Ein Interview zum Abschied

Ex-Kurdirektor Bernasco spricht über Franken Therme und den Bürgermeister

7.9.2021, 06:00 Uhr
Kurdirektor im Kurpark: Mike Bernasco vor seinem Abschied.
 

Kurdirektor im Kurpark: Mike Bernasco vor seinem Abschied.   © Stefan Blank, NN

Mike Bernasco sitzt auf einer Bank im Kurpark, die Ideen sprudeln aus im heraus. Neugestaltung des Bahnhofes, Weiterentwicklung der Therme und des Tourismus-Sektors, wasserstoffbetriebener Stadtbus. „Bad Windsheim hat so unglaublich viel Potenzial“, sagt der 47-Jährige, über den Ex-Bürgermeister Bernhard Kisch sagt, dass er „optimal gewesen wäre, um Bad Windsheim nicht nur touristisch auf ein neues Level hieven zu können“. Nach dem Gespräch mit der Windsheimer Zeitung steigt Bernasco in seinen Wagen, fährt ins Sauerland, in seinen neuen Wohnort. Der Kurdirektor verlässt die Kurstadt. Bernasco wollte eigentlich länger bleiben, hatte noch viel vor mit Bad Windsheim, zum Abschied spricht er über schöne Momente, den Badetempel, das Verhältnis zu Bürgermeister Jürgen Heckel und seine Wünsche.

Herr Bernasco, knapp drei Jahre Kurdirektor in Bad Windsheim, was wird Ihnen am meisten fehlen?
Mike Bernasco: Die Menschen hier.

Als Sie im Frühjahr 2018 das erste Mal in der Kurstadt waren, wie haben Sie die Stadt damals erlebt?
Mike Bernasco: Als eine wahnsinnig schöne, interessante, sehr gepflegte Stadt. Sie wirkte aber irgendwie ein bisschen wie in einem Schlaf, viele Dinge warteten quasi darauf, neu- und weiterentwickelt zu werden. Ich war dann sehr überrascht, dass viele Menschen gar nicht erkennen, wie schön es hier ist. Vielleicht ist das die fränkische Art, aber die Einheimischen nehmen das, was die Stadt alles zu bieten hat, nicht immer so wahr wie die Gäste.

Und wie sehen Sie Bad Windsheim jetzt? Was fehlt der Kurstadt noch?
Mike Bernasco: Ich sehe immer noch eine Stadt mit unglaublichem Potenzial und wenn man genauer hinsieht, ist noch viel mehr Potenzial da. Es gibt so viele Möglichkeiten, wenn alle an einem Strang ziehen. Was fehlt? Naja, die Einheimischen könnten ein Stück weit stolz auf die Stadt sein und das auch nach außen tragen, Repräsentanten ihrer Stadt sein. Es gibt wenige Städte, die so viel zu bieten haben.

Die Franken-Therme hat sich deutlich verändert unter Ihrer Führung, die Erweiterung wurde umgesetzt, das Highlight der neuen Badehalle soll bald präsentiert werden und zahlreiche Projekte sind in der Schublade. Wo steht die Therme aus Ihrer Sicht im bundesweiten Markt?
Mike Bernasco: Die Franken-Therme ist eine der schönsten in Deutschland, definitiv in den Top-Ten. Es geht immer weiter aufwärts und sie entwickelt sich genau in die richtige Richtung. Für den Landkreis ist es ein Leuchtturm, vor allem auch, was Gäste aus dem angrenzenden Baden-Württemberg betrifft.

Die KKT neu aufzustellen war ein extrem dickes Brett, wie schätzen Sie deren Lage heute ein?
Mike Bernasco: Die Voraussetzungen sind gut, die Weichen sind gestellt. Es gilt nun, weitere Angebote zu etablieren und stetig etwas Neues anzubieten. Gerade in Bezug auf das Thema Kuren – sehen Sie die gesetzlichen Veränderungen – ist viel möglich. Wichtig ist dabei, den Bereich Gesundheit ganzheitlich zu sehen, es ist die wichtigste Säule für Bad Windsheim und ein Megatrend. Selbst Gesunde beschäftigen sich sehr viel mehr mit der eigenen Gesundheit als früher.

Blicken wir auf die drei Jahre zurück. Was hat Sie am meisten geärgert?
Mike Bernasco: Dass es oft nicht so zügig voranging, wie ich es mir gewünscht hätte. Vor allem in den letzten eineinhalb Jahren, vor allem wegen Corona.

Was hätten Sie im Nachgang anders gemacht?
Mike Bernasco: (Bernasco überlegt lange) Den einen oder anderen Ratschlag hätte ich vielleicht mehr mit einbeziehen können, aber an Entscheidungen nichts.

Was war Ihr schönster Moment als Kurdirektor?
Mike Bernasco: Es gab wirklich so viele. Was ich aber nicht vergessen werde, war einer der ersten Tage, Kanapee-Street, Bürgermeister Bernhard Kisch war mit mir auf dem Kirchturm und hat die Stadt gezeigt. Und die Weihnachtsfeiern hier waren auch immer sehr schön.

Die Therme erlebt gerade einen Besucher-Boom mit dem besten Juli der Geschichte und einem August, der einen neuen Allzeit-Gästerekord bescherte. Was muss in den nächsten Jahren passieren, damit sich der Badetempel weiter prächtig entwickeln kann?
Mike Bernasco: Alle Bereiche müssen mitwachsen, das ist wichtig. Man darf nicht aufhören, zu planen. Stillstand wäre Rückschritt. Jeder Mensch, der in die Therme kommt, ist eine Chance, da muss alles passen, dass ein guter Eindruck entsteht, dann geht er auch in die Altstadt, kommt wieder. Eingangsbereich und Gastro-Erweiterung müssten die nächsten Schritte sein.

Welches Projekt hätten Sie gerne noch selbst vorangebracht und durchgezogen?
Mike Bernasco: Ich hätte gerne mit der Stadt zusammen einen Stadtbus entwickelt. Einen mit Wasserstoffantrieb als innovatives, klimafreundliches Modell mit Vorbildfunktion.

Kommen wir noch einmal zu Bürgermeister Jürgen Heckel. Ihr Verhältnis soll nicht besonders gut gewesen sein, auch wenn er Sie bei der Verabschiedung sehr gelobt hat. War es immer einfach zwischen Ihnen? Oder anders: Wie war die Zusammenarbeit wirklich?
Mike Bernasco: (Bernasco schnauft durch) Es hat viele Gespräche gegeben.

Was war Ihre schwierigste Entscheidung in den drei Jahren?
Mike Bernasco: Das Themenfeld Facharztpraxis an der Therme.

Jetzt noch drei Fragen im Schnelldurchgang:

Bier oder Wein?
Mike Bernasco: Bier.
Schäufele oder Bratwurst?
Mike Bernasco: Schäufele.
Salzsee oder neues Zwölfprozent-Becken?
Mike Bernasco: Salzsee.

Wie geht es persönlich mit Ihnen weiter?
Mike Bernasco: Ich werde mir erst einmal Zeit für mein Privatleben nehmen, das ist in all den Jahren zu kurz gekommen. Ich werde durchatmen und mir dann eine neue Herausforderung aussuchen.

Sie haben gesagt, sie wollen als Gast immer mal wieder in Bad Windsheim vorbeikommen. Wenn Sie 2027 zur Landesgartenschau anreisen, was würden Sie sich für die Kurstadt wünschen?
Mike Bernasco: Ich würde mir wünschen, dass die Stadt ein schöneres Entree hat, vor allem für Bahnreisende, denn das aktuelle wird dem einzigen Heilbad Mittelfrankens nicht gerecht. Und dann würde ich mich freuen, wenn ich auf viele lebensfrohe, begeisterte Menschen treffen würde, die sehen, was man in Bad Windsheim alles erleben kann.

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