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Kur auf Kassenkosten: Aufwind für Kurort Bad Windsheim?

Im Sommer könnten ambulante Badekuren wieder zur Pflichtleistung für Krankenkassen werden - 03.03.2021 06:00 Uhr

Der Salzsee der Franken-Therme könnte schon bald auch ein Element offener Badekuren sein.

02.03.2021 © Foto: Studio Waldeck


Kurdirektor Mike Bernasco ist "sehr froh" über die geplante Neuregelung, dank derer sich die Stadt "deutlich weiterentwickeln kann als Kurort". Dem Vernehmen nach könnte das neue Gesetz im Sommer in Kraft treten, ab Juli wieder auf Rezept gekurt werden.

Noch aber ist es nicht soweit. Am Freitag vergangener Woche hat sich der Bundestag erstmals mit dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung befasst und es zur weiteren Beratung an den Gesundheitsausschuss überwiesen. Eines der zahlreichen zentralen Ziele dieses "Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetzes" wird auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums wie folgt beschrieben: "Ambulante und stationäre Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten werden von Ermessens- in Pflichtleistungen umgewandelt."


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Bei all dem handelt es sich um eine späte Kehrtwende. 1998 war die Kur auf Rezept als Teil der Gesundheitsreform von der Liste der Pflichtleistungen gestrichen worden, was zu großen Einbußen und Verwerfungen bei etlichen Heilbädern geführt hatte. Bad Windsheim hatte dies mit seinen Reha-Kliniken noch vergleichsweise gut kompensieren können. Der Sektor der ambulanten Kuren aber verkümmerte auch hier mehr und mehr. "Das ist vernachlässigt worden und war mehr oder weniger eingeschlafen", beschrieb Mike Bernasco, Geschäftsführer der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH (KKT) wie auch der Franken-Therme Bad Windsheim GmbH, im Oktober 2019 seine Einschätzung.

Um so mehr freut sich der Kurdirektor über die neuen Impulse, welche nun die Politik zu geben gedenkt – nach Einschätzung Bernascos nicht zuletzt dank des Einsatzes des bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek und des Bayerischen Heilbäderverbandes (BHV), dessen Vorsitzender Holetschek lange war.

Bevor die Politik dieser Art der Gesundheitsvorsorge Ende der 1990er-Jahre einen schweren Schlag versetzte, hatten laut BHV jährlich rund 900 000 Bundesbürger eine ambulante Vorsorgekur gemacht, 2019 waren es noch knapp 32 000. Dabei mussten die Patienten einen hohen Eigenanteil für die offenen Badekuren leisten, etwa für die Kur Urlaub nehmen. Die Krankenkassen zahlten einen Übernachtungszuschuss und übernahmen die Kosten der vor Ort verordneten Anwendungen. Wie dies künftig geregelt werden soll, bleibt abzuwarten.

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Eine wachsende Bedeutung wird in jedem Fall den Badeärzten zukommen, die derart Kurenden vor Ort betreuen. In Bad Windsheim erledigt dies seit knapp zwei Jahren Dr. Matthias Krause gewissermaßen neben seiner Tätigkeit als Ärztlicher Leiter des Medizinischen Versorgungszentrums in der Klinik. Krause könnte auf diesem Feld bald schon deutlich mehr zu tun bekommen, woraus wiederum Mike Bernasco eine klare Zielsetzung ableitet: "Wir wollen unbedingt zusätzliche Badeärzte gewinnen."

Voll ins Konzept offener Badekuren passt die direkt neben der Franken-Therme eröffnete neue Hautarztpraxis von Dr. Kirsten Kramer. Dank ihr kann wie berichtet auch die 2010 mit dem Bayerischen Innovationspreis im Tourismus ausgezeichnete Photo-Sole-Therapie mit der Therme einem breiteren Patientenkreis zugänglich gemacht werden.

Um den nahenden Aufwind zu nutzen, will man sich im hiesigen Heilbad frühzeitig entsprechend positionieren, schließlich steht Bad Windsheim in der Werbung um die Gunst der Kurenden in Konkurrenz mit den anderen Heilbädern. Entsprechende Infrastruktur und auf diese Klientel zugeschnittene Angebote gelte es zu schaffen. Auch wenn die Rahmenbedingungen in Bad Windsheim grundsätzlich schon mal gut seien, macht Mike Bernasco klar: "Wir müssen drumherum etwas bieten, das ist uns schon bewusst."

"Morgens Fango, abends Tango" – dieses früher so beliebte wie geflügelte Wort zur Beschreibung der Kur war mehr als 20 Jahre lang Geschichte, nun könnte es in gewisser Wiese wieder mit Leben erfüllt werden. Tanztee, Konzerte und weitere kulturelle Veranstaltungen, touristische Ausflugsfahrten in die Region und anderes mehr gehörten einst zum Standardangebot der städtischen Kurverwaltung beziehungsweise deren Nachfolgeorganisation, der KKT.

Nun gelte es zunächst abzuwarten, welche Ausgangslage der Gesetzgeber schaffen wird, dann werde man sehen, woran man anknüpfen und was Neues geschaffen werden könne, sagt Bernasco. Sobald dies klar sei, wolle er "alle Beteiligten mitnehmen", kündigt der Kurdirektor an – und meint damit nicht nur die im Gesundheitssektor Tätigen, sondern beispielsweise auch Gastronomie und Hotellerie. Denn Bernasco hofft neben einem langfristigen Erfolg der Badekuren auch auf "Impulse für die ganze Stadt".

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