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Landesgartenschau in Bad Windsheim: Wer wird Geschäftsführer?

Noch im Herbst wird eine Gesellschaft gegründet - Brisante Personalentscheidungen - 13.09.2020 06:00 Uhr

Ein Teil des größten denkmalgeschützten Kurparks Bayerns soll in die Landesgartenschau 2027 integriert werden, doch nun muss erst einmal eine Gesellschaft gegründet und ein definitives Konzept erstellt werden.

11.09.2020 © Foto: Stefan Blank


 Blumenmeer im Norden der Kurstadt, grüne Verbindungsachse zwischen Therme und Freilandmuseum, vielleicht eine Surfer-Welle, ein neuer Biergarten oder ein neuer Kurpark-Steg: Noch sind es sechseinhalb Jahre bis zur Eröffnung der Landesgartenschau im Mai 2027, doch nach der Bewerbung, der ersten Konzepterstellung und dem Zuschlag aus München stehen im Herbst wichtige Entscheidungen an. 
 

So muss die Stadt mit der Bayerischen Landesgartenschau-Gesellschaft eine Durchführungs-GmbH gründen, die zwei Geschäftsführer an der Spitze haben wird. Während die oder der eine von der Gartenschau-Gesellschaft vorgeschlagen wird, soll der andere eine lokale Persönlichkeit sein – von der Stadt bezahlt. Hinter den Kulissen wird spekuliert und diskutiert. Fest steht: Bürgermeister Jürgen Heckel wird es nicht, obwohl er es gerne gemacht hätte. Die WZ hat vier mehr oder weniger heiße Kandidaten auf dem Zettel: Stadtbaumeister Ludwig Knoblach, Geschäftsleitenden Beamten Jürgen Boier und die beiden ehemaligen Bürgermeister Wolfgang Eckardt und Bernhard Kisch.

Jürgen Boier.

11.09.2020 © Foto: Günter Blank


Egal mit welchem Lokalpolitiker man aktuell über das Thema spricht, ebenso wie Rathauschef Heckel oder Kurdirektor Mike Bernasco hüllen sich alle in Schweigen. Nach den Gesprächen zwischen Vertretern der Gartenschau-Gesellschaft um deren Geschäftsführer Martin Richter-Liebald und der Stadt Mitte August habe es eine kleine Sommerpause und keinen Kontakt mehr zwischen den zukünftigen Partnern gegeben, wie Richter-Liebald im Gespräch mit der WZ bestätigt. Sicher ist: Im Herbst dieses Jahres wird eine Bad Windsheimer Gartenschau-Gesellschaft gegründet. "Die Stadt wird mit 60 Prozent die Mehrheit dort haben", erklärt Richter-Liebald, so sei es Tradition. 40 Prozent liegen bei der 1978 vom Gärtnereiverband, dem für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau sowie dem Bund Deutscher Baumschulen in Bayern gegründeten, gemeinnützigen Landesgartenschau GmbH. Beteiligt sind zudem die Staatsministerien für Umwelt sowie Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

"Es gibt eine klare Rechtsform, nicht viel Spielraum", sagt Martin Richter-Liebald. Auch die Befugnisse innerhalb der Gesellschaft seien zum Teil vorgegeben. Zunächst wird es einen Workshop geben, in dem die Gründung vorbesprochen werden soll. Möglicherweise wird das Thema auch im nicht öffentlichen Teil der Stadtratssitzung am 17. September andiskutiert. Die Gesellschaft muss sich laut Richter-Liebald dann um die "Konkretisierung der Planung" kümmern, mit dem 96-seitigen Bewerbungsprospekt als Grundlage. Ausgeschrieben werden muss auch ein Realisierungswettbewerb, bei dem vor allem die Daueranlage im Mittelpunkt stehe, sagt Richter-Liebald. Unter "intensiver Bürgerbeteiligung" wird die Planung nach der Vergabe weiter vorangetrieben.

Zwar wird es auch einen Aufsichtsrat geben, aber wichtige Persönlichkeiten werden die beiden Geschäftsführer sein. Aus München wird meist ein Landschaftsarchitekt mit "langjähriger Gartenschau-Erfahrung" vorgeschlagen, sagt Richter-Liebald. Der Stadt-Kandidat muss wohl vom Stadtrat benannt werden. In der Regel werde von den Gemeinden ein Mitarbeiter der Verwaltung vorgeschlagen. In Wassertrüdingen, das die Gartenschau 2019 ausrichtete, war es der Geschäftsleitende Beamte – doch das muss nicht zwangsläufig der Fall sein.

Ludwig Knoblach.

11.09.2020 © Foto: Günter Blank


In der Kurstadt hat der 40-Jährige Jürgen Boier diesen Posten inne, der sich seit dem Bürgermeisterwechsel zur rechten Hand Heckels entwickelt hat. Die Tür zwischen Heckels und Boiers Büro sei "in den allermeisten Fällen offen", bekräftigt der Bürgermeister immer wieder, Boier begleitet Heckel zu fast allen öffentlichkeitswirksamen Terminen. Dennoch dürfte Boier, der erst seit Mitte 2019 bei der Stadt arbeitet und daher die meiste Zeit der Bewerbungsphase nicht involviert war, eher nicht erste Wahl sein. Einzig seine Nähe zu Heckel spricht für ihn.

Ein Städteplanungs-Experte

Bernhard Kisch.

11.09.2020 © Foto: Günter Blank


Bei Stadtbaumeister Knoblach ist die Lage deutlich anders: Der 60-Jährige war mit Bernhard Kisch eine der treibenden Kräfte bei der Entwicklung der mit dem Planungsbüro um Andrea Gebhard ausgearbeiteten Ideen, welche die Jury in München überzeugten. Knoblach ist ein ausgewiesener Städteplanungs-Experte. Ob sich Knoblach so ein Großprojekt aber noch als Geschäftsführer antut, ist fraglich, eher als Stadtbaumeister im Hintergrund.

Wolfgang Eckardt.

11.09.2020 © Foto: Günter Blank


Zu haben wäre auch der Mann, der seit seinem Wahlkampf für 2014 das Projekt Landesgartenschau mit hohem persönlichen Einsatz initiiert und vorangetrieben hat: Bernhard Kisch. Der seit dieser Woche 47-Jährige wartet derzeit ab, hat nach der verlorenen Stichwahl Ende März noch keinen neuen Job angenommen. Im Stadtrat war sein Name für den Posten bereits Thema und wenn Jürgen Heckel und er es miteinander hinbekommen, dann wäre der Ex-Bürgermeister die Optimalbesetzung. Fachlich und weil er ein guter Redner ist. Schließlich ist wohl kein Bad Windsheimer mehr in dem Gartenschau-Konzept drin als Kisch. Für ihn spricht zudem, dass er in München gut vernetzt ist.

Vielen Bad Windsheimern kommt bei den Begriffen Großprojekt und Macher aber auch immer noch rasch der Name Wolfgang Eckardt in den Sinn. Der 61-Jährige ist beruflich zwar sehr gut beschäftigt und viel unterwegs, zuletzt mit einem Großprojekt für den Zoll in Leipzig, Eckardt könnte aber ein Geheimtipp auf den Posten sein, schließlich bemühte er sich in den vergangenen Monaten intensiv um ein möglichst gutes Verhältnis zu Heckel, mit dem er früher im Rat nur zu gern aneinandergeraten ist. Beim Vor-Ort-Termin der Gartenschau-Jury durfte der 61-jährige Altbürgermeister sogar einige Plätze vorstellen.

Noch ist nicht entschieden, wer die Planungen mit Bürgermeister Heckel zusammen als Geschäftsführer präzisieren darf. Welche Bedeutung die Gartenschau für die Kurstadt Bad Windsheim und ihre Bürger hat, wird aber schon sechseinhalb Jahre vor der Eröffnung immer deutlicher – und damit auch die Bedeutung der wohl wichtigsten Personalie.

STEFAN BLANK

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