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Kommunalwahl: Michael Schlehlein hat vier klare Ziele

Michael Schlehlein ist der einzige Kandidat für das Bürgermeisteramt in Gallmersgarten. - 04.03.2020 10:00 Uhr

Hier bin ich aufgewachsen, hier bin ich zu Hause: Michael Schlehlein am Dorfbrunnen in Gallmersgarten, einen Steinwurf von seinem Elternhaus entfernt. © Foto: Bastian Lauer


"Losgegangen ist es beim Bürgerbegehren", sagt der 34-Jährige, der seit sechs Jahren im Gemeinderat sitzt, über seine Motivation, sich für das Amt zu bewerben. Einerseits war damals schon klar, dass Emil Kötzel nach 24 Jahren nicht mehr zur Bürgermeisterwahl antritt, andererseits sei das Projekt nicht so behandelt worden, wie er sich das vorgestellt hatte. Er habe eine Art Bürgerversammlung durchführen lassen wollen, um umfassend über das 144-Betten-Projekt gegenüber dem Bahnhof zu informieren. Das sei im Rat abgelehnt worden. Aber: "Die Leute haben den Bedarf, dass sie aufgeklärt werden." Das habe sich schnell gezeigt und mündete letztlich auch im Bürgerbegehren, das Schlehlein unterstützte.

Zweiter wichtiger Punkt, der letztlich zur Kandidatur führte, sei die Personalie Hermann Geuder gewesen. Viele seien davon ausgegangen, dass der Zweite Bürgermeister Kötzel beerben würde. Doch aus beruflichen Gründen war das nicht möglich. "Dann habe ich mich entschlossen, ich mach es, bevor wir keinen finden", sagt Schlehlein. Nach Absprache mit der Familie – er hat Frau und zwei Kinder – habe er zeitnah die Gemeinderäte darüber informiert und auch Rückendeckung erhalten.

So geht der Projektleiter einer Rothenburger Firma und Nebenerwerbslandwirt für die Freien Bürger als einziger Kandidat auf das Bürgermeisteramt in die Wahl. Da er mutmaßlich auch gewählt wird, will er nicht ohne Ziele in die Amtsperiode einsteigen. Großes Anliegen sei es, eine weitere Firma im Gewerbegebiet anzusiedeln, um Arbeitsplätze und Anreize "für junge Leute zu schaffen".

Recht dringlich ist das Thema Bauschutt. Die gemeindeeigene Deponie sei wohl in zwei Jahren voll, die neue Kreisdeponie in Uffenheim vorerst keine Lösung. Eine "Zwischenlagerung" als "Bürgerservice" sei für ihn denkbar, bis klar ist, in welchem Umfang irgendwann die Uffenheimer Deponie genutzt werden kann.

Verhandlungen mit der evangelischen Kirche sind bei Ziel drei nötig: Schlehlein plädiert dafür, das Gemeindehaus in Steinach/Ens zu kaufen. Sein Motto: "Dorfgemeinschaftshaus statt Gemeindehaus", um einen Treffpunkt für alle zu schaffen. Er betont: "Das gehört zu einem Dorf, das muss man den Leuten bieten."

"Probieren" würde Schlehlein auch, eine Bürgersolar- oder Bürgerwindanlage zu schaffen, um die Energiewende zu unterstützen. Da die Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen hier schwer vorherzusehen sind, müsse man zwar vorsichtig sein. Doch ein großer Investor komme für ihn nicht infrage: "Wenn man die Bürger mitnimmt, dann ist da mehr Akzeptanz da."

Bis er seine Ziele in Amt und Würden verfolgen kann, dauert es noch einige Wochen. Doch schon lange vor der Wahl ist Schlehlein in einer Art Bürgermeister-Modus. Der noch amtierende Emil Kötzel habe ihn an die Hand genommen. "Er nimmt mich schon auf Termine mit", erzählt der Kandidat. Vor allem bei Themen, welche die Gemeinde noch länger beschäftigen werden. Bisher fühle er sich wohl und die Lust auf die Herausforderung sei ihm noch nicht vergangen.

Natürlich weiß Michael Schlehlein auch, welches Erbe er antritt. "Es wird schwierig, in Emils Fußstapfen zu treten." Kötzel habe viel abseits von Büros und Sitzungssälen angepackt, Dinge getan, "die man gar nicht sieht". Auch in der "Vermittler-Rolle" in der Gemeinde habe sich Kötzel über die Jahre gut hervorgetan. Da spreche man zwar zwangsläufig nie für alle Bürger gleichermaßen, "aber das bringt das Amt halt mit sich", und Schlehlein könne nur versuchen, es seinem Vorgänger gleichzutun. "Ich werde schauen, dass ich es genauso hinbringe."

Bastian Lauer

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