Karneval: Fulminanter Start der Windshemia

20.1.2020, 15:00 Uhr
Kleopatra und die Ägypter sind mit dem Windshemia-Chor ins Kur- und Kongress-Center gekommen.

Kleopatra und die Ägypter sind mit dem Windshemia-Chor ins Kur- und Kongress-Center gekommen. © Foto: Gerhard Meierhöfer

Jugendgarde, Juniorengarde, Prinzengarde und Elferrat sowie Prinzenpaare füllen die farbenprächtig dekorierte Bühne. Jawohl, Prinzenpaare, denn der als Gast erschienene Rother Carneval Verein hatte seine Faschingshoheiten Holger I. und Daniela I. und seinen Präsidenten Jochen Gürtler dabei. Begleitet wurden sie von ihrer Prinzengarde, die später für viel Aufsehen sorgte. Das "eigene" Prinzenpaar – Prinz Markus III. (Pauly) und Monika II. (Gärtner) – erhielt nach der Begrüßung durch den Präsidenten Rudi Schmidt – er und seine Tochter Nicole moderierten gewohnt souverän den Abend – die Stadtschlüssel von Bürgermeister Bernhard Kisch.

Dann ging es aber auch schon los: Die Tanzmariechen Lissy Schürmer und Leandra Eklemes wirbelten über die Bühne und zeigten, was Neun- und Zehnjährige aus fleißigem Training machen können. "Ein Freund, ein guter Freund", unter diesem Motto eroberten die Schornsteinfeger der Purzelgarde die Herzen des Publikums. Fünf Neulinge, alle so um die Fünf, zeigten das Ergebnis ihres Trainings und gaben Rudi Schmidt Gelegenheit, sie zu interviewen: Sie kommen nicht nur aus der Bäderstadt, sondern auch aus den Ortsteilen und sind alle mit Begeisterung bei der Sache. Neu in der Bütt war auch der 16-jährige "Kerwabuu" Jakob Hasselt aus Marktbergel. Er kam als kleiner Kerwazug zusammen mit zwei Mitmusikanten zur Bütt und berichtete vom Stress eines Kerwabuus. Mit vier weiteren Buum und Musikanten gab er Kerwaliedli zum Besten.

Etwas fürs Auge schloss sich an: Die Jugendgarde der KGW überzeugte mit perfektem Tanz. Michl Bechold als Sitzungspräsident der Gesellschaft "Gähnheim", ein Windsheimer Eigengewächs, kalauerte sich amüsant durch seinen Auftritt und gab bekannt, dass im Rathaus Papiertaschentücher aus dem Verkehr gezogen wurden, weil sie die Aufschrift "Tempo" tragen, was dort ja unbekannt bleiben solle.

Dürfen im Jahr der Kommunalwahl im Fasching nicht fehlen: die „vier Kandidaten im Sack“.

Dürfen im Jahr der Kommunalwahl im Fasching nicht fehlen: die „vier Kandidaten im Sack“. © Foto: Gerhard Meierhöfer

Einem spritzigen Gardemarsch der Rother Garde folgte mit Wolfgang Huskitsch aus Dorfprozelten ein Kenner der deutschen Sprache, der sogar Begriffe wie "suboptimal gebildet" zu erläutern wusste und den "unaufdringlichen Service" vieler Backshops und ähnlicher Betriebe geißelte. Heimisch wurde es mit "Die Gscheiderli": Klaus Holzmann und Sven Kreitlein verbanden das Bäumeschneiden mit Seitenhieben auf die Stadtpolitik, wo sie auch einen "grundlegenden Schnitt" empfahlen.

Gewaltige Pyramiden bildeten dann den Hintergrund für den grandiosen Auftritt des Windshemia-Chores. Er begann mit dem Einzug der Pharaonen. Unter dem Motto "Wie eine Fata Morgana sind wir für euch da" spiegelten sie mit den ebenfalls angetretenen Römern eine Scheinwirklichkeit, die der Wirklichkeit entstammt. So stellten sie vor, wie es wäre, wenn "alle an einem Schlauch ziehen, damit die Feuerwehr wieder unter einen Helm" käme, streiften den Windsheimer Verkehr, stellten fest, dass das Mitfahrbänkla Wartezeiten bis zum Todeseintritt habe, streiften den Straßenbau und blickten mit Wehmut auf die leere Innenstadt und die prosperierende Peripherie. Schließlich stellten sich die vier Bürgermeisterkandidaten noch ganz "im Sack" vor und buhlten um die Gunst der Wähler.

Optisch und tänzerisch gekonnt präsentierte sich die Jugendgarde, ehe nach einer kurzen Pause "Des Bändla" die Herzen der Besucher im Sturm eroberte. Dieses musikalische Instrumental- und Gesangsquartett aus Marktbergel (Stefan Reuter, Klaus Weiß, Dominik Horn und Andreas Faske) überraschte mit Witz und Können und sorgte für Stimmung und stehende Ovationen. Ein packender Schautanz der Rother Gäste wechselte zum Augenschmaus, und mit Ines Procter aus Unterleinach betrat eine aus dem Fernsehen bekannte Putzfrau die Bühne und lamentierte über Alltagsprobleme. Einen weiteren Knüller bot das Männerballett, das so rasant über die Bühne tobte, dass man schon vom Zusehen fast in Atemnot geraten konnte.

Atemlos ins Finale

"Atemnot" war auch das Thema von Standup-Comedian Berhane Berhane, der sich selbstbewusst als "Ossi" (Ostafrikaner) bezeichnet. Er "übersetzte" einen fiktiven Auftritt Helene Fischers für Gehörlose.

Sich im Spiegel zu sehen, war die Botschaft der Windshemia-Schautanzgruppe. Der Showtanz riss das trotz später Stunde nimmermüde Publikum zu Begeisterungsstürmen hin und führte zum Finale, bei dem sich alle Aktiven auf die Bühne begaben. Nicole und Rudi Schmidt dankten nicht nur allen für einen berauschenden Abend – sie vergaßen in ihren Lobesreden auch nicht all die vor und hinter der Bühne und vor allem während der ganzen Vorbereitungszeit Tätigen einzubeziehen. Der Dank des bestens unterhaltenen Publikums ist aber auch ihnen sicher – die Prunksitzungen sind und bleiben ein Publikumsmagnet.

Keine Kommentare