Donnerstag, 24.10.2019

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Friedensweg: Zu modern, zu hoch für altes Quartier

Pläne der Baugenossenschaft für Wohnhaus im Friedensweg finden keine Zustimmung. - 20.09.2019 15:30 Uhr

Das Gebäude links mit den Anwesen Friedensweg 6 und 8 soll abgerissen und durch einen moderneren Neubau ersetzt werden. © Foto: Bastian Lauer


Kurzfristig war die Voranfrage auf die Tagesordnung der Ausschusssitzung am Dienstag gesetzt worden. Stadtbaumeister Ludwig Knoblach legte Pläne vor, die nicht nur den Ersatzbau veranschaulichten, sondern gleich das ganze Quartier überplant zeigten. Er betonte eingangs auch, dass man sich hier über alle Gebäude in dieser Siedlung unterhalten müsste: Denn der Baugenossenschaft gehören im Friedensweg insgesamt sechs praktisch baugleiche Gebäude, die in den 1950er-Jahren errichtet wurden, dazu eines in der anliegenden Straße Am Krautfeld.

Laut den Plänen soll aus dem bisher dreigeschossigen Gebäude ein optisch deutlich modernerer, viergeschossiger Bau werden, wobei die Zahl der Wohnungen – sechs pro Anwesen – gleich bliebe. Die Firsthöhe des Hauses würde sich von 12,40 auf 13,80 Meter erhöhen, das bis dato recht steile Dach würde deutlich flacher, sodass es im Neubau keine Dachgeschosswohnungen mehr gäbe. Die Außenwände wären höher, weshalb das Gebäude deutlich größer wirken würde – woran sich einige Ausschussmitglieder störten.

Aus Sicht von Ronald Reichenberg (SPD) passt der geplante Baukörper nicht in die Siedlung hinein. Wenn, dann müssten alle Gebäude – wie bisher auch – gleich aussehen, was aber so nicht mehr gegeben sei. Werner Spieler (FWG) sah die Erhöhung der Zahl der Geschosse kritisch: "Ich halte das Gebäude übertrieben für zu hoch." Auch für Jürgen Heckel (WiR) wäre dieser Neubau eine "riesige Veränderung" in dem Quartier. Vorgaben zur Bauhöhe gebe es nicht, erklärte Knoblach auf Nachfrage von Eberhard Gurrath (FWG): Es gibt keinen Bebauungsplan für das Gebiet. Reichenberg sah sich letztlich "überfordert", eine Entscheidung zu treffen, und stellte den Antrag, das Thema in den Stadtrat zu schieben. Einstimmig beschloss die Runde, das zu tun.

Die Entwicklung stellt Sabine Esteban, Geschäftsführerin der Baugenossenschaft, nicht zufrieden. "Das Gebäude hätte eigentlich saniert werden sollen", sagte sie, doch die Mietrechtsreform habe dazu geführt, dass aktuell ein Neubau wirtschaftlicher sei. Dass man dann moderner und heutigen Ansprüchen entsprechend – Stichwort: größere Wohnungen – baut, sei für sie dann nur logisch.

Esteban betonte außerdem, dass es eigentlich nur Überlegungen für dieses eine der insgesamt sieben Häuser gegeben habe. Die Überplanung des Quartiers, die Knoblach zeigte, habe es nur gegeben, "weil das von der Stadtverwaltung gewünscht war". Eines der anderen Gebäude war erst in jüngerer Vergangenheit saniert worden. "Das alles neu zu bauen, ist gar nicht in unserem Sinne." Die Quartiers-Überplanung sei "auf mindestens 20 Jahre" angelegt, für die kommenden fünf Jahre seien keine weiteren Investitionen im Friedensweg geplant, sagte Esteban.

In Rücksprache mit der Stadtverwaltung werde man nun einen neuen Gebäudeplan entwickeln: wieder dreigeschossig, dafür mit Dachgeschosswohnungen, um die Traufhöhe zu reduzieren. Das soll die Grundlage für weitere Diskussionen im Stadtrat sein. Allerdings nicht in der Sitzung am 26. September, sondern erst Ende Oktober. Esteban: "Wir wollten schnell wieder Wohnraum schaffen. Jetzt werden wir hier aufgehalten – nicht befriedigend."

BASTIAN LAUER

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