Operationen mit viel Aufwand nachgeholt

Kreiskliniken: 150 Mitarbeiter waren in der Pandemie-Zeit mit Corona infiziert

Claudia Lehner

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27.10.2021, 06:00 Uhr
In der Kreisklinik in Bad Windsheim herrscht mittlerweile wieder „Regelbetrieb“ – wenn auch mit strengen Hygienevorschriften.

In der Kreisklinik in Bad Windsheim herrscht mittlerweile wieder „Regelbetrieb“ – wenn auch mit strengen Hygienevorschriften. © Claudia Lehner, NN

Keine Besucher, verschobene Operationen und Mitarbeiter, die ihre Gesundheit gefährdeten, um anderen zu helfen: Die bisherige Zeit der Corona-Pandemie war eine große Herausforderung für die Beschäftigten, aber auch die Leitung der beiden Kreiskliniken, in Bad Windsheim und Neustadt. Doch mittlerweile läuft es wieder etwas normaler. Fast alle Operationen wurden nachgeholt.

In der ersten Corona-Welle, ab März 2020, waren die Kreiskliniken noch kaum gefordert. Die Organisation sei aufwendiger geworden, erklärt Klinikvorstand Stefan Schilling, doch noch habe man damals kaum Corona-Patienten versorgen müssen. Das war in der zweiten und dritten Welle anders. Teilweise seien mehr als 50 Covid-19-Infizierte behandelt worden, zunächst in Neustadt. Als die 30 Betten dort belegt waren, auch in der Kurstadt. Bis zu 20 Patienten oder mehr seien dort versorgt worden. Rund 400 waren es bisher in beiden Häusern.

Station geschlossen

Von Ende 2020 und bis Mai 2021 war die Reha-Geriatrie in der Bad Windsheimer Klinik wegen der besonders gefährdeten Patienten geschlossen, es wurde stattdessen eine Corona-Station eingerichtet. Zeitweise waren neun der 14 Beatmungsplätze in Neustadt belegt. Dazu kam laut Schilling aber auch noch die normale Notfallversorgung, die gewährleistet sein musste.

Für Besucher gelten in der Klinik aktuell die 3G-Regeln.

Für Besucher gelten in der Klinik aktuell die 3G-Regeln. © Claudia Lehner, NN

Mitte März bis Mitte Mai 2020 und wieder von Mitte November bis Februar 2021 war kein Regelbetrieb möglich. Operationen und Behandlungen, die keine Notfälle waren, mussten verschoben werden. "Das Besuchsverbot in den Kliniken war für alle Beteiligten eine große Herausforderung", sagt Schilling. Für die Patienten und Angehörigen, aber auch für die Mitarbeiter. "Was die Mitarbeiter in der Pandemie geleistet haben, war unglaublich", betont der Klinikvorstand. Alle seien parat gestanden, obwohl sie sich selbst in Gefahr gebracht haben. "Sehr viele haben sich infiziert und haben jetzt noch Probleme", ergänzt Chefarzt Dr. Mathias Bender, der für Orthopädie, Unfallchirurgie und das Endoprothetikzentrum zuständig ist. Von 1200 Mitarbeitern waren laut Schilling mehr als 150 mit dem Virus infiziert, der Großteil davon Ärzte und Pfleger.

Ende Dezember 2020 dann endlich die Möglichkeit für die Mitarbeiter, sich impfen zu lassen. Ein "Highlight" für Schilling. "Das war notwendig", betont er. Immerhin standen und stehen sie "an vorderster Front". Die Impfquote sei bei Ärzten und im pflegerischen Bereich sehr hoch: bei über 80 Prozent. Dazu kommt der Anteil an Genesenen. Seit Monaten hat es laut Schilling keine infizierten Mitarbeiter mehr gegeben. Einige habe es noch zwischen erster und zweiter Impfung erwischt. Impfdurchbrüche seien selten. Bender und sein Chefarztkollege Dr. Roland Friedlmeier (Akutgeriatrie und Innere Medizin) berichten von je einem Mitarbeiter, der sich als Geimpfter infiziert hat, ohne aber zu erkranken.

Ein "immenser Kraftakt"

Regelbetrieb war zeitweise wieder möglich, Entspannung aber nicht. Die verschobenen OPs wurden "mit einem immensen Kraftakt der Mitarbeiter" fast alle nachgeholt. "Die Patienten halten uns die Stange", freut sich Bender. Auch aktuell wird wieder operiert. Die meisten Patienten seien geimpft, die ersten hätten bereits die Booster-Impfung erhalten.
"Das Konzept ist sicher", betont Bender. Getestet wird viel.

Für die ungeimpften Mitarbeiter ist es zwei Mal in der Woche verpflichtend, für die Geimpften freiwillig. Die Patienten werden bei der Aufnahme (Schnell- und PCR-Test), dann alle drei bis vier Tage getestet, wie Friedlmeier erklärt. Derzeit gelten in der Klinik für Besucher die 3G-Regeln. Ein Corona-Test muss mit Zertifikat nachgewiesen werden. Ein Besucher pro Tag und Patient, mehr ist nicht erlaubt. "Wir hoffen, wir können so weitermachen", sagt Schilling. Steigende Hospitalisierungszahlen bei den Corona-Infizierten wünscht er sich auf keinen Fall.

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