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Donnerstag, 19.09.2019

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Kurstadt im Zeichen des Tag des offenen Denkmals

Scheunen, Keller und mehr stoßen in Bad Windsheim auf großes Interesse - 09.09.2019 09:43 Uhr

Mit einem Festvortrag, dem Auftritt des Spielmanns- und Fanfarenzugs und einer Ausstellung historischer, landwirtschaftlicher Geräte wurde der Tag des offenen Denkmals in Bad Windsheim offiziell eröffnet. © Claudia Lehner, NN


Der Grundstein für das heutige Heilbad wurde 1891 mit der Entdeckung einer Mineralquelle in der Altstadt, der Sankt-Anna-Quelle gelegt, wie Bürgermeister Bernhard Kisch bei der Eröffnung vor rund 80 Zuhörern erklärte. Es folgten unter anderem das 1906 erbaute Kurhaus, die Ernennung zur Bäderstadt 1961 und 2005 die Einweihung der Franken- Therme. "Vor Umbrüchen muss man keine Angst haben, wenn eine Stadt diese positiv gestaltet", war das Fazit, das Kisch daraus zog.

Die frühere starke landwirtschaftliche Prägung ist nur noch an historischen Gebäuden nachvollziehbar. Kisch hofft, dass die angebotenen Besichtigungen dazu beitragen, "bewusst zu machen, welche Schätze wir haben". Die sollen erhalten werden. "Mit dem Klosterchor haben wir eine große Aufgabe vor uns", erklärte er. Dass daran viele mitwirken, darauf hofft auch Sabine Detsch, Vorsitzende des Vereins Klosterchor & historische Stadtbibliothek, die das Programm des Tages mitgestaltet hatte.

Der einstigen landwirtschaftlichen Prägung der heutigen Kurstadt widmete sich Professor Konrad Bedal, früherer Leiter des Freilandmuseums. Ob nun Bad Windsheim wirklich eine Ackerbürgerstadt war – darüber könne man als Wissenschaftler lang und breit diskutieren, erklärte er. Doch sicher sei, für nahezu alle Bürger hätten Ackerbau und Viehzucht eine wichtige Rolle gespielt, ob als reine Landwirte oder zusätzlich zu Gewerbe oder Handwerk. Heute sind die landwirtschaftlichen Wurzeln vor allem an Scheunen abzulesen – der "gegenwärtig gefährdetsten Gruppe" im Baubestand. Allein rund 70 Scheunen aus der Zeit vor 1800 können laut Bedal nachgewiesen werden. Im Urkataster von 1828 seien gar rund 200 eingezeichnet, etwa eine bei jedem zweiten Anwesen. Ausgenommen seien vor allen Häuser von Tagelöhnern oder reichen Bürgern. "Es gibt wohl kaum eine süddeutsche Stadt vergleichbarer Größe, die einen so großen und vor allem altersmäßig so weit zurückgehenden Bestand an Scheunen besitzt wie Bad Windsheim, selbst Rothenburg und Dinkelsbühl können hier nicht mithalten", erklärte Bedal. Die eindrucksvolle Liste der erhaltenen und datierten Scheunen reiche vom 14. bis zum 20 Jahrhundert.

Einige waren gestern zu besichtigen. Zum ersten Mal bei einer Führung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden die mittelalterliche Scheune im Teufelshof und der Keller des Brauhauses daneben. In der Scheune sind noch viele Spuren eines Stadels von 1341 vorhanden. Das Interesse war so groß, dass der Zeitplan bald nicht mehr funktionierte. Noch vor der Scheune drängten sich die Interessierten, sodass Bedal einfach für die draußen Gebliebenen noch einmal begann. "Überwältigend" nannte denn auch Sabine Detsch das große Interesse am diesjährigen Tag des offenen Denkmals.

Dr. Herbert May führte anschließend – ebenfalls mehrfach – durch den Keller des Gasthauses Zum Hirschen, der im Kern aus dem Jahr 1358/59 stammt, sowie durch die Prellsche Scheue nicht weit entfernt, die im Jahr 1398 errichtet wurde. Und heute noch fast genauso dasteht. 1632 wurde eine Zwischendecke eingezogen, 1832 die Scheune erweitert. Besonders ist auch, dass es eines der ersten Gebäude in Süddeutschland war, das Anfang der 1970er-Jahre mittels Dendrochronologie genau datiert wurde.  

Claudia Lehner

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