesrepublik gesucht. Die Campingplatzbetreiber in der Region empfangen seit 21. Mai wieder Gäste und bestätigen einen Aufwärtstrend – vor allem an Wochenenden.

Viele tolle Orte entdecken

Rainer Lorenz sitzt mit Sohn Finn und den Hunden Aria und Paula vor ihrem Wohnmobil am Bad Windsheimer Kochsweiher. „Das Reisen ist einfach ein Erlebnis, man lernt so viele tolle Orte kennen, entdeckt so viel“, sagt Rainer Lorenz. Die Familie ist aus dem Saarland und auf der Rückreise von Südtirol dank des Tipps eines anderen Reisemobilisten in der Kurstadt hängengeblieben. Familie Lorenz hat ihre rollende Herberge seit drei Jahren, den Boom spüren auch sie.
„Die Zulassungszahlen waren 2020 schon sehr hoch und haben nochmal angezogen“, erklärt Thomas Schreiner. Alleine 78 055 Reisemobile wurden im Vorjahr neu angemeldet, ein Plus von 44,8 Prozent zu 2019. Seit März 2021 werden im Durchschnitt knapp 10 000 Reisemobile im Monat neu zugelassen.

Auf diese spezialisiert ist der Phönix-Reisemobilhafen an der Franken-Therme, der an den Wochenenden meist zu 100 Prozent belegt ist, wie Platz-Verwalter Wolfgang Westphal erklärt. Unter der Woche werden etwa 60 Prozent der 110 Stellplätze genutzt. Westphal spricht von einem Plus von knapp 30 Prozent zum Vorjahr. Die Gäste rollen aus allen Bundesländern, aus Belgien, Dänemark, Estland, Italien, Griechenland oder den Niederlanden an. Etwa ein Viertel seien „Neueinsteiger“, die Bandbreite reiche vom „kleinen Mobilchen“ bis zum „fahrenden Haus“. Im August zählte Westphal 1720 Übernacht-Buchungen, da im Wohnmobil meist zwei Leute schlafen, entspreche das 3400 Übernachtungen.

Am Obernzenner See kann man nicht nur baden, sondern auch zelten.

Am Obernzenner See kann man nicht nur baden, sondern auch zelten. © Foto: sb

20 Stellplätze, 35 Zeltplätze für Familien und 34 für Gruppen hat Harald Kamleiter am Obernzenner See zu bieten. „Es läuft ganz gut“, sagt er. Genaue Buchungszahlen will er nicht nennen, 2020 sei nicht schlechter als 2019, nur Gruppen fehlen. Die kommen wegen der Beschränkungen kaum, müssten ein eigenes Hygienekonzept vorlegen. Kamleiter habe wegen Corona die Belegung des Platzes auf 85 Prozent begrenzt, damit es in Waschräumen und Toiletten nicht zu voll werde. Ausgebucht war er nur zeitweise. Das Wetter sei ein Grund, wieso 2020 besser gewesen sei als heuer. Außerdem würden Camper wohl wieder ins Ausland fahren.

Reservieren und dann wegbleiben

Was laut Kamleiter am See sonst nie vorkam, 2021 aber schon drei bis vier Mal: Familiengruppen, die buchen und trotz geringer Anzahlung nicht erscheinen. Die hätten sich wohl einen Platz sichern wollen und doch was anderes gefunden. Das ärgert Kamleiter, ebenso der verstärkte Trend zum Wildcampen. Wohnmobilisten, die sich am liebsten auf den Parkplatz stellen würden, ohne zu zahlen, und noch Müll hinterlassen.

Durch alle Schichten

Viele „Neucamper“ gibt es laut Andreas Mohr auf dem Campingplatz Mohrenhof bei Geslau. Allerdings sei der Trend nicht erst seit Corona spürbar. Mohr eröffnete den Platz 2011, erweitert ständig, auf aktuell 300 Stellplätze inklusive Dauercamper und damit 60 000 bis 70 000 Übernachtungen pro Jahr bei Zuwachsraten von über 20 Prozent. Zelter, Camper, Wohnmobilisten: Bei allen sei ein Plus zu verzeichnen. Zelten sei nicht mehr eine Sache des Einkommens, ziehe sich durch alle Schichten. 2021 sei auf jeden Fall ein „gutes Jahr“. Das Ostergeschäft sei zwar „geklaut worden“, doch seit Pfingsten laufe es okay. „Wir sind sehr gut ausgelastet.“

Für Roland Hirsch laufen die zehn Stellplätze (Zelt und Wohnmobil) am Naturbadeweiher in Nordenberg nebenher, zusätzlich zu der Gastronomie. Er mache kaum Werbung. Ein paar Dauercamper und einige Zelter und Radtouristen übernachten dort. Allerdings überlegt er durchaus, das Campingangebot auszubauen, in bessere Infrastruktur zu investieren.
Am Bad Windsheimer Freibad haben heuer schon Camper in rund 300 Reisemobilen, Wohnanhängern oder Zelten geschlafen, sagt Marco Seydewitz. Im Durchschnitt bleiben diese zwei bis fünf Tage, er geht von rund 1750 Übernachtungen aus. Auch Familie Lorenz, die bei ihren bisherigen Aufenthalten in der Kurstadt an der Therme stand, bleibt „an dem schönen Platz hier“. Und wie Thomas Schreiner schätzt, wird der Trend zum „Erlebnis Campen“ auch noch die nächsten Jahre anhalten.

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