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EVA Dettendorf: Nachsorge kostet viele weitere Millionen

Betriebsleiter Jochen Zellner stellt dem Kreistag nötige Maßnahmen an der Deponie vor – Gefahr durch Gas - 11.12.2018 17:51 Uhr

Blick auf einen der Bereiche, in denen Müll gelagert wird. © Archiv-Foto: Rainer Fritsch


Zunächst legte Betriebsleiter Florian Heiselbetz seinen Bericht zur Biogasanlage vor. Der Bau wurde im Juni abgeschlossen, seit September ist die Anlage in Betrieb. Bei der Abnahme seien aber "einige Punkte aufgekommen", die beleuchtet werden müssen. Manches sei technisch auf dem Stand von 2006. "Da müssen wir nachbessern." Denn die Anlage soll zukünftig sogenannte Regelenergie bereitstellen, also die Stromproduktion an den tatsächlichen, aktuellen Bedarf anpassen können.

Der Einbau eines zweiten Blockheizkraftwerks und weiterer Gasspeicher soll dies möglich machen. Vergütet wird dies durch die Flex-Prämie, ein Zuschussprogramm, das eine wesentliche Einnahmequelle der Anlage werden soll. Von bis zu 29 000 Euro an Mehreinnahmen pro Jahr sprach Heiselbetz auf Nachfrage von Hildegard Schlez. Bis zu 39 000 Euro mehr könne man pro Jahr durch den Verkauf des Stroms verdienen, da man nun flexibler auf die stark schwankenden Preise reagieren kann.

Auf weitere Investitionen bereitete Heiselbetz’ Kollege Jochen Zellner die Ausschussmitglieder vor. Allein über drei Millionen Euro sollen für die endgültige Abdichtung zweier Bauabschnitte der Deponie anfallen, die zwischen 1989 und 2000 befüllt wurden. Seit 18 Jahren läuft die Entgasung und Sickerwasserrückführung. Nun stehe die "Überführung in die Nachsorgephase an", erklärte Zellner. Dazu muss die bisherige Abdichtung in Teilen zurückgebaut werden, die beiden Hügel sind bis zu 30 Meter hoch. Dann muss das Material untersucht und danach kann die endgültige Abdichtung geplant werden. Wohl erst 2022 soll Baubeginn sein.

Früher muss die Sanierung des alten Eingangsbereichs der EVA erfolgen. Dort tritt seit Jahren Deponiegas – ein Gemisch aus Methan und Kohlendioxid – in erhöhtem Maße aus. 2017 habe die Gewerbeaufsicht angeordnet, dass Maßnahmen zu ergreifen sind, sagte Zellner. Ende November wurden Risse im Asphalt verfugt, im Winter soll ein Labor verlagert werden. Doch das reiche nicht.

Ein Planungsbüro wurde beauftragt, Wege aufzuzeigen, wie der Landkreis Herr des Problems werden kann. Bei Variante eins mit einer Kostenschätzung von 87 000 Euro würde der Bereich an die bestehende Aktiventgasung angebunden, das heißt, das Deponiegas würde abgesaugt werden. Dadurch seien aber vermehrt Setzungen im Material zu erwarten und langfristig werde der gasbildende Müll nicht vollständig abgebaut werden.

Nicht wirtschaftlich

Variante zwei für rund 144 000 Euro setzt auf eine Passiventgasung durch das Einlassen von mehreren Oxidationsschächten in der Fläche. "Das System ist so passiv, das wird wohl nicht so funktionieren", sagte Zellner. Bei fast 800 000 Euro wäre man bei Variante drei: Bodenaushub und -austausch. Die Variante ist aus Sicht von Zellner nicht wirtschaftlich, zumal die zutage tretenden mineralischen Abfälle auch noch entsorgt werden müssten. Der Gutachter sehe das freilich ganz anders, da nur so die Risiken minimiert werden könnten.

Zellner schlug "eine sukzessive Sanierung" vor, da auch nicht ganz klar sei, welche Abfälle in den betroffenen Abschnitten eingelagert sind. Es sei möglicherweise "verunreinigter Bauschutt". Variante eins habe aufgrund der Einfachheit des Verfahrens "einen gewissen Charme", allerdings seien die Unterhaltskosten auf 20 bis 30 Jahre schlecht zu kalkulieren.

Festlegen wollte sich Zellner hier nicht, zumal ein drittes Thema mit hineinspiele: Er schlug nämlich auch vor, Investitionen zur Nutzung von Schwachgas zu tätigen und dazu einen Antrag auf eine 50-prozentige Förderung des Projekts zu stellen. Schwachgas ist Deponiegas mit reduziertem Methangehalt, das noch zur Wärmegewinnung genutzt werden kann. Anschaffung und Installation der nötigen Technik sowie Tiefbaumaßnahmen – genau beim alten Eingangsbereich – belaufen sich laut Kostenschätzung auf 335 475 Euro. Die Chancen zur Bewilligung des Zuschusses schätzte Zellner nur auf "fifty fifty". Da die Investition aber sowieso bald nötig ist, sollte man es probieren.

Alle drei Projekte sind Teil der sogenannten Nachsorge von Mülldeponien. Dafür hat der Landkreis eine Sonderrücklage zu führen, die sich dieses Jahr auf nahezu 20,5 Millionen Euro belief. Das Geld taucht im Kreishaushalt als "innere Darlehen" und als Ausgleich des Minus der Kreiskliniken auf, erklärte Kreiskämmerin Silvia Ripka.

Für die Schwachgasnutzung und die Sanierung des alten Eingangsbereiches wurden im Teilhaushalt Abfallwirtschaft 1,3 Millionen Euro für 2019 zur Verfügung gestellt. Das Geld muss aus der Rücklage entnommen werden und darf nicht über Gebühren finanziert werden. Die Abdichtung der beiden Deponieabschnitte taucht noch nicht im Haushalt auf.

BASTIAN LAUER

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