Premiere im Freilandmuseum

Freilandtheater: Alles bleibt anders

19.7.2021, 08:56 Uhr
Nur heimlich dürfen die beiden Mädchen ihre Oma, eine ehemalige Anhängerin der Hamburger Hausbesetzer-Szene, besuchen

Nur heimlich dürfen die beiden Mädchen ihre Oma, eine ehemalige Anhängerin der Hamburger Hausbesetzer-Szene, besuchen © Elke Walter, NN

Lange war nicht klar, wann und ob das Sommerwandeltheater überhaupt über die Bühne gehen könne. Pandemie und Hochwasser hatten Anteil daran. Aber Laubert und sein Team haben standgehalten und die Produktion auf den Weg gebracht. Weitgehend gnädig war das Wetter am Premierenabend. Mit einer kurzen Regenunterbrechung mussten sich die Besuchergruppen allerdings doch abfinden. Dann aber ging es weiter. Wegen der Überflutungen im Museumsgelände hatte Laubert einige Szenen an andere Spielorte verlegen müssen, aber Flexibilität gehört seit jeher zum Konzept des Theaters.

Laubert, der die Szenen mit Levent Özdil und Rolf Kindler inszeniert hat, wandert thematisch und zeitlich durch die Jahrzehnte, greift eher zufällig Lebensmomente heraus. Einen roten Faden gibt es dabei nicht wirklich. Die einzelnen Episoden hängen nicht direkt zusammen, kreisen aber um die Gemeinde Schaffenrath.

Banküberfall und unerwartete Vaterfreuden

Etwa die Planung eines Banküberfalls, ein geisterhafter Autounfall, bei dem ein junger Radfahrer unter die Räder kommt oder auch eine jugendliche Liebelei, die sich bei einem Ausflug als recht unklar erweisen sollte. Aber da sind auch die alten Freunde Albert und Ludwig, die so ihre Probleme haben, die Herzdame zu erobern, zwischen pedantischer Planung und auf sich zukommen lassen. Aber es scheint, als ob die beiden genug von der holden Weiblichkeit hätten. Unerwarteten Vaterfreuden dagegen sieht Franz entgegen, 16 Jahre ist das „Neugeborene“, er will es kennenlernen. Laubert spannt den Zeitbogen von 1947 bis ins Heute. Die beiden Schwestern Claudia und Andrea dürfen ihre Oma nur heimlich besuchen. Vielleicht hat deren Vergangenheit in der Hausbesetzer-Szene damit zu tun?

Inhaltliche Tiefe steht nicht zwingend im Vordergrund, ernstere Themen, wie etwa beginnende Demenz und der damit verbundenen Hoffnungslosigkeit, werden gestreift. Was die Wirkung der Szenen ausmacht, ist die Verortung im Museumsgelände. Die echte Kulisse aus fränkischen Häuschen, der Landschaft sowie dem Wettergeschehen hat etwas Magisches, entwickelt einen ganz eigenen Charme. Dazu trägt durchaus auch der Sound bei, den Horst Faigle zu einzelnen Szenen gemacht hat. Die Kostüme hat Marette Oppenberg mit Gespür für Zeitkolorit ausgewählt und angefertigt. Wetterbedingt, waren sie unter den, obwohl durchsichtigen Regencapes leider oft nur zu erahnen.

Ein echtes Erlebnis

Anders als beim Vorbild Winterwandeltheater, bei dem die einzelnen Bilder zu einer Geschichte verwoben werden, bleiben die einzelnen Kapitel der Ortsgeschichte bei der Sommerversion, weitgehend voneinander unabhängig, könnten durchaus auch ausgetauscht werden. Ein Theaterbesuch im Museumsgelände ist dennoch ein Erlebnis, unterhaltsam und ein wenig abenteuerlich.

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