Donnerstag, 15.04.2021

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Haus- und Hofgespräche im Fränkischen Freilandmuseum

Nach Landmaschinen und Wasser stehen Haus- und Hofgespräche an - 24.08.2020 06:00 Uhr

Sylvia Bauer ist eine der Museumsführerinnen, die die Themenwoche Haus- und Hofgespräche mit Leben füllen.

23.08.2020 © Foto: Christine Berger


Nach den Schwerpunkten Landmaschinen und Wasser stehen seit Sonntag Haus- und Hofgespräche an. Der Name ist Programm, im Mittelpunkt stehen bis zum kommenden Samstag, 29. August, einzelne Gebäude des Museums und ihre früheren Bewohner.

Für Sylvia Bauer bedeutet dies beispielsweise, dass sie am heutigen Montag am Bauernhaus aus Höfstetten ein Leinenkleid trägt, hinzu kommt eine Tuchhaube, wie es für das 14. Jahrhundert typisch war. Die Ipsheimerin hat eine Vorliebe für das Mittelalter, im Laufe der nächsten Tage wird sie aber ebenso vor dem Flachsbrechhaus in der Baugruppe Technik oder aber vor dem Bauernhaus aus Herrnberchtheim zu finden sein, dann im Arbeitsgewand aus Blaudruck-Stoff.

Eine bunte Häuser-Mischung aus allen Baugruppen haben die Museumsverantwortlichen ausgesucht, um Besuchern an jedem Tag der Themenwoche eine Auswahl an potenziellen Anlaufstellen anzubieten. Wie berichtet sind die Themenwochen entstanden, um einerseits den Hygieneauflagen gerecht zu werden und andererseits Interessierten verschiedene Angebote bieten zu können.

Begegnungen auf dem Gelände

Neben dem Format "hier tut sich was", das Begegnungen zum Beispiel mit den Museumsschafen auf dem Gelände ermöglicht oder aber mit einem Abstecher bei einem der Vorführhandwerker einhergehen kann, wurden daher die Themenwochen entwickelt.

"Das Wichtige ist, dass etwas angeboten wird", bestätigt Dr. Beate Partheymüller, die stellvertretende Museumsleiterin, von einer positiven Resonanz der Museumsbesucher. In der vergangenen Woche wurde selbst wochentags mehrfach die 1000-Besuchermarke geknackt. Die Gelegenheit, im Laufe des Nachmittags an einer der Stationen vorbeizukommen und dank der Museumsmitarbeiter mit fundierten Informationen versorgt zu werden, ohne sich in einer größeren Gruppe aufhalten zu müssen, komme gut an.

"Es ist sehr großes Interesse da." Zwar ist nach der am Sonntag angelaufenen, dritten Themenwoche zunächst eine Pause eingeplant, im September aber sollen an Stelle des Herbstfestes die saisonalen Arbeiten auf den Feldern und in den Häusern erneut anlässlich einer Themenwoche präsentiert werden.

Besucher stellen mehr Fragen

Von einem weiteren Vorteil der Themenwochen haben ihr die Museumsmitarbeiter erzählt, informiert Beate Partheymüller: In den kleinen Gruppen würden mehr Besucher Fragen stellen. "Ich versuche eigentlich immer, in einen Dialog zu kommen", sagt auch Sylvia Bauer. Je nach Standort hat sie dafür Anschauungsmaterial wie etwa Bilder oder Bücher dabei.

Das Anliegen, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen, hat außerdem Dr. Christa Olbrich, die aus Anlass der Themenwoche aus ihrer Biografie "Von der Kuhmagd zur Professorin" vorlesen wird. "Die Leute hatten ganz viel Redebedarf", sagt sie von früheren Veranstaltungen, wenn sie von ihrer Jugend im mittelfränkischen Haundorf berichtet hat.

Dorthin floh sie mit ihrer Familie 1946 aus dem Sudetenland, frühzeitig musste sie mit anpacken, erzählt sie, zumal ihre Mutter traumatisiert war und ihr Vater verletzt aus dem Krieg zurückkam. Die Suche nach Wissen und Erkenntnis hat sie sich nach eigenem Bekunden bewahrt, die Mittlere Reife holte sie über Telekolleg nach, sie wurde Krankenschwester, legte die Abiturprüfung erfolgreich ab und lehrte zum Ende ihrer Berufslaufbahn als Professorin für Pflegewissenschaften und Pflegedidaktik.

Bei den Lesungen im Fränkischen Freilandmuseum wird sie sich auf die Jahre ihrer Kindheit und Jugend in Haundorf konzentrieren. Christa Olbrich ist am Dienstag sowie von Donnerstag bis Samstag im Museum. Anlässlich der Themenwoche sind Museumsführer ab 13.30 bis ungefähr 15.30 Uhr an verschiedenen Stationen zu finden, der detaillierte Tagesflyer ist an der Kasse erhältlich, außerdem ist das Programm auf der Museumshomepage unter www.freilandmuseum.de zu finden.

CHRISTINE BERGER

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