Tag der offenen Tür am Samstag

Nach sieben Jahren Umbau: Spielmannszug weiht Zunfthalle ein

9.9.2021, 06:00 Uhr
2019 führte ein Umzug des Vereins direkt an der Zunfthalle am Ochsenhof vorbei.
 

2019 führte ein Umzug des Vereins direkt an der Zunfthalle am Ochsenhof vorbei.   © Bastian Lauer, NN


Das im Jahr 1860 als Turnhalle am Ochsenhof – in dem heute das Reichsstadtmuseum untergebracht ist – errichtete Gebäude war ab 1998 zum Vereinsheim des Spielmannszugs umgebaut worden. Eine Zwischendecke wurde eingezogen, Räume im Erd- und neuen Obergeschoss angelegt, erinnert sich Heubusch, der seit 29 Jahren an der Spitze des Vereins steht. 2002 war Einweihungsfeier.


Zu den damals neuen Räumen zählte im hinteren Bereich des Erdgeschosses ein großes Lager. 2014 waren dort „Feuchtigkeitsschäden“ entdeckt worden, sagt der 51-Jährige. Der Boden im Obergeschoss hatte sich dadurch teils gesenkt. Durch die Feuchtigkeit waren auch die Stützbalken aus Holz quasi „weggeschimmelt“. Das Lager musste gesperrt werden, die Durchführung von Veranstaltungen „im Ochsenhof“ – wie viele, auch Heubusch, bequemerweise sagen – wurde stark erschwert.


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Der Verein gründete einen „Bauausschuss“, um das Vorgehen zu planen. Ingenieure, Architekten – viele Ideen. Viele gute, betont Heubusch, aber einiges war gar nicht umzusetzen. Vor allem aus Kostengründen.


In dem Lager hingen noch alte Holzvertäfelungen an den Wänden, der alte Holzboden, auf dem geturnt worden war, lag zu Teilen noch drin. Das habe man einst belassen, weil es eh nur ein Lager werden sollte, erklärt Heubusch. Nun musste alles raus. „Wir haben alles komplett entkernt.“ Teils waren Maschinen im Einsatz.


Der neue Multifunktionsraum, der vor allem als Aufenthaltsraum von der Jugend genutzt werden soll.

Der neue Multifunktionsraum, der vor allem als Aufenthaltsraum von der Jugend genutzt werden soll. © Bastian Lauer, NN

Was neu entstehen sollte, waren Räume, die das Vereinsleben sinnvoll bereichern. Die alten Holzstützen wurden durch Eisenträger ersetzt, Gussasphalt bildet nun die Unterlage für einen Fliesenboden, es wurden Wände eingezogen, neue Technik, eine Lüftung, auch ein Behinderten-WC wurden eingebaut.


Neben Kosten von 155.000 Euro – zu großen Teilen bezuschusst – war vor allem die Zeit ein belastender Faktor. Sieben Jahre. „Wir haben viel in Eigenleistung gemacht“, erklärt Heubusch. Da der Verein in der Umbauphase „normal weiteroperieren“ wollte, gab es viele Konzerttermine zu besetzen. Da blieb oft keine Zeit für Sanierungsarbeiten. Dazu kamen Verzögerungen wegen des Themas Brandschutz – und natürlich die Corona-Pandemie.


Ein immenser Aufwand. „Wir haben das Ganze vor allem wegen der Nachwuchsförderung gemacht“, betont Heubusch. Die Suche nach jüngeren Leuten, die sich musikalisch und auch tänzerisch bei der Festspielgruppe engagieren wollen, sei seit vielen Jahren schwierig. Die kleinen Erfolge intensiver Bemühungen in 2019 seien durch die Pandemie direkt wieder „zunichte gemacht“ worden.


Das einstige Lager wurde mit schwerem Gerät aufgebaggert, um den feuchten Boden zu entfernen. Die Holzvertäfelungen an den Wänden mussten auch weg.
 

Das einstige Lager wurde mit schwerem Gerät aufgebaggert, um den feuchten Boden zu entfernen. Die Holzvertäfelungen an den Wänden mussten auch weg.   © Privat

Insofern sei es ganz wichtig, dass dieses Sanierungsprojekt nun zum Abschluss gebracht worden ist. Der Verein verfügt nun über zwei neue Probenräume, einen Multifunktionsraum, einen Requisitenraum, der bei Veranstaltungen auch als Garderobe dienen kann, ein Büro und ein Getränkelager.


Der Probenbetrieb, der durch die Pandemie stark erschwert wurde, sei nun wieder normal angelaufen. Im Oktober soll die neue Ausbildungsrunde von Nachwuchsmusikern beginnen. Die hätten dann ganz neue Möglichkeiten, betont Heubusch. Einzelne Register könnten in kleinen Gruppen parallel üben. Auch sei es dadurch nun möglich, Lehrgänge des Landesverbandes in Bad Windsheim durchzuführen. Vielleicht ein weiterer Anreiz, ein Instrument beim Spielmannszug zu erlernen, hofft Heubusch.


Zunächst wurden Ständerwände im einstigen Lager eingebaut, um neue Räume zu schaffen

Zunächst wurden Ständerwände im einstigen Lager eingebaut, um neue Räume zu schaffen © Privat

Ob die Hoffnungen auf einen Impuls beim Spielmannszug sich so erfüllen, müsse sich zeigen. Noch viel größer seien aber die Probleme bei der Festspielgruppe. Dieses Jahr musste die Wagnertanz-Aufführung zur Kerwa abgesagt werden. Eine Kombination aus Nachwuchs- und Trainingsmangel – nur teilweise pandemiebedingt. „Wir werden alles versuchen, das am Leben zu erhalten“, sagt Heubusch. Ziel sei es, zu Pfingsten 2022 den Wagnertanz aufzuführen. Wenn das nicht klappt? „Dann ist das vielleicht Geschichte.“


Zur Stabilisierung der Decke dienten Stützbalken, dann wurde jede Menge Bodenmaterial abgetragen.
 

Zur Stabilisierung der Decke dienten Stützbalken, dann wurde jede Menge Bodenmaterial abgetragen.   © Privat

Doch der 51-Jährige bleibt positiv: „Mehr als weiterkämpfen bleibt ja nicht und deswegen haben wir den Umbau auch so vorangetrieben.“ Im kommenden Jahr will Udo Heubusch den Vorsitz niederlegen. Nach 30 Jahren. Ihm sei es wichtig, einen gesunden Verein zu hinterlassen. Momentan sei man schuldenfrei. Und das Vereinsheim – „für uns der zentrale Punkt“ – sieht besser aus denn je.


Um 14 Uhr beginnt am Samstag der offizielle Teil des Tages der offenen Tür. Ab 15 Uhr ist die umgebaute Zunfthalle am Ochsenhof für die Öffentlichkeit frei zugänglich.

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