Mittwoch, 18.09.2019

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Nachhilfe-Projekt: Freiwillig in den Ferien lernen

Syrische Lehrerin startet Projekt und sucht Räume für die Schulzeit. - 10.09.2019 13:00 Uhr

Salam Shehada (links) unterrichtet Englisch im Lutherhaus. © Foto: Claudia Lehner


Das antworten sie jedenfalls mit leuchtenden Gesichtern und einem deutlichen "Ja". In der Schule, wo der Unterricht auf Deutsch stattfindet, sei es schon ein bisschen schwerer mitzukommen als auf Arabisch, geben sie zu. Bis zu drei Mal in der Woche konnten sie in den Ferien im Lutherhaus lernen: Englisch, Französisch, Arabisch, Deutsch. Bald soll Mathe dazukommen. Mit dem Schreiben auf Deutsch täten sich noch einige Kinder etwas schwer, erklärt Shehada, die zwar mit erkennbarem Akzent, aber bereits sehr gut die Landessprache spricht.

Unterrichtet wurde in den Sommerferien in altersgestaffelten Gruppen, jeweils zwei Stunden lang an drei Vormittagen in der Woche. Zwischen sechs und 16 Jahren sind die Schüler alt. Aber auch der dreijährige Sohn von Salam Shehada ist schon beim Englisch-Unterricht mit dabei und spricht nach, was seine Mutter vorsagt.

Einzelne Buchstaben werden geübt: aufgemalt und ausgeschnitten. Die Lehrerin erklärt, wie der Buchstabe heißt und wie er ausgesprochen wird. Das sagen dann alle nach. Später werden Buchstaben kombiniert: ba – ba – ba – ba...

"Jalla, jalla", muss Shehada manchmal ein bisschen antreiben, wenn in der großen Gruppe nicht alle bei der Sache sind. Wenn es nicht läuft, hilft sie oder eine der Kolleginnen aus. Auch deutsche Worte mischen sich wie von selbst in den arabischen Redefluss: "jetzt", "Karte".

Drei Lehrerinnen

Daheim in Syrien war die 34-Jährige Lehrerin für Englisch. Ihr Mann unterrichtete Mathematik. Seit vier Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Deutschland. Wie ihre zwei Kolleginnen, die ebenfalls Lehrerinnen sind, für Englisch und für Französisch, kann sie hier nicht in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Nun hat sie ehrenamtlich das Nachhilfeprojekt gegründet. Viel lieber wäre ihr allerdings, wenn sie dafür bezahlt werden könnte.

Noch ist unklar, wie es weitergehen soll. In den Ferien war es möglich, die Räume im Lutherhaus zu nutzen. Während der Schulzeit geht das nicht. Salam Shehada sucht deshalb nach anderen Räumen, in denen sie am Nachmittag das Projekt fortsetzen kann. "Das wäre sehr schön", findet auch Dagmar Ludewig-Sandig. Sie betreut die Familie und hat die Entwicklung des Projektes mitverfolgt.

Bisher ist Salam Shehada bei der Raumsuche nicht fündig geworden und da sie nicht für den Unterricht bezahlt wird, die Eltern nur wenig dazugeben können – Material muss ja auch angeschafft werden –, sollten die Räume mietfrei sein. Bei der Stadt habe sie schon angefragt und auch mit Integrationslotsin Kathrin Okafor war die 34-Jährige in Kontakt.

Entmutigen lässt sich die junge Frau und Mutter nicht. Sie hofft darauf, dass sich noch Räume finden, sich vielleicht jemand bei ihr meldet (Telefon: 09841/601 87 00). Etwas Positives hat sich beruflich mittlerweile ergeben: Sie wird einige Stunden in der Mittagsbetreuung an der Delpschule arbeiten können. 

CLAUDIA LEHNER

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