11°

Freitag, 18.10.2019

|

Ipsheim: Bacchus löst Getreide ab

Die Winzerfamilie Düll nutzt neue Verordnung und schafft für den Weinanbau zusätzliche Fläche der Lage Burg Hoheneck - 23.04.2019 11:30 Uhr

Maximilian Müller (links) legt den Pflanzstab, Johann Todosi die Rebe ein, den Rest besorgt die GPS-gesteuerte Pflanzmaschine. Winzer Thomas Düll (rechts) versorgt die beiden mit Material-Nachschub. Foto: Günter Blank


Möglich gemacht hat die Erweiterung der Anbaufläche eine seit drei Jahren gültige Verordnung der Europäischen Union (EU), mittels derer ein Genehmigungssystem für Rebpflanzungen eingeführt wurde. In der Konsequenz bedeutet dies, dass deutschlandweit in diesem Jahr landwirtschaftliche Flächen mit einer Gesamtgröße von 0,3 Prozent der Ende Juli 2018 mit Reben bepflanzten Fläche neu mit Wein bestückt werden dürfen, also in der Summe rund 300 Hektar. Die Umwandlung der konkreten Fläche von Acker- in Weinbauland muss bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn beantragt werden, welche die Genehmigungen erteilt. Dabei werden Steillagen mit einer Hangneigung von mehr als 15 Prozent bevorzugt berücksichtigt.

Da ist Thomas Düll schon froh, dass von den 2,4 Hektar, die er zur Erstbepflanzung beantragt hatte, immerhin 84 Ar genehmigt wurden, weist das Gelände doch lediglich eine durchschnittliche Neigung von acht Prozent aus. Nach und nach, so sein Plan, soll auch der Rest der zuvor verpachteten und zuletzt zum Getreideanbau genutzten Ackerfläche mit Wein belegt werden.

Frisch und fruchtig

Dass es sich bei der neu bestockten Fläche weder um eine Steillage noch um einen Südhang handelt, ist kein Nachteil, sagt Thomas Düll. Im Gegenteil: Angesichts der mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen sei das Gelände gerade für die frühreife Rebsorte Bacchus gut geeignet. Sei man früher für jeden Sonnenstrahl dankbar gewesen, gelte es in Hitzesommern wie dem des Jahres 2018 eher darauf zu schauen, dass das Mostgewicht der Trauben und damit der spätere Alkoholgehalt des Weines nicht zu hoch gerate. Die Kunden wünschten überwiegend frische und fruchtige Weine. Deshalb also jetzt: Bacchus auf einer relativ flach ansteigenden Fläche mit Nordwest-Ausrichtung.

Um die Rebstöcke zu setzen, hat Düll die Lohnfirma von Erich Hoppert aus Großlangheim engagiert. Der Firmenchef und sein Mitarbeiter Maximilian Müller sind mit ihrer GPS-gesteuerten Pflanzmaschine angereist. Hoppert steuert den Traktor übers Gelände, hinter ihm, mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, sitzen Müller und Dülls Mitarbeiter Johann Todosi. Der eine füttert die Maschine mit dem Pflanzstab, der andere mit der Rebe, bestehend aus amerikanischem Holz und aufgepfropftem Edelreis.

Den Rest, also das punktgenaue und zeitgleiche Einsetzen beider Teile in den Boden, besorgt die GPS-gestützte Maschine. Das zeitaufwendige Auszeilen mit Bandmaß, Leine, Markierungspfählen, Pflanzstäben und anderem mehr ist nicht mehr nötig. Die akkurate Anordnung der Reben aber – zwei Meter liegen jeweils zwischen den Zeilen, innerhalb dieser 1,20 Meter zwischen den Stöcken – ist wichtig, will man später problemlos mit dem Traktor durch den Weinberg fahren.

Zur Vorbereitung des Fruchtwechsels war der Boden bereits im vergangenen Herbst mit einer Spatenmaschine bis in 70 Zentimeter Tiefe aufgelockert worden, danach konnte er ausfrieren. Nachdem die Reben gesetzt waren, wurden sie angegossen. "Ein schöner Landregen wäre nun perfekt", sagte Thomas Düll Dienstag, 30 Liter pro Quadratmeter wären ideal. Doch dieser Wunsch, mit dem er nicht allein ist, wurde ihm bislang nicht erfüllt. So dramatisch wie in den Kiefernwäldern sei die Situation, was Trockenheit anbelangt, in den Weinbergen aber bei Weiten nicht.

Silvaner statt Müller-Thurgau

Zwei Tage dauerte die Pflanzaktion, insgesamt wurden sogar rund 6500 Reben gesetzt, denn neben der neu für den Weinbau erschlossenen wurde auch eine Düllsche Bestandsfläche bepflanzt. Auf diesem zirka 6500 Quadratmeter großen Berg, auf dem bislang Wein der Sorte Müller-Thurgau wuchs, wurde nach der Rodung mit Silvaner neu bestockt. Nun heißt es, die neuen Anbaufläche zu hegen und zu pflegen. In drei Jahren soll der erste Wein geerntet werden. Auch die neue Fläche trägt die Lagenbezeichnung "Ipsheimer Burg Hoheneck". Dem hat die hierfür zuständige Regierung von Unterfranken nach fachlicher Abstimmung mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim zugestimmt.

GÜNTER BLANK

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bad Windsheim, Ipsheim