Nicht rund um die Uhr besetzt

Notarztstandort in Franken ist in Gefahr

2.1.2022, 23:46 Uhr
In der Frage der künftigen Notarzt-Standorte ist noch nichts entschieden. Landrat Helmut Weiß kündigt weitere Gespräche an.

In der Frage der künftigen Notarzt-Standorte ist noch nichts entschieden. Landrat Helmut Weiß kündigt weitere Gespräche an. © Günter Blank, NN

Wenn es schnell gehen muss, Leute medizinische Hilfe brauchen, sind neben Rettungswagen Notärzte unabdingbar. Im Landkreis gibt es drei Notarzt-Standorte: Neustadt, Bad Windsheim und Uffenheim. Doch wie lange noch? Wie berichtet hatte Uffenheims Bürgermeister Wolfgang Lampe im Kreistag seine Sorge kundgetan, dass seine Heimatstadt den Standort verlieren könnte, auch für Bad Windsheim könnten sich Veränderungen ergeben.

Notarztstandorte nicht durchgehend besetzt

„Beide Notarztstandorte sind seit einiger Zeit nicht durchgehend sichergestellt“, bestätigt nun Dr. Axel Heise, Stellvertretender Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Und auch Landrat Helmut Weiß schaltete sich gestern Nachmittag per Pressemitteilung in die Debatte ein. Er beschreibt den Stand der Dinge und verwahrt sich gegen Polemik.

„In 2021 war der Notarztstandort Bad Windsheim zwischen 74 bis 100 Prozent und der Notarztstandort Uffenheim zwischen zirka 50 bis 89 Prozent besetzt“, teilt Heise auf Nachfrage der WZ mit. Die KVB und der laut Rettungsdienstgesetz zuständige Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Ansbach hätten „Gespräche mit verschiedenen Beteiligten zur Verbesserung der Besetzungssituation geführt“.

Landrat Helmut Weiß ist Mitglied in diesem Zweckverband und sagte kürzlich, dass über das Thema auch schon in Ausschüssen des Kreistages gesprochen wurde. Es gehe bei den aktuellen Überlegungen um eine Optimierung, da Dienste aufgrund des Fehlens von Ärzten nicht besetzt werden könnten. Eine Zusammenlegung der Standorte von Uffenheim und Bad Windsheim könnte dazu dienen, den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Erinnerung an Versorgungsversprechen

Zwischenzeitlich hatte sich auch SPD-Kreisrat Bernhard Schurz an die WZ gewandt. Seiner Meinung nach gelte das Versorgungsversprechen „auch für die (not)ärztliche Versorgung“. „Die Bürgermeister von Uffenheim und Bad Windsheim wurden vorab nicht offiziell informiert“, teilte Schurz mit. „Warum wohl? Will man wieder ganz leise, im Hintergrund gesteuert, die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellen?“

So weit ist es aber alles noch nicht. „Die Überlegungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen“, teilt Axel Heise mit. Der Zweckverband für Rettungsdienst lege „für die Sicherstellung des Rettungsdienstes in seinem Rettungsdienstbereich notwendige Versorgungsstruktur fest“. Entscheidungen über Notarzt- und Verlegungsarzt-Standorte, Dienstbereiche und die Vorhaltung von Notarzt-Einsatzfahrzeugen und Verlegungsarzt-Einsatzfahrzeugen würden im Einvernehmen mit der KVB getroffen.

Höchst unterschiedliche Dichte bei Notarztversorgung

Axel Heise erklärt, dass der Notarztdienst „in medizinischer und organisatorischer Hinsicht nach dem objektiven Bedarf ausgerichtet werden“ müsse. „In früheren Jahrzehnten wurden die Notarztstandorte in Bayern nicht immer nach diesem gebildet.“ Die Folge: Es gibt eine „höchst unterschiedliche Dichte von Standorten sogar in Landkreisen, die von ihrer Fläche und Bevölkerungszahl her nahezu identisch sind“. Aktuell erstelle ein wissenschaftliches Institut nach Auftrag des Bayerischen Innenministeriums „eine Studie zum Notarztdienst in Bayern, in der die Bedarfsfrage zur Aufrechterhaltung aller bestehenden Notarztstandorte beleuchtet wird“.

Neben einzelnen Notarzt-Standorten müsste laut Axel Heise aber auch das Gesamtsystem betrachtet werden. „ Für nicht voll besetzte Notarztstandorte sieht das System Back-ups vor“, teilt Heise mit. So gebe es für unbesetzte Notarzt-Standorte „ein gut funktionierendes System, um die notärztliche Versorgung der Bevölkerung in jedem Fall zu sichern“. Über die Integrierte Leitstelle werde „der nächstliegende Notarzt oder insbesondere tagsüber der Rettungshubschrauber“ alarmiert. Wo Notärzte im Kreis künftig stationiert sein werden, ist aber noch offen.

Notärzte: gemeinsamer Dienstplan

Gestern nun schaltete sich Landrat Helmut Weiß via Pressemitteilung abermals in die Diskussion ein. Demnach fand Ende dieses Jahres ein Gespräch auf Ebene des Zweckverbands statt, in dem „die seitens des Zweckverbands entwickelte Idee der probeweisen Etablierung eines gemeinsamen Notarztbereichs mit einem gemeinsamen Dienstplan für die Rettungsdienststandorte Bad Windsheim und Uffenheim unter Beibehaltung beider Standorte als möglicher Verbesserungsansatz erstmals diskutiert wurde“. Der Gedanke sei dabei der, dass „durch das Zurückgreifen auf den anderen Notarztstandort im Rahmen eines gemeinsamen Dienstplans“ tatsächlich unbesetzte Notarztschichten vermieden werden können, bestätigt Weiß die entsprechenden Ausführungen Heises.

Weiß unterstreicht in seiner Pressemitteilung: „Es wurden dazu weder Beschlüsse noch weitere Festlegungen getroffen.“ Der Landrat kündigt an: „Es werden zeitnah zu dem wichtigen Thema weitere Gespräche mit den weiteren beteiligten Stellen erst noch stattfinden. Diese gilt es zu führen und dabei immer die bestmögliche Versorgung unserer Bevölkerung im Visier zu haben.“

Ärztemangel ist das Grundproblem

Eine Verbesserung der Situation sei sachlich anzugehen, so Weiß weiter. Als Landrat dränge er auf eine gute notärztliche Versorgung, da werde er auch nicht lockerlassen. „Polemische Äußerungen zu dem Thema“ sowie die Vermischung des wichtigen Themas mit anderen Dingen seien „fehl am Platz“. Diese „verbessern in keinster Weise die Situation und bringen uns überhaupt nicht weiter, das ist nicht mein Politikstil“. Grundproblem sei „der uns überall treffende Ärztemangel, das ist der Dreh- und Angelpunkt“.

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