Montag, 19.04.2021

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Lange vor Corona-Krise: Rätsel um historische Maske im Fränkischen Freilandmuseum

Eine Schenkung wirft bei Mitarbeitern des Freilandmuseums Fragen auf - 08.04.2021 06:00 Uhr

Die Atemschutzmaske „Hexa-Schutz“ aus Eggenfelden wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts produziert.

07.04.2021 © Foto: Michaela Lang/Fränkisches Freilandmuseum


Manchmal bekommt man unvermittelt etwas in die Hand gedrückt und dann stellt es sich als etwas Spannendes heraus. So ging es Juliane Sander, die als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fränkischen Freilandmuseum für Sammlungen zuständig ist. Ein unscheinbares braunes Päckchen mit einer historischen Atemschutzmaske war bei der Auflösung einer Drogerie in Eggenfelden in Niederbayern gefunden worden.

Mehr über die Maske herauszufinden, war allerdings gar nicht so einfach. Michaela Lang hatte sich in ihrem vierwöchigen Praktikum im Museum im März des Themas angenommen. Sie ist gerade dabei, ihr Studium der Kunstgeschichte in Marburg abzuschließen, und hat im Freilandmuseum in die Forschungs- und Museumsarbeit geschnuppert.

Was sie über die Maske herausfand oder eben nicht, war so interessant, dass diese zum Objekt des Monats April wurde – auch weil Masken dank Corona plötzlich Teil des heutigen Alltags geworden sind. Seit wenigen Jahren werden im Museum Objekte, die sonst nicht zu sehen sind, besonders präsentiert: auf der Internetseite und auch im Eingangsbereich in einer Vitrine neben der Kasse. Dabei gehe es auch darum, erklärt Sander, einen Einblick in die Sammlungs- und Forschungsarbeit des Museums zu geben.

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Wie man Atemschutzmasken korrekt und komfortabel trägt und auch was der passende Filter ist, sind aktuelle Fragen. Neu sind diese jedoch nicht: Bereits im Jahr 1878 berichtete Dr. E. Hlawacek in der Zeitschrift "Die Gartenlaube" begeistert vom sogenannten Watte- oder Baumwolle-Respirator, der von Dr. Wolf aus Frankenstein in Schlesien entwickelt worden war. Gedacht war er für Personen, die berufsbedingt Staubwolken, giftigen Schadstoffen oder Krankheitserregern ausgesetzt waren.

Für 80 Pfennig

Hlawacek sprach sich für das verpflichtende Tragen solcher Schutzmasken für Fabrikarbeiter aus, die besonders großen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt waren. Mit einem geringen Preis von 80 Pfennig sollte die Maske zudem jeder Person zur Verfügung stehen können, schreibt Lang. Ob der Watte-Respirator tatsächlich massentauglich sowie zweckdienlich war und in größerer Stückzahl produziert wurde, gehe aus dem Text nicht hervor. Jedoch liefert der Autor eine Anleitung, wie man sich aus einem Gerüst aus dünner Pappe, Flor- oder Gazestoff, einem Filter aus Watte oder Baumwolle sowie Gummibändern selbst ein einfaches Modell anfertigen kann.

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Die Maske, die sich seit dem vergangenen Jahr im Besitz des Freilandmuseums befindet, ist ähnlich unkompliziert aufgebaut. Es handelt sich um eine Schutzbinde aus Gaze, die man sich um den Kopf bindet. Eine mit Hexamethylentetramin imprägnierte Einlage wird vor dem Tragen angefeuchtet und vorne in eine Tasche eingelegt. Die Markenbezeichnung Hexa-Schutz leitet sich von der oben genannten chemischen Verbindung ab, die aufgrund der Ausgangsstoffe Ammoniak und Formaldehyd bestimmte Säuren neutralisieren kann und desinfizierend wirkt. Verpackungsdesign, das Wort "Schutzmaske" sowie die Sütterlin-Schrift lassen die Maske in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts datieren.

Eine ganz einfache Maske, die um den Kopf geschlungen wurde, sollte Schutz bieten. im Mundbereich wurde ein Filter mit chemischen Mitteln getränkt. 

07.04.2021 © Michaela Lang/Fränkisches Freilandmuseum


Zur Herkunft der Maske ist jedoch nicht viel bekannt, außer, dass sie aus einer aufgelösten Drogerie in Eggenfelden stammt. Weitere Informationen zum Hersteller, zu Vertriebswegen, zum Preis oder dem genauen Anwendungsbereich gibt es derzeit nicht. Keines der anderen angefragten Museen besitze eine solche Maske, erklärt Sander. Weder das Medizinhistorische Museum in Ingolstadt, noch die DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund, das Deutsche Historische Museum in Berlin oder das Deutsche Hygiene Museum Dresden konnten Lang weiterhelfen. Das macht die Maske natürlich auch interessant.

Das sei Teil der Forschungsarbeit, erklärt Sander, die Lang ja kennenlernen sollte. Wenn es über ein Objekt noch keine Informationen gibt, dann sei der Austausch mit Kollegen ein Weg. Eine Internetrecherche habe in diesem Fall sehr wenig gebracht, schreibt Lang. Zum Schlagwort Maske erschienen fast ausschließlich Treffer zum aktuellen Geschehen.

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Das Freilandmuseum im Internet

Während der Corona-Schließung hat sich das Fränkische Freilandmuseum in kürzester Zeit zu einem Vorreiter digitaler Vermittlung entwickelt. Die Webseite und die Social-Media-Kanäle des Museums bieten unter dem Hashtag #freilandfürzuhause Infotainment und Wissensblogs aus der Museumsforschung. Beinahe täglich gibt es neue Posts und Videos für die Abonnenten.


Das Museum hofft nun, dass Besucher oder Leser etwas wissen, und bittet um Mithilfe bei der Lösung des Maskenrätsels. Wer etwas weiß, soll sich beim Freilandmuseum melden.


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In Pademiezeiten hat das Museum nur geöffnet, wenn der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim stabil unter der Marke von 100 liegt. Es gibt aber auch online einiges zu entdecken. Weitere Objekte werden auf der Internetseite des Freilandmuseums vorgestellt (https://freilandmuseum.de), unter dem Motto #freilandfürzuhause. Auch Bautagebücher über aktuelle Museumsprojekte sind dort zu finden.

CLAUDIA LEHNER

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