Montag, 21.10.2019

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Live dabei im Unterricht am Tag des offenen Klassenzimmers

Die Wirtschaftsschule gewährt am Samstag umfassende Einblicke in ihr Angebot und ihre Arbeitsweise - 15.03.2019 11:00 Uhr

Schulleiterin Christina Müller (links) und ihre Stellvertreterin Michaela Müller bewerben den morgigen Tag der offenen Schule. © Günter Blank


Im Gegenteil: Leiterin Christina Müller und ihre Stellvertreterin Michaela Müller gehen in die Offensive und rühren die Werbetrommel für die seit August 2017 unter dem Dach des BSZBW vereinten Berufsschule und Wirtschaftsschule. Letztere bietet am morgigen Samstag allen Interessierten die Gelegenheit, Einblicke in Angebot und Alltag der Schule zu gewinnen: Beim Tag der offenen Schule am Samstag, 16. März, von 10 bis 14 Uhr.

Der Clou dabei: Am Samstag findet in einigen Klassen Unterricht statt, die Besucher können das Geschehen live verfolgen. Neben der unterrichtenden Lehrkraft wird in jedem Raum eine weitere für Erläuterungen zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es Impulsvorträge, der Elternbeirat sorgt für Verpflegung. Selbstverständlich ist die Anmeldung zur Schule möglich. Interessant dabei: Die Wirtschaftsschule startet ab dem Schuljahr 2020/21 in der sechsten, anstatt wie bislang siebten Jahrgangsstufe.

Das Bad Windsheimer BSZ hat in seiner Qualitätsarbeit den Schwerpunkt "Guter Unterricht" gesetzt. Wie vielfältig dieser Unterricht ist, soll morgen beim "offenen Klassenzimmer" für alle sichtbar werden. Zu erleben sind moderner Mathematik-Unterricht, der Unterricht in Betriebswirtschaftlicher Steuerung und Kontrolle (BSK) mit und ohne Tablets sowie in Sozialkunde und Englisch. Über die Schulter schauen können die Gäste auch Schülern des Übungsunternehmens und der Robotik-Gruppe.

Die Vorträge haben folgende Themen: "Chancen nach der Wirtschaftsschule", "Lernen lernen (aus Elternsicht)", "Verantwortungsvoller Umgang mit neuen Medien" und "Lernen 2.0 – Online-Lernplattformen nutzen".

Damit nicht genug, am morgigen Samstag gibt es in verschiedenen Räumen Interessantes zu sehen und zu erleben. Die Schulsanitäter stellen sich und ihre Tätigkeit ebenso vor wie die Streitschlichter und die Schülermitverantwortung. Zudem gibt es eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg sowie Informationen zur Wirtschaftsschule im Allgemeinen und zum Schüleraustausch mit Bad Windsheims italienischer Partnerstadt Este. Für kleine Kinder wird in der Bibliothek eine Betreuung angeboten.

Um einen weiteren Anreiz zum Besuch des Tags der offenen Schule zu setzen, haben sich die Schulleiterinnen Christina und Michaela Müller einen Gag überlegt, den Christina Müller so beschreibt: "Jeder, der einen interessierten Gast mitbringt, darf an einer Verlosung teilnehmen." Finanziell unterstützt wird dieses Gewinnspiel vom Förderverein der Schule. Der detaillierte Zeitplan zur morgigen Veranstaltung ist im Internet unter www.bw-bsz.de zu finden.

Impulse hat vor allem das BSZ selbst nötig. Die Zahlen sprechen für sich: Gegenüber dem Höchststand aus dem Schuljahr 2001/02 hat sich die Zahl der Schüler an der Wirtschaftsschule nahezu halbiert, auf nunmehr 205. An der Berufsschule ist der Metallzweig bereits vor geraumer Zeit weggebrochen, auch Bäcker, Fleischer und Frisöre werden hier nicht mehr unterrichtet, die Sparte Bank ist am Wegbröseln. Wettbewerbsvorteile seien der gute Kontakt zu den Betrieben und das gute Verhältnis zur benachbarten Mittelschule.

Zwei ungünstige Verläufe

Für den Rückgang der Schülerzahlen an beiden Schulen des BSZ sind für Christina Müller "zwei ungünstige Verläufe" ursächlich. Zum einen meint sie die Demografie, wobei sie hier in einigen Jahren auf ein abermaliges Anwachsen des Schülerpotenzials hofft, zum anderen die Ausrichtung des BSZ. "Wir sind ein kaufmännisches Schulzentrum", sagt die Schulleiterin, doch ziele man damit genau "auf die Branche, die bayern- und deutschlandweit einen Rückgang von mehr als zehn Prozent hat".

Weil die Schülerzahlen bei den Berufsintegrationsklassen (BIK) zurückgehen, könnte dieser dritte Bereich des BSZ bald wegbrechen. "Wir bleiben auch ohne BIK ein berufliches Schulzentrum", sagt Schulleiterin Müller, doch wäre es natürlich wünschenswert, neue Berufe an diesem anzusiedeln. Zuwachs gebe es derzeit vor allem im IT-Bereich und im Gewerbe, doch sei es gerade im ländlichen Raum schwierig, auf diesem Sektor ein Angebot auf die Beine zu stellen. Zum einen, weil es die jungen Leute in die Zentren zöge. Zum anderen sei es für ein kaufmännisch ausgerichtetes Berufsschulzentrum eine Herausforderung, hinsichtlich der Ausstattung in allen Bereichen stets auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

Also stellen Christine Müller und ihre Stellvertreterin mit Blick in die Zukunft andere Überlegungen an. So können sie sich vorstellen, in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Windsheim und den Kliniken Kompetenzen auf dem Feld des Gesundheitswesens aufzubauen. Sie denken dabei an die Einrichtung eines Sprengels mit großem Einzugsgebiet, gerne über Bayern hinaus, verbunden mit dem Bau eines Wohnheims. "Sonst haben wir immer zu wenige Schüler."

Leistbar sei seitens des BSZ vieles. Schließlich seien die Mitglieder des Kollegiums "als Wirtschaftspädagogen generalistisch aufgestellt, breit und vielseitig einsetzbar", wie Michaela Müller sagt. Die 40 Lehrerinnen und Lehrer beider Schulen bilden heute ein Kollegium. "Das Zusammenwachsen ist ein Prozess, da sind wir unterwegs", sagt Christina Müller.

Handlungsbedarf sieht die Schulleiterin in jedem Fall: "Wenn man Bad Windsheim halten will, muss man sich etwas überlegen", sagt sie. "Es ist nicht schön, ein berufliches Schulzentrum zu gründen und sich dann in der Abwicklung zu befinden – gefühlt zumindest", sagte Müller kürzlich bei einer Sitzung des Stadtrats, als sie dort die Situation am BSZ skizzierte.

Ein Hoffnungsschimmer ist für die Schulleiterin der künftige Einstieg in die Wirtschaftsschule ab der sechsten Jahrgangsstufe. Sie wünscht sich sogar, schon in der Klasse fünf starten zu können, um im Wettbewerb mit den Realschulen und Gymnasien bessere Startbedingungen zu haben. Auf der anderen Seite würde es dann wohl "zu einem Aufschrei der Mittelschule kommen", denn auch diese fürchte um ihre Schüler.

GÜNTER BLANK

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