Samstag, 21.09.2019

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Künstliche Intelligenz zeigt rund um Neustadt Schäden an Straßen

Die Kommunale Allianz Neustadt und Land untersucht mit neuem System ihr Straßennetz und ist in Bayern Vorreiter. - 21.08.2019 10:30 Uhr

Kommunale Fahrzeuge nehmen auf den Straßen mithilfe des vialytics-Phones automatisch alle vier Meter ein Bild der Straßenoberfläche auf. © Foto: vialytics GmbH


Initiator ist der Diespecker Bürgermeister Dr. Christian von Dobschütz. Der Bauhof habe eine gewisse Kenntnis schadhafter Stellen im Straßennetz, manches schaue man sich dann mit dem Bauausschuss an, manche Hinweise kämen von Anliegern, beschreibt von Dobschütz den "üblichen Weg". Auf der Suche nach einem objektiven Bewertungssystem für den Straßenzustand stieß er nach Angeboten wie einer Befliegung oder Untersuchung mit Lasertechnik auf der Stuttgarter Firma. "Wir brauchen einfach eine objektive Grundlage, um sagen zu können, der Zustand der Straße A ist super, B geht noch und C ist schlecht", meint von Dobschütz. Das junge Unternehmen vialytics habe mit seinem System überzeugt, weil es eben nicht nur eine Momentaufnahme liefere, sondern Veränderungen zeige.

Spannend werde es, wenn man wie in Diespeck geplant, über das Straßennetz das Kanalkataster lege. Dann sehe man auf einen Blick, wo zum Beispiel Kanal- und Straßennetz gleichermaßen schlecht sind und somit mit einer offenen Bauweise am effektivsten saniert werden könne.

Die Gründer von vialytics, Achim Hoth, Danilo Jovicic und Patrick Glaser, haben eine App entwickelt, die es Kommunen möglich macht, ihren Straßenzustand selbstständig zu erfassen, was gleichzeitig die Grundlage für eine effiziente Straßeninstandhaltung ist. Das System basiert dabei auf einem modifizierten Smartphone, das in kommunalen Fahrzeugen wie zum Beispiel der Müllabfuhr oder in Kehrmaschinen an der Windschutzscheibe angebracht wird. Die Erfassung der Straßenzustände findet so ganz nebenbei statt. Kommunale Fahrzeuge, die während ihres Tagesgeschäfts auf den Straßen unterwegs sind, nehmen mithilfe des vialytics-Phones automatisch alle vier Meter ein Bild der Straßenoberfläche auf. Zusätzlich reagiert ein integrierter Sensor auf Erschütterungen, der GPS-Empfänger bestimmt den zugehörigen Standort. Auf den erfassten Bild- und Erschütterungsdaten werden personenbezogene Daten wie Gesichter und Kennzeichen durch einen Algorithmus anonymisiert.

Wurden alle personenspezifischen Informationen geschwärzt, kommt die eigentliche KI von vialytics ins Spiel und wertet ganz automatisch den Straßenzustand aus. Sämtliche Straßenschäden wie zum Beispiel Schlaglöcher oder Risse werden von der KI markiert, analysiert und einzelnen Schadenskategorien wie Schlaglöchern, Rissen oder Flickstellen zugeordnet. Die Ergebnisse dieser Analyse fließen in eine Online-Karte ein, die den Zustand jedes Straßenabschnitts mit einer Schulnote bewertet. Mithilfe dieser Karte können problematische Stellen rasch inspiziert und dringende Ausbesserungsmaßnahmen schneller und effizienter geplant werden. Arbeitspakete können somit von Bauhöfen gebündelt und unnötige Fahrten vermieden werden. Zusätzlich können gemeldete Mängel erstmals bequem im Büro begutachtet werden. Wird ein Schlagloch mit Kaltasphalt verfüllt, kann auch dies laut von Dobschütz in das System eingetragen werden.

Mit der Firma sei von den Allianzgemeinden ein dreijähriger Vertrag geschlossen worden. Zweimal im Jahr werde das Straßennetz befahren, insgesamt bis 2022 also sechsmal. Damit könne man auch bei neuen Straßen sehen, wie hoch der Abrieb nach drei Jahren sei, was auch für die Abschreibung interessant sei, meint der Diespecker Bürgermeister.

Ziel ist es laut Rüdiger Eisen, die Straßen der Kommunalen Allianz auf ein gutes Niveau zu heben. Dort, wo Investitionen getätigt werden, soll die Nutzungsdauer der Straßen durch effiziente Instandhaltung verlängert werden. 

GERHARD KRÄMER

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