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Mittwoch, 23.10.2019

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Frühstückstreff rund um Alkohol und Drogen

Suchtberatungsstelle macht neues, niederschwelliges Angebot: am letzten Mittwoch im Monat - 18.03.2019 18:00 Uhr

Alkohol, Medienkonsum, Süßigkeiten und Pillen: Süchte gibt es einige. Hilfe bietet die Diakonie an. © Fotos: Claudia Lehner


Sabrina Emmert in der Küche der Suchtberatungsstelle: Sie freut sich auf die Gäste beim offenen Frühstückstreff.


Weiterhin gibt es die klassische Beratung, für die ein Termin ausgemacht wird und die dann in der Hauptstelle im Bad Windsheimer Lutherhaus, in einer der Außenstellen in Neustadt, Uffenheim oder Scheinfeld, aber auch bei den Betroffenen daheim stattfindet. Wenn jemand kein Auto oder eine andere Möglichkeit hat, zu den Beratern zu kommen, dann fahren Sabrina Emmert oder Udo Asholz, die beide auch als Streetworker arbeiten, zu den Kunden. Sich in einem Café zu treffen, "inkognito", auch das sei möglich, sagt Emmert.

Die aus Uffenheim stammende Diplom-Sozialpädagogin arbeitet seit 2010 in der Suchtberatung und seit 2013 in Bad Windsheim. Der Frühstückstreff findet in der Küche der Beratungsstelle statt, von 9.30 bis 11.30 Uhr. Das nächste Mal am Mittwoch, 27. März. Ein Termin muss nicht vereinbart werden und ob nun jemand um 9.30 Uhr oder um 10.30 Uhr komme, sei ganz egal. Das Essen wird von einer Bäckerei gespendet. Da es Kunden gibt, bei denen es am Ende des Monats mit dem Geld knapp sei, habe man bewusst den Termin so gelegt, erklärt Emmert.

"Man kann auch Small Talk machen", erklärt die junge Frau, oder sich einfach die Berater anschauen, sich mit Menschen in ähnlichen Situationen austauschen. "Keiner muss über seine Probleme reden", betont sie. Vielleicht dient der Frühstückstreff aber auch als Einstieg. Denn die Suchtberatung bietet noch mehr an: zwei Kontakt- und Informationsgruppen (dienstags, 19 bis 20.30 Uhr in Bad Windsheim, sowie mittwochs in Neustadt, 18.30 bis 20 Uhr), angeleitete Selbsthilfegruppen für Menschen, die bereits abstinent leben oder das wollen, sowie eine Freizeitgruppe mit monatlichen Ausflügen.

Das unverbindliche Angebot soll die Hemmschwelle senken. Die Erkenntnis, dass es doch nicht so schlimm war, kommt denn auch manchem, der die Beratung aufsucht. "Wäre ich nur früher gekommen." Emmert hat diesen Satz schon des Öfteren gehört. Wer sich beraten lässt, kann auf die Verschwiegenheit der vier Sozialpädagogen und der Leitung der Beratungsstelle, Yvonne Munroe, vertrauen. "Wir dürfen nichts melden", erklärt Emmert, selbst, wenn einer deale. Einzige Ausnahme sei, wenn jemand ganz konkret einen Suizid oder Mord ankündige.

Ganz unterschiedliche Menschen nehmen das Angebot der Suchtberatung in Anspruch: Von der Hausfrau in gesicherten sozialen Verhältnissen, die zu viel trinkt, bis zu Menschen, bei denen ihre Sucht schon zu einer Vielzahl von Problemen geführt hat: zerbrochenen Beziehungen, Verlust des Arbeitsplatzes und Schulden. Dann helfen die Berater auch dabei weiter oder vermitteln passende Ansprechpartner. "Wir sind gut vernetzt", sagt Emmert. Teilweise fahre man auch mit Kunden zu Ämtern oder helfe mit Lebensmitteln aus.

Am häufigsten haben die 400 bis 500 Patienten, die im Jahr von der Suchtberatungsstelle betreut werden, mit Alkohol zu tun. 60,5 Prozent nennen ihn als Hauptproblematik, 74 Prozent als eines ihrer Probleme. An zweiter bis vierter Stelle stehen bei Hauptproblematiken Cannabis (11,8 Prozent), Stimulanzien wie Amphetamine (11,5) und Opioide, also Heroin, aber vor allem Ersatzstoffe wie Methadon (8,8). Glücksspiel wird mit 4,4 Prozent angegeben, Sedativa sowie Tabak mit jeweils 0,3 Prozent. Gefragt nach allen Suchtstoffen, die sie konsumieren, nennen 58 Prozent das Rauchen. 29,8 Prozent konsumieren Cannabis, 21,9 Prozent Stimulanzien. Die Probleme mit Alkohol hätten in den vergangenen Jahren leicht abgenommen, sagt Munroe, dafür sei es bei Drogen etwas mehr geworden. Probleme mit Glücksspiel kämen aktuell häufiger vor, ergänzt Emmert.

Es lohnt sich, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch wer sich nicht sicher ist, ob er bereits ein Suchtproblem hat, sei es mit Alkohol oder beim Essen, könne sich beraten lassen. Angehörigen steht es ebenso offen, sich Rat zu holen. Manchmal lassen sich auch Arbeitgeber beraten, wie sie mit einer Situation umgehen sollen. Für manche wird das Angebot jedoch verpflichtend, wie nach einem Gerichtstermin oder wenn eine Therapie beantragt werden muss. Irgendwann sind Probleme nur noch schwer zu verheimlichen, zum Beispiel wenn der Führerschein weg ist. Auch bei der Vorbereitung auf die medizinisch-psychologische Untersuchung, die notwendig ist, um wieder fahren zu dürfen, kann die Suchtberatung helfen oder einen Coach vermitteln. Ein solcher hält am 23. Mai, ab 18 Uhr, im evangelischen Gemeindezentrum in Neustadt einen Vortrag.

CLAUDIA LEHNER

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