Kostenfreie Tests für Pflegeheim-Besucher

Missbrauchsgefahr: Berechtigungsscheine für Corona-Tests in Seniorenheimen

Anna Franck

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14.10.2021, 06:00 Uhr
Nicht-Geimpfte und -Genesene können sich für einen Besuch im Pflegeheim auch weiterhin kostenlos testen lassen

Nicht-Geimpfte und -Genesene können sich für einen Besuch im Pflegeheim auch weiterhin kostenlos testen lassen © Isabel-Marie Köppel, NN

Berechtigungsscheine finden seit kurzem im Seniorenheim Neumühle in Bad Windsheim Anwendung, wie Pflegedienstleiterin Petra Stamm auf Nachfrage erklärt. Die Einrichtung stellt sie entweder auf Dauer oder einmalig aus – je nachdem, wie oft der jeweilige Angehörige zu Besuch kommt. Eine Beschränkung auf bestimmte Angehörige ist im Allgemeinen übrigens nicht vorgesehen. Eine gewisse Vorsicht sei beim Ausstellen angebracht, findet Stamm. Kommen Angehörige sonst beispielsweise einmal pro Monat zu Besuch und würden einen dauerhaft gültigen Berechtigungsschein ausgestellt bekommen, könnten sie sich stets kostenlos testen lassen und den Nachweis freilich auch in anderen Lebensbereichen einsetzen. „Da muss man schon abwägen“, findet Petra Stamm, sonst werde das ausgenutzt.


Angehörige würden im Vorfeld anrufen, dann bekommen sie den Schein und könnten sich damit kostenfrei testen lassen. Tests vor Ort sind nicht möglich, „das ist personell nicht leistbar“, Selbsttests vor Ort würden akzeptiert. Laut Mitteilung des Landratsamtes können kostenlose Corona-Schnell-Tests für Besucher in Pflegeheimen ausschließlich in kommunalen Testzentren durchgeführt werden. Im Landkreis steht dafür nur das Impf- und Testzentrum in Baudenbach zur Verfügung. Zudem hätten solche Angehörige nur das Recht auf einen Schnell-Test, keinen PCR-Test.


Stets dauerhaft ausgestellt werden die Scheine im Seniorenzentrum Lichtblick in Burgbernheim, wie Leiterin Brunhilde Schäfer erklärt. Bezüglich testen bietet die Einrichtung das Komplettpaket: Sowohl Testbescheinigungen von offizieller Stelle als auch vor Ort unter Aufsicht durchgeführte Selbsttests werden akzeptiert. Außerdem testet das Heim bei Bedarf vor Ort, das Ergebnis sei aber nur für den Besuch gültig, Nachweise werden nicht ausgestellt.


Im Haus an den Rangau Wiesen in Bad Windsheim und dem Obernzenner Marienheim werden die Berechtigungsscheine ebenfalls dauerhaft gültig ausgegeben – bis zur Anpassung der Testvorgaben, erklärt Diakoneo-Pressesprecher Markus Wagner. Besucher müssen ihren negativen Nachweis stets mitbringen, Selbsttests vor Ort reichen nicht aus. Ganz anders handhabt es der Vitalis Wohnpark in Bad Windsheim, wie Leiterin Sabine Wilke erklärt. Berechtigungsscheine gibt es dort nicht, stattdessen werden ungeimpfte und ungenesene Angehörige vor Ort kostenlos getestet. Diese müssen sich im Vorfeld telefonisch anmelden. „So bin ich nur verantwortlich für unser Haus“, erklärt Sabine Wilke.


Wie das Testen in Zukunft in der Bad Windsheimer Hospitalstiftung ablaufen soll, ist derzeit noch nicht klar, wie Pflegedienstleiterin Eva Szczepanski sagt. Einrichtungsleiterin Jessica Leßmann sei in dieser Woche außer Haus, man müsse sich erst besprechen. Angehörige müssen auch hier vor ihrem Besuch telefonisch Kontakt mit der Einrichtung aufnehmen.


Übrigens: Generell halte sich die Nachfrage nach Tests in vielen Einrichtungen in Grenzen, die meisten Angehörigen seien mittlerweile geimpft, beschreiben Brunhilde Schäfer, Petra Stamm, Markus Wagner und Eva Szczepanski ihren Eindruck.

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