Drohnenflug

Fliegendes Auge am Kirchturm

16.12.2021, 11:00 Uhr
Mit dieser Drohne wurde der Kirchturm von St. Kilian abgeflogen, um die Schäden aufzunehmen.

Mit dieser Drohne wurde der Kirchturm von St. Kilian abgeflogen, um die Schäden aufzunehmen. © Bastian Lauer, NN

Mehrere Dutzend Pflastersteine warten noch darauf, im Osten des Kirchenbucks an der Stadtkirche St. Kilian eingesetzt zu werden, „ansonsten ist bis auf die Treppe alles fertig. Die leitende Architektin hat uns gesagt, bis Weihnachten ist es soweit“. Dekanin Karin Hüttel ist durchaus froh, dass nach der Seekapellen-Sanierung dann Großprojekt Nummer zwei der Evangelischen Kirchengemeinde nahezu erledigt ist – wenn da nicht noch die große Unsicherheit am Turm wäre. „Da warten wir jetzt auf die Schadenskartierung“, sagt Hüttel. Bisher könne die Kostenschätzung von einer Million Euro „wohl grob eingehalten werden“.

Rückblick: Dass auch am Turm der Zahn der Zeit genagt hat, war naheliegend. Durch die Höhe ist es aber naturgemäß kompliziert, das Gemäuer von außen im Detail zu untersuchen. Eigentlich blieb in solchen Fällen bisher nur, den Turm komplett einzurüsten und mit geschultem Auge zu untersuchen. Die Firma Cloud Vermessung aus Bad Windsheim bot der Kirche aber ein neues Verfahren an: den Einsatz einer Drohne, die hochauflösende Aufnahmen liefert.

Analyse mit Punktwolken

Es habe gerade einmal eineinhalb Stunden gedauert, mit dem 40 000 Euro teuren und 7,1 Kilogramm schweren Fluggerät den Turm abzufliegen, erklärt Ingenieurin Saskia Müller. Die Drohne kann neben Fotos auch komplette 3D-Modelle des abgeflogenen Bereichs liefern, die mittels sogenannter Punktwolken erstellt werden. Mit den Daten können die Schäden ganz bequem vom Büro aus untersucht und die nötigen Maßnahmen bestimmt werden. Früher hätte der Restaurator schon zur Schadensaufnahme ein Gerüst gebraucht, das dann wochenlang ungenutzt herumstand, jetzt sei das erst im zweiten Schritt – für die Ausbesserung der Schäden – nötig, betont Müller.

Insgesamt dauert die Maßnahme an der nach dem Stadtbrand 1730 wiedererrichteten Stadtkirche nun rund dreieinhalb Jahre. Strebepfeiler an der Nordseite sind stabilisiert worden, Restauratoren haben Schäden an den Natursteinen der Nordfassade ausgebessert. „Das hat deutlich länger gedauert als erwartet“, berichtet Karin Hüttel. Dann kam im vergangenen Winter der Frost und erst im Mai konnte das Projekt weitergeführt werden. Das Gerüst musste entsprechend länger stehenbleiben, Mehrkosten inklusive.

Am Turm waren immer wieder kleine Steinbrocken abgestürzt, „die schlimmsten Abbrüche sind schon repariert worden“, sagt Hüttel. Nun sollen die Erkenntnisse der „Stein-für-Stein-Analyse“ mittels Drohnen-Aufnahmen und die der Restauratoren vom Gerüst aus zusammengeführt werden, um eine Kostenschätzung zu erhalten. Und wenn die Treppe neben dem Kriegerdenkmal Roland wiederhergestellt ist, kann der Kirchenbuck wieder begangen und nächstes Jahr auch wieder angesät und gestaltet werden.
STEFAN BLANK, BASTIAN LAUER

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