Mittwoch, 23.10.2019

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Knapp an der Katastrophe vorbei

Der Kampfhubschrauber ist geborgen, Untersuchung soll Aufschlüsse über Unfall geben. - 04.10.2019 10:00 Uhr

Sachte hievt der Kran, unterstützt von Bodenpersonal mit Seilen, den Apache auf den Auflieger des Lastwagens. © Foto: Bastian Lauer


Der Hubschrauber vom Typ Apache AH-64D war wie berichtet am späten Abend des 24. September zwischen den Windelsbacher Ortsteilen Linden und Nordenberg mit einer Starkstromleitung kollidiert, riss sechs Stahlseile durch, beschädigte dadurch mehrere Strommasten und sorgte für ein Verkehrschaos, unter anderem für eine stundenlange Sperrung der Autobahn 7. Die beiden Piloten mussten ihren Apache auf einem Feld notlanden.

Eine ganze Armada von Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen war zu der Stelle aufgebrochen, die Straße zwischen den Dörfern wurde gesperrt, berichteten Anwohner gestern. Schnell übernahm aber das Militär, US-Streitkräfte sowie die Bundeswehr. Feldjäger bewachten eine Woche lang das Sperrgebiet rund um die Uhr, Zelt zum Schlafen und mobile Toilette inklusive.

Warum aber dauert es so lange, einen äußerlich kaum beschädigten Hubschrauber zu bergen? Das erklärte Major Robert Fellingham, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der 12. Heeresflieger-Brigade, die in Katterbach und Illesheim stationiert ist: "Wir müssen den Apache von Spezialisten untersuchen lassen. Das muss gemeldet werden, dann musste ein Team zusammengestellt werden und dann mussten die Experten erst rüberfliegen." Von einem Stützpunkt im US-Bundesstaat Alabama kam das Expertenteam, untersuchte den Apache am Montag und Dienstag und gab ihn dann zur Bergung frei.

Doch was war nun eigentlich passiert? Klare Antworten könne man noch nicht geben, sagte Fellingham. Er bestätigte, dass sich die Piloten auf einem unbewaffneten Übungsflug befanden. Auch, dass Flüge nahe von Stromleitungen Standard sind. "Wir müssen für den Einsatz nun einmal trainieren." Wie oder warum sie in Kontakt mit der Stromleitung kamen, sei nicht bekannt.

Die Flugroute lässt sich immerhin anhand von Aussagen der Anwohner nachvollziehen. Aus nördlicher Richtung vom Wald bei Nordenberg kam der Helikopter und flog in Richtung des etwa einen Kilometer entfernten Linden. Dazwischen liegt die Stromleitung, die er kappte. Anschließend flog der Helikopter weiter nach Linden. Glaubt man den Aussagen von Anwohnern, haben die Piloten sogar eine Katastrophe verhindert. Die Maschine sei bereits über den Häusern gewesen, als die Piloten – der Antrieb des Apache soll schwer beschädigt geklungen haben – noch einmal abdrehen und ihr Gefährt keine 100 Meter von der Wohnbebauung auf einem Feld landen konnten. Verletzt wurde letztlich niemand.

Ein Kampfhubschrauber an der Leine: Der Apache ist nur etwa 100 Meter von der Wohnbebauung des Dorfes Linden entfernt aufgeschlagen. © Foto: Bastian Lauer


Sichtbare Schäden soll der Apache nur an den Frontscheiben gehabt haben. Die naheliegende Vermutung, damit hätten die Piloten die Stahlseile durchschlagen, wies Randy Strand gestern zurück. Strand ist der Leiter des in Illesheim stationierten Teams, das Militär-Hubschrauber der Typen Apache, Blackhawk und Chinook von allen Nato-Partnern aus ganz Europa wartet und repariert. Strand leitete gestern auch die Bergungsoperation und hatte diesen Helikopter mit den Experten aus den USA inspiziert.

Die Risse der Frontscheiben seien laut Strand durch den Aufprall am Boden entstanden und sogar gewollt. Der Apache sei so konzipiert, dass die Wucht eines derartigen Aufpralls zum einen durch die Landevorrichtung – dessen Räder kollabieren – und durch die Rumpfkonstruktion aufgefangen werden. Als Folge würde das etwa fünf Zentimeter dicke Sicherheitsglas kaputtgehen.

Nach der ersten Untersuchung wollte auch Strand nicht spekulieren, was zum Unfall geführt hat. "Wir konnten noch nicht unter den Apache schauen, dadurch erhoffen wir uns wichtige Erkenntnisse", sagte er. In jedem Fall sei kein technischer Defekt festgestellt worden. Ansonsten wären alle Übungsflüge sofort eingestellt worden, betonte er. Der betroffene Apache sei ein älteres Modell, das nicht mehr im Feld eingesetzt werde, sondern nur noch für Übungsflüge, hatte zuvor Fellingham erklärt.

Die Bergung per Kran und Lastwagen klappte letztlich reibungslos. Nach der Untersuchung in Illesheim soll der Apache dort auch repariert werden. Die Bürgerinitiative "Etz langt’s" forderte derweil die Land- und Bundestagsabgeordneten der Region auf, sich für ein Flugverbot an Stromleitungen, an Dorfrändern und bei Dunkelheit einzusetzen. Welche Erkenntnisse zum genauen Hergang der Havarie in Kürze öffentlich gemacht werden, dazu wollte Major Fellingham lieber keine Prognosen abgeben. Weitere Bilder finden Sie online unter www.windsheimer-zeitung.de

BASTIAN LAUER

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