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Frauenfußball: Spielerinnen müssen sich nicht verstecken

Zur WM in Frankreich plaudert Fürths Juniorinnen-Trainer Peter Münz aus dem Nähkästchen - 24.06.2019 09:44 Uhr

Seit dieser Saison spielt das von Peter Münz trainierte U17-Team in der Juniorinnen-Bundesliga-Süd. Foto: Andreas Goldmann © Foto: Andreas Goldmann


Auch wenn sein Team zur Vorbereitung gegen eine Jungen-Mannschaft antreten muss, gibt es den ein oder anderen Spruch. Häufig genug allerdings nur im Vorfeld, bei Niederlagen flossen dagegen sogar schon Tränen. Bei den männlichen Spielern.

Wenn es um angeblich langsamen Frauen-Fußball geht oder sogar darum, dass Frauen-Fußball kein richtiger Sport ist, hört bei den U17-Sportlerinnen der Spaß auf, "die ärgern sich da extrem", erzählt Peter Münz. Dabei hält der ursprünglich aus Egenhausen stammende Trainer Fußballerinnen sogar für teils technisch und taktisch versierter als ihre männlichen Kollegen. Der Eindruck im Fernsehen sei oft ein falscher, häufig wirke Frauen-Fußball bei den Übertragungen tatsächlich langsam, findet er, auch aktuell bei der Weltmeisterschaft. Eine Schwachstelle will Münz dagegen nicht abstreiten, "athletisch kommen sie nicht ran".

Mit leichtem Neid schauen seine Spielerinnen in Richtung Skandinavien, dort sei die Einstellung zum Frauen-Fußball "definitiv eine andere", auch in finanzieller Hinsicht. Einen anderen Stellenwert genießen außerdem die US-amerikanischen Fußballfrauen, die haben sich immerhin bereits dreimal den Weltmeistertitel erspielt. Ganz im Gegensatz zum Basketball sei der Frauen-Fußball dort sogar höher angesiedelt als der Männer-Fußball, sagt Münz.

In Spanien schafften es die Frauen des FC Barcelona in das Champions-League-Finale, eigens wurde dafür sogar der Anpfiff der spanischen Herrenliga nach hinten verschoben, um Fußballfans den ungehinderten Fernsehgenuss zu ermöglichen. Von Einschaltquoten wie bei der Herren-Weltmeisterschaft kann die Frauen-Nationalmannschaft zwar nur träumen, ein kleines Fußballmärchen gab es aber auch bei den Frauen, als die Weltmeisterschaft vor acht Jahren in Deutschland ausgetragen wurde, urteilt Peter Münz. Damals gab es bei den Fußballvereinen einen "kleinen Boom" in Sachen Neueintritte, wovon die Spielvereinigung Greuther Fürth aktuell profitiert. Deutschlands Ausnahmespielerin Birgit Prinz war damals noch im Kader, als Trainerin wirkte Silvia Neid, die das deutsche Frauenteam einmal zum WM-Titel führte und an acht EM-Titeln als Spielerin oder im Trainerstab beteiligt war. Als Vorbilder für seine Spielerinnen taugen die beiden schon nicht mehr, wie Münz weiß, da sind es eher Namen wie Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg oder Dzsenifer Marozsan von Olympique Lyon, die ziehen.

Am heutigen Samstag müssen die beiden mit ihrer Mannschaft gegen Nigeria antreten, dank Losglück ein machbarer Gegner, findet Peter Münz. Wenn das deutsche Team im weiteren Turnierverlauf nicht gleich auf die Top-Favoriten Amerika und Frankreich trifft, könnte das Halbfinale, eventuell sogar das Finale drin sein, wagt der Fürther Trainer eine Prognose. 

CHRISTINE BERGER

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