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Dienstag, 14.07.2020

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Krippenplätze: Kirche lehnt Plan der Stadt ab

Stadt will Bedarf an Krippenplätzen mit Neubau von St. Markus lösen. - 01.06.2020 06:08 Uhr

Auf einer umgebauten ehemaligen Einzelhandelsfläche (graues Gebäude links im Hintergrund) sind seit Anfang 2019 schon 30 Krippenplätze des Kindergartens St. Markus untergebracht, rechts grenzt der Garten der Kita an. © Foto: Bastian Lauer


Die Engpässe bei den Krippenplätzen in der Stadt sorgen zusehends für Probleme. Am Donnerstagabend sollte sich der Stadtrat mit Baumaßnahmen bei zwei Kindergärten beschäftigen. Eine Notlösung für den Kindergarten Hand in Hand in Ickelheim brachte man noch auf den Weg. Doch für den Neubau von St. Markus, Teil der prestigeträchtigen Umgestaltung des Holzmarkt-Areals, hatte die Verwaltung wenige Tage zuvor eine Abfuhr vom Träger, der evangelischen Kirche, kassiert.

Bei einem Gespräch am Montag hätten Dekanin Karin Hüttel und Kindergarten-Geschäftsführer Johannes Zintz von der Kirche klar gemacht, dass der Plan der Stadt „so nicht wirtschaftlich ist“, sagte Bürgermeister Jürgen Heckel. Eigentlich hätte der Rat die Planungsleistungen für den Neubau vergeben wollen. Das wurde geschoben. Es kamen auch Zahlen ins Spiel: Laut Bedarfserhebung von 2019 seien 30 neue Krippenplätze nötig, sagte Kämmerin Melanie Greifenstein. Und Heckel erläuterte, dass nach Abschluss des Neubaus St. Markus über etwa 65 Krippen- und 70 Kindergartenplätze verfügen sollte.

Aus Sicht der Kirche sei das ein Ungleichgewicht in der Belegung, das Konzept der Einrichtung sei auf ein Verhältnis von einem Drittel Krippen- zu zwei Drittel Kindergartenplätzen ausgelegt. Aus betriebswirtschaftlichen und erzieherischen Gründen könne man dem somit nicht zustimmen, wie Heckel sagte. Hüttel bestätigte diese Erläuterung am Freitag auf WZ-Nachfrage.

In der Sitzung hinterfragten Dieter Hummel (CSU) und Matthias Oberth (SPD) die Aussagekraft der Bedarfserhebung, auf der die Überlegungen der Stadt zum Neubau basieren. Jürgen Heckel: Man sei zur Erkenntnis gekommen, dass man die aus der Befragung abgeleiteten Maßnahmen dem Betreiber nicht „überstülpen“ kann. Oberth: „Da ist die Frage zu stellen, was läuft da im Vorfeld schief?“

Die naheliegende Vermutung, es gäbe ein Kommunikationsproblem, bestätigte Hüttel: „Wir sind als Träger nicht einbezogen worden bisher.“ Das Gespräch am Montag sei das erste dieser Art gewesen. „Was wir uns wünschen würden, ist ein klares Miteinander von Anfang an“, betonte Hüttel, die aber gleichzeitig davon überzeugt ist, dass man einen gemeinsamen Weg finden werde.

Den fand man immerhin in Ickelheim. Nachdem für das Kindergartenjahr 2020/21 dort 18 Neuanmeldungen vorliegen, aber nur neun Plätze in der Einrichtung Hand in Hand zur Verfügung stehen, trat die Ickelheimer Pfarrerin Annette Boxdorfer-Nickel mit einem Zuschussantrag für eine Notlösung an die Stadt heran. Diese sieht vor, die elf Vorschulkinder in einer Notgruppe im Haus der Begegnung unterzubringen. Für Umbaumaßnahmen, an Ausstattung und Personalkosten wurden 37.000 Euro Kostenaufwand veranschlagt. 27.500 Euro, so der Antrag, solle die Stadt zuschießen.

Heckel zeigte sich überrascht von dieser Notwendigkeit, sehe den Bedarf aber als gegeben an. Er machte gleichwohl deutlich, dass die Zustimmung nicht die Hoffnung erwecken dürfe, es würden zusätzliche feste Plätze in Ickelheim geschaffen. Aus Sicht von Erika Löblein (WiR) sei die Idee nicht ausgereift, vor allem weil das Haus der Begegnung im Zuge der Dorferneuerung umgebaut werden soll. 

Außerdem hätten Eltern schon seit Jahren auf andere Kindergärten ausweichen müssen, das Problem sei nicht neu. Boxdorfer-Nickel bestätigte Letzteres, gleichwohl seien es zuletzt „ein, zwei Kinder pro Jahr“ gewesen, nicht gleich neun. „Wir haben gesagt, diesen Familien muss geholfen werden.“ Der Ickelheimer Stadtrat Volker Goller sagte, zumindest in den kommenden drei Jahren sei nicht mit einem Umbau des Hauses der Begegnung zu rechnen.

Gegen die Stimme von Erika Löblein wurde der Zuschuss an den Ickelheimer Kindergarten gewährt. Wie es mit St. Markus weitergeht, ist offen. Johannes Zintz wolle sich nach Betreuungskonzepten erkundigen, mit denen die Vorstellungen der Stadt umsetzbar sind, sagte Heckel und bat um drei weitere Wochen Zeit bis zur nächsten Stadtratssitzung.

Bastian Lauer

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