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Donnerstag, 17.10.2019

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Ickelheim: Vier Skelette im Gipsbruch

Wissenschaftler finden Grabbeigaben und menschliche Überreste von 1600 vor Christus. - 24.09.2019 10:00 Uhr

Zur archäologischen Dokumentation ist genaues Arbeiten unerlässlich. Christoph Augenstein fotografiert die Lage eines Skelettes. © Foto: Hans-Bernd Glanz


"Trotz feinster Baggerarbeiten war irgendwann der Knochen in der Schaufel." So begann nach Aussage eine Mitarbeiters des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) die spektakuläre Sicherung der archäologischen Funde aus der mittleren Bronzezeit, die Grabungstechniker seit Wochen beschäftigt und inzwischen abgeschlossen ist.

Rückblick: Casea wollte im neuen Steinbruch mit dem Gipsabbau beginnen. Da laut Martin Nadler, stellvertretender Referatsleiter im BLfD, die hiesige Gegend in der Vergangenheit ein bevorzugtes Siedlungsgebiet war, wirft ein Denkmalschützer vor größeren Erdarbeiten immer einen Blick auf das Areal. Archäologen begleiteten auch hier die baulichen Maßnahmen. Der Grabungsleiter entdeckte die menschlichen Überreste, stoppte den Bagger. Nun kamen nur noch Pinsel und Zahnarztwerkzeuge zum Einsatz. Wechsel von der Grobmotorik zum Feinwerkzeug. Tag für Tag wurde Erdschicht um Erdschicht von den Denkmalschützern und Nicolas Tomo von der Firma Kohler & Tomo Archäologie abgetragen.

Grabbeigaben grenzen die Bestattungszeit ein. © Foto: Hans-Bernd Glanz


Zutage traten weitere Gräber, die menschliche Überreste bargen, allerdings in vermischter Schräglage. Deswegen sprechen die Wissenschaftler von wahrscheinlich vier Individuen. Anthropologische Untersuchungen der zwischenzeitlich geborgenen Knochen sollen Klarheit bringen. Ob die Verschiebung durch Erdbewegungen im Lauf der Jahrhunderte entstand, durch Einbrüche des karstigen Untergrundes oder sich antike Grabräuber über den Bestattungsort hermachten, bleibt im Dunkeln. In jedem Fall sind die Funde ein Glücksfall für die Archäologen. Obwohl der Zahn der Zeit Spuren hinterlassen hat und die Schädelstärke teils nur noch einen Millimeter beträgt, sind die Knochen erstaunlich gut erhalten. "Das liegt am hiesigen Boden", weiß Felix Wagner vom BLfD, "im Uffenheimer Raum erkennen wir meist nur noch an Bodenverfärbungen, wo Menschen bestattet wurden."

Mitarbeiterinnen von Anthro-Arch entnehmen sterbliche Überreste aus der Bronzezeit für anthropologische Untersuchungen. © Foto: Kohler&Tomo Archäologie


Doch nicht nur das. Im Ickelheimer Steinbruch wurden neben den Gebeinen auch eine Gewandnadel, ein Beil und viele weitere kleine Überbleibsel aus der Bronzezeit gefunden, dazu ein Amulettanhänger, der in unmittelbarer Nähe gefunden wurde. Alle Funde wurden aufgezeichnet, fotografiert, deren Lage genau eingemessen und Profilschnitte der Erdschichten erstellt. Zum Abschluss der Arbeiten standen die Archäologen bis zum Hals in den mannshohen Grabungen und waren erleichtert: Die Arbeiten konnten ohne Störung abgeschlossen werden.

Auch Casea-Werkleiter Helmut Weiß war zufrieden. Trotz Zeitverzögerung und damit verbundener Kosten hält er die Grabungen als wissenschaftliches Allgemeingut für spannend. "Außerdem planen wir mit einem entsprechenden Vorlauf", erklärte er seine Gelassenheit. Martin Nadler freut vor allem das Fundensemble aus Bestatteten und bronzezeitlichen Beigaben. Diese werden jetzt wissenschaftlich untersucht – spannende Archäologie.

HANS–BERND GLANZ

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