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Explosiv: Ein Vorhaben mit Sprengkraft

Gemeinderäte und Bürger wehren sich gegen Erweiterung des Steinbruchs. - 15.10.2020 06:00 Uhr

Das Kalkstein-Abbaugebiet südlich von Mörlbach: Die Schilder warnen vor den Sprengungen, die nächste soll heute stattfinden.

© Archiv-Foto: Bastian Lauer


In Mörlbach ist was im Busch, respektive im Boden. Deshalb kamen am Dienstag Vertreter der Schotterwerk Burgbernheim GmbH, Gallmersgartener Gemeinderäte und Bürger zusammen, um Klartext zu reden. Das Unternehmen möchte seine Abbaufläche erweitern, was auf Widerstand der Anwohner und des Gemeinderats stößt. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Zündstoff drin.

Das Unternehmen baut seit 1978 Kalkstein für Schotterprodukte südlich von Mörlbach ab und führt Sprengungen durch, um Gestein freizulegen. Die Firma plante nun, das Abbaugebiet in einem ersten Schritt nach Westen hin zu erweitern. Stößt man da in zwölf bis 15 Jahren an die Grenze – die Gemeindeverbindungsstraße von Mörlbach nach Habelsee –, würde man nach Süden abbiegen und in Richtung Habelsee (Gemeinde Ohrenbach) weiterwandern, erläuterte Thomas Froschauer die Firmenpläne.

Das Schotterwerk bewegt sich damit innerhalb eines Vorranggebiets für Rohstoffgewinnung, das 2014 in den Regionalplan aufgenommen worden war. Mit Vorranggebieten sind Ziele verknüpft, hier der Abbau von Muschelkalk, mit denen alle anderen raumplanerischen Überlegungen – beispielsweise Bauvorhaben – vereinbar sein müssen.

Weitere übergeordnete Rechte ergeben sich dadurch aber nicht, wie die Gemeinderäte versuchten deutlich zu machen, um ihren Beschluss zu erläutern: Der Rat hatte kürzlich in nicht öffentlicher Sitzung Anträge von Schotterwerk zu der Erweiterung einstimmig abgelehnt, sagte Bürgermeister Michael Schlehlein. Die Gemeinde hätte einen Feldweg an die Firma abtreten sollen, was als Begründung hergenommen wurde, um das Projekt ins Wackeln zu bringen.

Belastungen für die Menschen

Im Kern geht es nicht um Eigentum der Gemeinde, sondern um die Belastungen für den Menschen. Die Sprengungen sind seit jeher in Mörlbach in variierender Stärke zu spüren und hören. Anwesende sprachen von zitternden Gläsern und regelmäßigen Schreckmomenten, wenn es wieder einmal knallt. Eine Anwohnerin nannte Risse in ihren Gebäuden.

Nicht von ungefähr war "für den harten Part der ganzen Sache" Peter Marek da, der die Sprengungen plant und überwacht. Er versuchte darzulegen, dass alles getan werde, um die Belastungen gering zu halten. Kürzlich habe man gewisse Dinge angepasst, nachdem er selbst vor Ort in Mörlbach die Auswirkungen gespürt habe. Die Vorgaben der DIN 4150, welche die maximal zumutbaren Schwingungen für Gebäude regelt, würde man einhalten, die Schwellenwerte würden nur zu etwa 30 Prozent ausgereizt, betonte Marek.

Jene DIN 4150 würde auch Grenzwerte für die Belastung des Menschen regeln, wandte Gemeinderat Helmut Baumann ein. "Da liegen wir deutlich drüber." Warum spreche Marek nicht auch darüber? Einer der Vorwürfe an die Firma. Marek: Der von Baumann zitierte Abschnitt der Norm sei nicht Bestandteil des Bescheides, den das Landratsamt ausstellt und wäre damit unerheblich.

Drohkulisse aufgebaut

Weiterer Vorwurf aus der Runde: Nun, da das Unternehmen etwas von der Bürgerschaft will, hätte man die Kraft der Sprengungen angepasst, warum nicht schon vor 20 Jahren? Der Tenor: Die Firma denke vor allem wirtschaftlich, man könne ihr nicht vertrauen und müsse eher damit rechnen, dass in Zukunft die Erschütterungen zunehmen.

Drittens: Die Firma würde eine "Drohkulisse" aufbauen, was schlechter Stil sei. Denn wie Froschauer eingangs auch erläutert hatte, gebe es einen Plan B, für den der Gemeindeweg nicht nötig ist: Man könnte auch nach Norden hin erweitern, was ebenfalls durch das Vorranggebiet abgedeckt wäre. Damit wären aber zwei oder drei sogenannte Neuaufschlüsse – sehr schwere Sprengungen – nötig und man würde sogar näher an Mörlbach heranrücken, was die Firma eigentlich gar nicht will, wie Froschauer betonte. "Unser Anliegen ist immer, Mörlbach so wenig wie möglich zu belasten." Aufgrund der Gemeinderatsbeschlüsse bliebe wohl nichts anderes übrig, die Erweiterung des Abbaugebietes solle auf jeden Fall kommen.

Schmaler Grad

Bemerkenswert: Nach 70 Minuten packten die Vertreter der Firma ihre Sachen, Bürger und Kommunalpolitiker redeten nun allein. Hier gab es zunächst Kritik für das Vorgehen des Rates, nicht öffentlich zu tagen. Doch letztlich war man auf einer Linie. In den sehr offen geführten Gesprächen wurde nämlich deutlich: Noch besitzt die Firma wohl kaum eines der Grundstücke, um nach Norden hin erweitern zu können. So ist klar, dass die Firma keine Handhabe hat, solange die Gemeinde ihren Weg nicht hergibt und die Mörlbacher ihre Grundstücke nicht verkaufen. "Druck erzeugt Gegendruck", sagte ein Bürger. Eine Bürgerin warnte aber, dass es ein schmaler Grat ist: "Wenn einer umfällt, bricht das ganze Kartenhaus zusammen."

BASTIAN LAUER

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