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Donnerstag, 22.10.2020

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Landrat zu Corona: "Lieber auf Nummer sicher"

Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ist der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert sehr niedrig - 17.10.2020 06:00 Uhr

Die Zahl der Testungen auf eine Covid-19-Erkrankung steigt, die Zahl der Infizierten in Bayern auch, im Landkreis ist die Lage weiter ruhig.

© Foto: Claudia Lehner


Die Fallzahlen der mit dem Coronavirus Infizierten steigen exponentiell an – in München, in Nürnberg, in den Landkreisen Schweinfurt, Regen und vielen anderen, nur im hiesigen Kreis sind die Zahlen weiter gering. "Es ist sehr schön, dass wir keine unkontrollierbaren Zahlen haben", sagte Landrat Helmut Weiß im Gespräch mit der WZ, doch er mahnt zur Vorsicht und unterstreicht die Wichtigkeit der Aha-Regeln, Abstand, Hygiene, Alltagsmasken – auch bei den Kirchweihfesten, die ihm etwas Sorge bereiten.


Isolierung und Quarantäne: Das müssen Sie wissen


Während in 16 der 96 Landkreise sowie kreisfreien Städte in Bayern der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert in Bezug auf 100 000 Einwohner laut Landesamt für Gesundheit (LGL) über der 50er-Marke liegt, die sogenannte Corona-Ampel auf knallrot steht, geben das Landesamt für Gesundheit und das Robert-Koch-Institut (RKI) für den Kreis einen Wert von 1,98 oder 2,0 (Stand Freitag, 0 Uhr beziehungsweise 8 Uhr) an. Auch wenn die Werte aufgrund der vom Landratsamt gemeldeten Infizierten-Zahlen nicht stimmen können, ist die Lage relativ entspannt. "Das liegt wohl auch daran, dass unser Landkreis dünn besiedelt ist, wir keine Ballungszentren haben", erklärt Weiß, aber auch daran, dass die Kreisverwaltung hart daran arbeite und die Leute sehr sensibel mit dem Thema umgehen würden. "Die Leute im Landkreis sind absolut vernünftig."


Corona: So viele Fälle gibt es in den Gemeinden


Warum die Zahlen von Kreis – Stand gestern Mittag 314 labordiagnostisch bestätigte Corona-Fälle und damit einer mehr als am Vortag –, LGL und RKI (jeweils 307) stark variieren, konnte sich Weiß gestern Abend "nicht erklären". Die Werte von LGL und RKI (der höhere zählt) sind ausschlaggebend für eine Verschärfung der Maskenpflicht, Sperrstunden oder Begrenzungen privater Treffen (siehe Berichte im überregionalen Teil). Aufgrund der Landratsamtszahlen, die laut Weiß "die richtigen sind", ergibt sich ein Inzidenz-Wert zwischen acht und neun, in der aktuellen Lage ein immer noch geringer.

Wöchentliche Lagebesprechungen

Ausruhen auf den positiven Meldungen wolle das Landratsamt sich auf keinen Fall, bekräftigt Weiß, knapp 40 Mitarbeiter sind mehr oder weniger dauerhaft mit der Pandemie beschäftigt. Im Landratsamt gibt es wöchentliche Lagebesprechungen der Koordinierungsgruppe. "Wir dürfen nicht leichtsinnig werden", sagt Weiß, "dürfen nicht zulassen, dass die Zahlen sich stark erhöhen." Falls dies doch irgendwann der Fall sein sollte, die Ampel Rot werden sollte, "gibt es klare Vorgaben von der Staatsregierung", sagt Weiß. "Da brauchen wir das Rad nicht neu erfinden, sondern nur auf die Landkreis-Besonderheiten modifizieren."

Eine Übersicht zu den Neuinfektionen in Bayern sehen Sie hier. Beim Klick auf den jeweiligen Landkreis erhalten Sie weitere Daten.

 

In den Kreiskliniken in Neustadt und Bad Windsheim werde derzeit ein Corona-Patient behandelt, er liege auf Normalstation. Zwölf Isolierzimmer werden freigehalten, man könne rasch eine ganze Station mit knapp 40 Betten zur Verfügung stellen. Auch Intensivbetten stehen bereit. Man stoße aber schnell an Kapazitätsgrenzen, gerade bei Beatmungsgeräten.

In Bezug auf die Menschen sagt der Landrat: "Ich merke bei Gesprächen, dass die Leute sich sehr sensibel an die Regeln halten. Die Allermeisten würden die Auflagen für richtig halten. "Das macht mich schon ein bisschen stolz." Ob es bei den geringen Zahlen im Landkreis bleibt? "Ich kann nicht in die Glaskugel sehen", sagt der Landrat. "Wir versuchen aber alles, um die Zahlen gering zu halten." Vorwerfen könne die Bevölkerung seiner Behörde "vielleicht, dass wir ein bisschen konsequenter sind in manchen Dingen, etwas vorsichtiger", sagt Weiß. "Die Verantwortung trage ich und ich gehe da lieber auf Nummer sicher."


Corona-Quarantäne: Alles ab in den Restmüll?


Der Oktober ist traditionell der Monat der Dorfkirchweihen im Kreis. "Ob da Abstand immer eingehalten wird, wage ich anzuzweifeln", sagt Weiß. Er habe "ein bisschen Angst vor einem Hotspot", aber Vertrauen in die Mitmenschen. Und: "Bei allen Anstrengungen braucht man auch ein bisschen Glück. Wenn wir zusammenhalten, werden wir es gut überstehen."

STEFAN BLANK

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