Samstag, 14.12.2019

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In der Kurstadt auf Spurensuche in biblischen Szenen

Norbert Tuffek arbeitet seit über 20 Jahren an einer großen Krippe - Ausstellung in der Spitalkirche - 29.11.2019 19:30 Uhr

Eine große Schar an Engeln begleitet die anrührende Szene Heilige Nacht, die links vom Chor der Spitalkirche aufgebaut ist. © Foto: Christine Berger


In zwölf Bildern wird die biblische Geschichte erzählt von der Verkündigungsszene über die Heilige Nacht bis hin zum zwölfjährigen Jesu im Tempel und der Hochzeit von Kana. "Seit über 20 Jahre arbeitet er schon an dem Kunstwerk", erzählt Claudia Berwind, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums Kirche in Franken, mit hörbarer Bewunderung für Tuffeks Arbeit. Die meisten der zwischenzeitlich mehr als 280 Figuren hat er im barocken Stil selbst mit großer Liebe zum Detail angefertigt. Andere, die sich durch ihre Entstehungszeit oder Größe in das Gesamtwerk einbinden ließen, fügte er hinzu. Wie etwa einen kleinen Elefanten aus dem 18. Jahrhundert.

Dieser war nicht nur beschädigt mit einem verkürzten Rüssel und ramponierten Beinen, auch macht sein Äußeres allzu deutlich, dass in Europa zu dieser Zeit wenig Kenntnis darüber herrschte, wie ein Dickhäuter aussieht. Doch Tuffek hat den Vierbeiner ins Herz geschlossen, hat ihn aufwendig restauriert und neben einem weiteren Elefanten in die große Szenerie der Anbetung der Hirten und Könige integriert. Wie gemacht scheint der Altarraum der Kirche für die Vielzahl von Figuren zu sein, die sich um die Heilige Familie herum gruppiert bis hin zu Propheten, Dienern und einem Bäcker samt Brezeln.

Selbst wer die große Weihnachtskrippe bei früheren Sonderausstellungen im Museum schon einmal gesehen hat, kann viel Neues entdecken. Den Elefanten beispielsweise oder den Evangelist Lukas, der auf seinem Symbol, einem Stier, sitzt. Ihm gab Tuffek das Äußere eines befreundeten Malers, dem Hochzeitspaar in der bislang letzten Szene das von Freunden. Im Detail verändert der Holzbildhauermeister sein Werk von Standort zu Standort. So wandern zwei kleine Schnecken immer näher an die Heilige Familie heran, inzwischen haben sie es fast geschafft, "sie wollen auch dahin", kommentiert Berwind mit einem Lächeln.

Eine Woche lang benötigte Tuffek, um die Szenen in der Spitalkirche aufzubauen, die sich bis auf die erste Empore erstrecken. "Ein Anhänger voll Botanik" mit Moos, Zweigen und allerlei Grün sowie Kulissen ergänzen die hölzernen Figuren. Selbst deren Kleider gestaltete Tuffek selbst, lernte dafür eigens Klöppeln, um unter anderem die Mäntel mit feinsten Bordüren auszustatten. "Er macht ein Gesamtkunstwerk aus der Figur", urteilt Berwind, unübersehbar sei, dass die Krippe eine "richtige Herzensangelegenheit" für den Künstler ist.

Bei drei Führungen gibt der Holzbildhauermeister einen Einblick in seine Arbeit und erklärt dabei vielleicht, an welcher Stelle seiner großen Weihnachtskrippe Erbsen zum Einsatz kamen. Der erste Termin ist morgen nach der Eröffnung der Ausstellung um 11 Uhr, die weiteren am Sonntag, 22. Dezember, sowie zur Finissage am 6. Januar, jeweils um 14 Uhr. Eine weitere Führung stellt am Sonntag, 15. Dezember, Engel als Boten Gottes in der Krippe in den Mittelpunkt. Darüber hinaus sind musikalische Krippenführungen vorgesehen, auch ist ein Kindersuchspiel geplant, anhand dessen Kinder eigenständig auf Entdeckungstour gehen können. Nach dem kleinen Mäuschen zum Beispiel, das sich in der Küche der Hochzeit von Kana einen süßen Leckerbissen sichert.

Bis zum Saisonende des Freilandmuseums am Sonntag, 15. Dezember, ist die Kirche täglich außer montags geöffnet. Hinzu kommen Winteröffnungstage am 22., 25. bis 26. Dezember, 29. Dezember und 6. Januar.

CHRISTINE BERGER

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