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Mittwoch, 12.05.2021

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Nur noch mit negativem Corona-Test: Das sagen Einzelhändler zur Testpflicht

Ab Mittwoch gelten andere Regeln im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim - 13.04.2021 06:00 Uhr

Ein Corona-Selbsttest unter Aufsicht vor dem Geschäft ist eine Möglichkeit, um ab Mittwoch im Einzelhandel einkaufen zu gehen.

12.04.2021 © Foto: Claudia Lehner


Zuerst Click & Collect, dann Click & Meet und nun Einkaufen in den Einzelhandelsgeschäften der Innenstadt nur noch mit einem negativen Corona-Test. Immer wieder gibt es neue Vorgaben, die es den Händlern nicht gerade einfach machen. Da der Sieben-Tage-Inzidenzwert am Montag im Landkreis am dritten Tag in Folge über 100 lag, gelten nun strengere Regeln – aber nicht nur für den Einzelhandel.

Die verschärften Regeln wurden per Änderung der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vergangene Woche verabschiedet und traten zum Montag im Freistaat in Kraft. Demnach bleiben Drogeriemärkte, Apotheken und Lebensmittelläden unabhängig vom Inzidenzwert weiterhin geöffnet. Blumenfachgeschäfte, Gartenmärkte, Gärtnereien, Baumschulen, Baumärkte und Buchhandlungen werden künftig wieder wie sonstige Geschäfte des Einzelhandels behandelt.


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Die sogenannten Click & Meet- Angebote sind seit Montag auch bei Werten zwischen 100 und 200 in bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten erlaubt. Bedingung hierfür ist aber ein negativer Corona-Test. Laut Bastian Kallert, Pressesprecher am Landratsamt in Neustadt, müssen die Kunden einen aktuellen negativen Test vorlegen: entweder einen maximal 48 Stunden alten PCR-Test, einen Schnelltest – höchstens 24 Stunden alt, wenn er beispielsweise in einer Apotheke oder einem Schnelltestzentrum durchgeführt wurde – oder auch einen Selbsttest, dann aber vor Ort, vor dem Einlass in den Laden und unter Aufsicht vorgenommen. Dieser Selbsttest gilt dann aber nur für das eine Geschäft.

Große Verunsicherung

Die Einzelhändler, aber auch die Kunden waren zunächst verunsichert. Was gilt nun wirklich und ab wann? Etliche riefen am Landratsamt an, um sich zu versichern.

Für Gabriele Lober, Inhaberin der gleichnamigen Floristerei in Obernzenn, ist es deshalb wichtig herauszustellen: Vorbestellen und Abholen, also Click oder Call & Collect, wie es die Kunden bereits kennen, ist auch weiterhin möglich – ohne Test. Denn das Testen im Laden, unter Aufsicht, hält sie nicht für realistisch. In der praktischen Umsetzung sei das schwierig. Und die Schnelltests für mehr als fünf Euro dann auch noch zu finanzieren, wenn man ohnehin kaum etwas verdiene, sei keine Option. Bleibt der kostenlose Test einmal in der Woche in einer Apotheke oder einem Testzentrum. Doch in wie weit die Kunden das nutzen werden? Sie ist sich unsicher, aber doch eher skeptisch. Call & Collect, das kenne man schon und es habe ganz gut funktioniert, sagt Lober.

Das wird es auch in den übrigen Läden weiterhin geben, zum Beispiel beim Schuhhaus Zechmeister in Bad Windsheim. Auch dort werden keine Tests vor Ort angeboten, wie Juniorchef Simon Zechmeister erklärt. Er glaubt auch nicht, dass diese sehr begehrt wären. Erst 15 Minuten warten, um dann in den Laden zu können. Natürlich könne man aber mit den entsprechenden Testergebnissen aus Apotheken oder Testzentren gerne einkaufen.


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Die Einzelhändler sind alles andere als begeistert: von "großer Freude" – ironisch – bis Wut reichen die Reaktionen. "Untragbar und diskriminierend" findet Verena Lauer-Riedel von Leder Lauer in der Kurstadt die Testpflicht. Der Test sei nur eine Momentaufnahme und könne noch dazu fehlerhaft sein. Bei anderen übertragbaren Krankheiten gebe es auch keine Testpflicht. Natürlich will sie aber trotzdem für ihre Kunden da sein können.

Die "ganze schöne Sommerware" hängt jetzt im Laden, klagt Heidi Westphal. Sportartikel und -mode bietet sie in ihrem Laden an. Derzeit ist sie eine von wenigen, die erwägen, die Selbsttests vor Ort kostenlos durchführen zu lassen. Man habe schon vor Wochen Tests beim Einkaufsverband bestellt, aber die seien noch nicht geliefert worden.

Glücklich ist die über die Regelung nicht, im Laden sei so viel Platz, um sicher und mit Abstand einkaufen zu können. Motivierend für einen Einkauf findet sie die Testpflicht nicht. Auch sie setzt zunächst einmal darauf, dass Click & Collect wieder genutzt wird, wenn jemand den Aufwand für einen Test im Vorfeld scheut.

Es bleibt der bange Blick auf die Inzidenzwerte, um zu wissen, wie man einkaufen darf. Sollte dieser wieder unter 100 fallen, wäre Click & Meet ohne Tests wieder möglich. Sollte er weiter steigen, über den Wert von 200, bleibt die Abholung vorbestellter Waren in Ladengeschäften – ohne Test.

CLAUDIA LEHNER

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