13°

Donnerstag, 22.10.2020

|

Gewalt: Konzentration auf die Altstadt

Seit Ende des Lockdowns gibt es nicht mehr Gewaltdelikte, aber sie tragen sich praktisch nur noch in Bad Windsheim zu. - 14.10.2020 06:00 Uhr

An Wochenenden rückt die Bad Windsheimer Altstadt in den Fokus der Polizei, vor allem nachts.Foto: Tim Händel

© Foto: tih


Prügel, Verletzte, Polizeieinsätze – gefühlt liest man darüber in den vergangenen Wochen jeden Montag vielfach in der Zeitung. Die Orte des Geschehens liegen immer in der Bad Windsheimer Altstadt. Ist die Kneipenszene gewalttätiger geworden? Gibt es mehr Gewaltdelikte? Wieso tragen sich diese nur in der Kurstadt zu? Täuscht der Eindruck gar? Dieter Engelhardt, Inspektionsleiter der Bad Windsheimer Polizei, hat Antworten.

Er könne bestätigen, dass sich im Bereich der klassischen Wochenend-Schlägereien im Zusammenhang mit Alkohol und Partys etwas verändert hat in den vergangenen Monaten, sagt Engelhardt. Allerdings müsse man genauer hinsehen. Gefühlt, finde auch er, kommt es zuletzt häufiger zu Schlägereien vor oder in Kneipen in der Altstadt. Intern sei das aufgefallen, weshalb man den Polizeicomputer bemüht habe.

Das Ergebnis: Blickt man auf die Zahlen seit Mitte 2019, komme es im Schnitt etwa alle 14 Tage zu einem Polizeieinsatz, bei dem es zu Körperverletzungen im Bereich von Gaststätten oder bei öffentlichen Veranstaltungen kommt. 2019 genauso wie jetzt. Also alles wie immer?

Nur zum Teil, sagt Engelhardt. Zuerst sei wichtig hervorzuheben, dass der Lockdown auch für eine Pause bei den beschriebenen Gewaltdelikten gesorgt hatte. Diese Pause ist nun vorbei, weshalb mutmaßlich der Eindruck entstehen könnte, es komme derzeit in übermäßiger Häufigkeit zu Prügeleien. Die Zahlen der Polizei – handfeste Details könne Engelhardt übrigens nicht nennen, weil die Verfahren vielfach noch laufen – geben das aber nicht her.

Keine Kirchweihen, keine Weinfeste

Allerdings: "Was sonst außenrum los ist, das fällt derzeit alles weg", sagt Engelhardt. Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gibt es keine Kirchweih-Feiern, keine Weinfeste, keine Beachpartys oder Tanzveranstaltungen – mit allen polizeirelevanten Begleiterscheinungen. Aktuell konzentriere sich das Einsatzgeschehen laut Engelhardt tatsächlich ausschließlich auf die Windsheimer Innenstadt. "Seit die Kneipen wieder offen haben."

Aufgrund der lokalen Verschiebungen beziehungsweise dieser Konzentration habe man die Streifendienste leicht angepasst. So sei es momentan eigentlich immer möglich, "frühzeitig vor Ort" zu sein, teilweise auch, um schon präventiv einzuwirken.

Verhalten wie immer

Am grundsätzlichen Verhalten der beteiligten Personen habe sich indes nichts geändert. Diese seien nicht aggressiver als vorher. "Schlägereien hat es immer gegeben", sagt Engelhardt. Entsprechend gelte auch für die Polizisten: "Am Einschreitverhalten hat sich nichts geändert." Wobei der Inspektionsleiter heraushebt, dass die Umstände der Corona-Pandemie auch für die Beamten eine besondere Herausforderung sind. Schließlich sollen und müssen diese sich auch vor Infektionen schützen. Gerade wenn sich Betrunkene auf der Straße prügeln, sei es aber meist nicht mehr weit her mit Hygieneregeln.

So hat sich in diesem Zusammenhang doch eine Zusatzaufgabe ergeben. Werden Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnungen festgestellt, würden diese konsequent geahndet. In der Hinsicht, verrät Engelhardt, mache auch ein einzelnes Lokal immer wieder Probleme. Deshalb sei man schon in Kontakt mit dem Landratsamt, um besondere Maßnahmen zu erörtern.

BASTIAN LAUER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bad Windsheim, Bad Windsheim